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Räderwerk der Walküre herausgegeben von Alisha Bionda

Reihe SteamFantasy Band 1

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Eine Kopfgeldjägerin auf dem Maschinenplaneten Ingenmachina, eine Zwergenprinzessin im Dampfzeitalter und eine junge Frau, die gerne Mechanikerin wäre und einen seltsamen, kleinen Mann trifft, der ihr Leben auf den Kopf stellt – Toni Alexander Ihme, Guido Krain, Tabea Petersen, Birgit Read, David Seinsche, Nadine Stenglein und Rebecca Timm betten ihre SteamPunk-Erzählungen in fantastische Welten ein. Lassen Sie sich von ihnen entführen und erleben sie stimmungsvolle Abenteuer.

 

Rezension:

Steampunk ist ein Subgenre der Phantastik, das viele LeserInnen aber wenig Beachtung erfährt. Vielleicht ist es gerade die Verbindung von Technik und historischen Settings, jene Mischung aus Fantasy und SF, die Genre-Puristen die Stirn kräuseln lässt. Zudem stellt sich die Frage, was denn nun der Punk-Anteil in den Geschichten sein soll. Alisha Bionda geht dieser wenig zielführenden Diskussion aus dem Weg indem sie eine neue Reihe unter dem Label SteamFantasy herausgibt.

Sieben Geschichten laden in Räderwerk der Walküre dazu ein, mit Dampf, Magie und Schraubenschlüssel ferne Welten zu erkunden und auf mögliche längere Prosatexte vorzubereiten.

 

Der Pfeifer im Nebel von Tabea Petersen eröffnet die Anthologie mit einer eher konventionellen Geschichte.

Vardis ist Heilerin im Dienst des Kaisers und entfernt mit der herrschenden Familie verwandt. Das Reich liegt im Krieg mit abtrünnigen Fürstentümern. Als sie von einem Luftschiff der Abtrünnigen angegriffen werden, bekommt Vardis jede Menge zu tun. Doch dann entdeckt sie mit ihrer Tante im Meer einen der abgeschossenen Soldaten des Feindes. Er ist jener Pfeifer im Nebel und dem Tode nahe …

 

Tabea Petersen beginnt sehr detailliert und stellt ihre Figuren und ihre Konflikte entsprechend ausführlich vor. Doch ohne erkennbaren Grund beendet sie die erwartbare Liebesgeschichte im Zeitraffer. Vielleicht wird sie den Text noch zu einem Roman erweitern.

 

Laurinda Octavia Chandler leidet darunter, dass sie als wohlerzogenes Mädchen nur Teekannen und Kochlöffel entwerfen und herstellen soll. Dabei zieht es sie hin zu Zahnrädern und echten Maschinen. Welch Glück, dass sie eines Tages über den Laden von Frances Hecuba Crabb stolpert. Der Mechaniker sucht nicht nur gerade eine Assistentin, er baut auch gerade an einer Maschine, die die Zeit anhalten kann, zumindest fast …

 

Birgit Read entwickelt in Laurindas Traum eine viktorianisch geprägte Welt, in der Magie und Technik ineinander übergehen. Das ist als Setting nicht uninteressant, in Verbindung mit einer fröhlichen Emanzipationsgeschichte ergibt sich eine märchenhafte Geschichte, die nicht nur munter erzählt ist, sondern durchaus Spaß macht.

 

Guido Krain hat eine Vorliebe für energische weibliche Figuren in erotischen Actionabenteuern. Die Titelgeschichte Räderwerk der Walküre bildet hierfür keine Ausnahme.

Im Mittelpunkt steht Pursey. Er ist ein Shaivan und war einst Anführer eines Kultes und ein despotischer Herrscher, der sich mit seinen Armeen alles nahm, was er begehrte. Hauptsächlich Lustsklavinnen und Essen. Doch dann musste er ins Exil gehen und verbrachte eine lange Zeit in Einsamkeit und mit der Zubereitung kulinarischer Köstlichkeiten. Bis man ihn entführte und an Bord eines Luftschiffes in einen engen Käfig verfrachte. Bei völlig inakzeptabler Verpflegung. Als wäre das nicht schon schlimm genug, erscheint plötzlich eine süße Blondine in schwarzer Lederkluft und schießt mit einer Bolzenwaffe auf ihn in der deutlichen Absicht, ihn zu töten …

 

Ganz offensichtlich stellt »Räderwerk der Walküre« den Beginn einer ganzen Reihe von Pursey und den drei Damen des Geheimbundes der Geheimbünde jagt dar. Setting und Figuren sind hinreichend ausgebaut, Pursey bietet als magisches und sexbesessenes Wesen mit einer verachtungswürdigen Vergangenheit genügend Potential für actionreiche Verwicklungen und erotische Abenteuer. Also exakt das, was Guido Krain mühelos aus der Hand zu schütteln vermag. Wir dürfen gespannt sein.

 

Ein ebenfalls gelungenes und ausbaufähiges Worldbuilding gelingt Rebecca Timm in Rabengeborene.

Tonya ist eben jene Rabengeborene, ein Vogelmensch. Sie lebt auf dem Maschinenplaneten Ingenmachina, der durch die rätselhaften Nymphen lebensfähig und zu einer Art unabhängigen Freihandelszone gemacht wurde. Für Ordnung sorgen die Eisernen Habichte und genau einen von denen bestiehlt sie, als sie einem Drang nach blinkenden Dingen nicht widerstehen kann. Als Clanlose hätte dieser Fehler ihr letzter sein können, doch Koron lässt Gnade vor Recht ergehen, denn er könnte die Hilfe einer Kopfgeldjägerin durchaus gebrauchen …

 

Die sauber erzählte Geschichte glänzt besonders mit Ideen zur Technik während die eigentliche Handlung doch eher normale Pfade beschreitet. Auch hier baut die Autorin ein Figurengespann auf, das für weitere Abenteuer prädestiniert ist.

 

Virgini lebt mit ihren Eltern auf Xenia, einem Planeten, dessen Sonne immer heißer brennt und für heftige Klimaveränderungen verantwortlich ist. Während ihr Vater die Umweltverschmutzung dafür verantwortlich macht, dass ein schützender Schirm immer schwächer wird, glaubt die Mehrheit mit weiterem Raubbau die Misere in den Griff zu bekommen. Doch dann werden auch die letzten Inseln überschwemmt und Virgini flieht mit ihrer Mutter in einem U-Boot in die Tiefen des Meeres …

 

Nadine Stengleins Neue Welt ist ein reichlich bemühtes Öko-Märchen. Die Botschaft wird mit einem Holzhammer serviert und weder die Figuren noch die Handlung überzeugen.

 

Auch David Seinsche bewegt sich mit Im Namen seiner Majestät auf recht eindimensionalen Pfaden.

Admiral Hermann von Sindelsdorff berichtet von einem Krieg zwischen seiner Heimat und einem Elfenmagier. Als Befehlshaber der königlichen Luftschiffflotte soll er die gegnerische Hauptstadt angreifen. Doch so leicht ist der Elf nicht zu schlagen.

 

Der Bericht des Admirals ist im nüchternen Ton eines Militärs gehalten und ganz auf die Schlusspointe zugeschnitten. Aber weder die Fantasywelt, noch die Technik oder Figuren gewinnen irgendein Profil.

 

Schwesternzwist von Toni Alexander Ihme reiht sich ein in eine ganze Reihe von Geschichten über Zwerge in einer von mechanischen Apparaten geprägten Welt wie etwa Drudir von Swantje Niemann oder Die Zerrissenen Reiche von Thomas Plischke.

 

Zwergenprinzessin Beleora klagt Lord Fron an, durch unverantwortliche Sparmaßnahmen ein tödliches Unglück in seinem Schmelzwerk verursacht zu haben. Damit macht sie sich nicht nur einen mächtigen Feind, sie stört damit ihre Schwester Bredica …

 

Intrigen, Zahnräder, Auftragsmörder. Die Zutaten sind Standardware und Toni Alexander Ihme handhabt Setting und Figuren problemlos, aber ohne dem Bekanntes etwas Neues hinzufügen. Eine weitere Fantasywelt, die für Fortsetzungen offen steht.

 

Shikomo erstellte zu allen Geschichten mindestens eine Illustration und beweist einmal mehr, dass er sich sowohl auf Atmosphäre als auch auf eine exotische Interpretation der Steampunk-Figuren versteht.

 

Fazit:

»Räderwerk der Walküre« herausgegeben von Alisha Bionda vereint vor allem Fantasygeschichten, die von Mechanik und Magie leben. Dabei erschaffen die Autorinnen und Autoren Welten und Figuren mit genügend Fortsetzungspotential für folgende Romane der Reihe »SteamFantasy«.

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Eure Meinung:

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Buch:

Räderwerk der Walküre

Reihe SteamFantasy Band 1

Herausgeberin: Alisha Bionda

Cover und Illustrationen: Shikomo

Gebundene Ausgabe, 230 Seiten

Arunya-Verlag, 15. August 2018

 

ISBN-10: 3958100171

ISBN-13: 978-3958100176

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B07G91B45K

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Inhalt:

Tabea Petersen: Der Pfeifer im Nebel

Birgit Read: Laurindas Traum

Guido Krain: Räderwerk der Walküre

Rebecca Timm: Rabengeborene

Nadine Stenglein: Neue Welt

David Seinsche: Im Namen seiner Majestät

Toni Alexander Ihme: Schwesternzwist

Weitere Infos:


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Erstellt: 05.09.2018, zuletzt aktualisiert: 30.08.2019 14:38