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Resident Evil 7 – Biohazard

Rezension von Cronn

 

Behutsam laufe ich durch den Flur. Der Wind heult um das Farmhaus, der Regen peitscht gegen die Fenster. Die Deckenbalken knarren und die Dielen knarzen bei jedem zweiten Schritt. Dabei zucke ich innerlich zusammen, denn ich fürchte, dass mich das Knarzen verraten könnte.

An der Ecke angekommen, beuge ich mich nach vorn und schaue zur Seite um die Ecke herum. Der Gang ist leer. Einzig eine Stehlampe erhellt ihn. Am anderen Ende ist ein Fenster zu sehen, das nicht ganz dicht ist, denn der Vorhang dort schwingt langsam hin und her.

Oder steht jemand dahinter?

So langsam bilde ich mir etwas ein. Jetzt reiß dich mal zusammen, schimpfe ich. Und dann laufe ich los.

Mitten in der Bewegung erscheint der alte Baker am anderen Ende des Ganges und stürmt zum Fenster. Entsetzt bleibe ich stehen. Der Kerl hat eine Schaufel in der Hand und blickt hinaus in die Nacht. Gottseidank hat er mich nicht bemerkt. Langsam laufe ich rückwärts.

Er murmelt etwas. Für mich hört es sich so an, wie »Wenn ich den erwische, den mach ich fertig!«. Ich schlucke schwer und will eben um die Ecke verschwinden, als er sich mir zuwendet.

»Hab ich dich!«

In dem Bruchteil einer Sekunde wird aus Furcht, blanke Angst und Panik. Ich renne los, versuche Mr. Baker zu umgehen und lande wieder in demselben Gang. Er müsste irgendwo hinter mir sein … doch da bricht er vor mir aus der Wand!

Ich kreische auf.

Ist meine Flucht jetzt zu Ende?

 

Resident Evil 7 – Biohazard ist endlich da. Das Horror-Game aus dem Haus Capcom erschien im Januar für PC, Xbox One und Playstation 4. Bei letzterer Version ist das Spiel mit Sonys VR-Unterstützung spielbar.

Wir haben uns das Headset aufgesetzt und uns in die virtuellen Horrorwelten von Capcoms neuestem Serienableger gestürzt. Und das ist eine wahrhaft grauenvolle Erfahrung gewesen, aber im positiven Sinn.

Eine Warnung vorneweg: Der Titel ist ab 18 Jahren gekennzeichnet – und das hat seinen Sinn! Die Erfahrung von »Resident Evil 7« ist heftig, brutal und sollte keinesfalls von Kindern aufgenommen werden.

 

Hintergrund:

Mit Resident Evil hat Capcom vor vielen Jahren eine Serie gestartet, welche auf Playstation und PC den Horror aus der Third-Person-Perspektive salonfähig gemacht hat. Spätestens mit dem vierten Teil der Serie, der sehr erfolgreich war, wurde der Fokus vom spannenden Horror weg und hin zur Action verschoben. Mit dem fünften Teil wurde dieser Ansatz weiter verfolgt und beim sechsten Teil war die Action so dominant, dass alte Fans der Serie vergrault wurden.

Nun hat man sich der Kritik bei Capcom angenommen und mit »Resident Evil 7 – Biohazard« eine Rückkehr zu den Wurzeln versprochen. Wie gut das gelungen ist, soll der nachfolgende Test der Playstation-4-Version zeigen.

Es wird auch auf die PC-Variante eingegangen und da werden gerade die Unterschiede im Spielerlebnis mit und ohne VR-Unterstützung deutlich.

Als Spieler begibt man sich in Form des Charakters Ethan Winters, der drei Jahre nach dem Verschwinden seiner Freundin einen Notruf von ihr erhält und sich ins ländliche Amerika begibt, um sie zu retten. Er besucht das Farmhaus der Familie Baker, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht.

Die Story ist nach dem sechsten Serienteil angesiedelt, hat aber anfangs weniger starke Bezüge zum »Resident-Evil«-Universum, so dass auch Serien-Neulinge mit dem Spiel etwas anfangen können.

Die Geschichte entfaltet sich durch das genaue Erforschen der Umgebung und dem Auffinden von Notizen. Es macht großen Spaß der Geschichte zu folgen und spätestens bei der ersten Zwischensequenz wird klar, dass »Resident Evil 7 – Biohazard« die richtigen Horror-Schrauben anzieht.

 

Gameplay:

Durch das Horroranwesen bewegt man sich in der Ego-Perspektive. Das macht »Resident Evil 7 – Biohazard« aber nicht zu einem Ego-Shooter, dafür ist die Bewegungsgeschwindigkeit zu reduziert und das Gameplay ist auch nicht darauf ausgerichtet. So gibt es beispielsweise keine Massen an Gegnern und auch keine Unmengen an Munition.

»Resident Evil 7 – Biohazard« fußt auf der Exploration, d. h. dem Erforschen der Umgebung. Dabei findet man Gegenstände, welche sich mehr oder weniger harmonisch in die Umgebung einfügen. Schlüssel finden wirkt hierbei zwar harmonisch, wäre auf Dauer aber zu eintönig. Um Türen zu öffnen, bedarf es auch der aus alten Resi-Teilen beliebten Schattenrätsel. Hierbei dreht man Gegenstände im Licht so, dass sie einen benötigten Umriss darstellen. Das fühlt sich ein wenig so an wie das Bleigießen an Silvester und macht Spaß, auch wenn es im Kontext eines logisch konstruierten Hauses unsinnig ist.

Neben den Rätseln gibt es noch die Kämpfe. Diese sind durchaus fordernd und stressig, da wenig Munition vorhanden ist und die Gegner einige Treffer aushalten, durchaus auch mehrere Kopftreffer. Was bei menschlichen Gegnern unlogisch klingt, macht später im Lauf der Handlung aber Sinn. Zuviel soll daher nicht verraten werden.

»Resident Evil 7 – Biohazard« ist ein klassisches Horrorspiel. Es baut geschickt Spannung auf, indem es mit Geräuschen und optischen Unwägbarkeiten spielt und somit den Zuschauer konstant unter psychischen Stress setzt. Dies entlädt sich in Actionsequenzen, die dann umso heftiger wirken. Die Umgebung des ländlichen Amerikas ist dabei auf das Innere von Häusern weitgehend beschränkt. Anfangs durchläuft man auch Außenareale, aber das ist die Ausnahme. Das Spiel ist ein Spukhaus-Simulator, der gelungen die richtigen Saiten anschlägt.

Besonders spannend sind auch die Video-Kassetten-Sequenzen geworden. Hier legt man die gefundenen Kassetten in einen Video-Rekorder und spielt dann aktiv im Filmmaterial mit. Eine gelungene Idee, um mehr Varianz in das Gamedesign zu bringen.

 

Grafik und Sound:

Die grafische Qualität ist aufgrund einer neuen RE-Engine als sehr gut zu bezeichnen. Diese Aussage bezieht sich auf die normale PC- und die Playstation-4-Fassung. In VR lässt die Grafikqualität ein wenig nach, so dass beispielsweise God-Rays (durch Fenster fallende Lichtstrahlen) fehlen. Das wird aber mehr als wettgemacht durch die vollkommen immersive Erfahrung der VR. Dazu später in einem gesonderten Abschnitt mehr.

Die meisten Texturen sind hochaufgelöst. Nur im Hintergrund fallen einige matschige Oberflächen auf und der ein oder andere Clippingfehler existiert.

Im Soundbereich hat sich die Capcom-Abteilung wahrhaft einen Orden verdient. Dermaßen knackscharfe Sounds und ein gelungener Soundteppich finden sich nicht überall im Horror-Bereich. Stets ist es klar zu orten, woher die Geräusche kommen. Und die deutsche Synchronisation ist ebenfalls gelungen, was bei anderen Titeln nicht immer der Fall ist.

 

VR-Erfahrung:

Zur VR-Erfahrung soll hier ein extra Abschnitt geschildert werden, da »Resident Evil 7 – Biohazard« hier eine Ausnahmestellung innehat.

Das Game ist das erste AAA-Spiel, das von Beginn an auf eine VR-Erfahrung gesetzt hat. Das merkt man dem Spiel in vielen Designentscheidungen an, so beispielsweise bei der geringen Laufgeschwindigkeit, der einstellbaren Drehbewegung (flüssig oder in Grad-Schritten) und anderen Details.

Die vielen Einstellungsmöglichkeiten sollen die bei einigen Spielern im VR-Modus auftretende Motion-Sickness verhindern helfen. Das gelingt sehr gut. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass mehrere Tester das Spiel gespielt haben und der Motion-Sickness-Effekt entweder gar nicht oder erst nach ca. einer Stunde auftrat, und dann in einem geringen Maß.

»Resident Evil 7 – Biohazard« ist eine definitiv hervorragende VR-Erfahrung. Das gründet sich auf der Tatsache, dass das Spiel die Limitierungen klassischer Games aufhebt.

Um das zu illustrieren, müssen einige Szenen genauer erklärt werden. Dabei werde ich versuchen, größere Spoiler zu vermeiden. Allerdings kann ich nicht auf die ein oder andere Bemerkung zur Handlung verzichten. Be warned!

 

Ein Beispiel: Zu Beginn des Spiels findet man einen Van in den Sümpfen Louisianas. Man kann dessen Schiebetür öffnen. In einem klassischen Gameplay wäre hier Schluss. Man könnte zwar hineinsehen, aber das Game sieht eine weitere Untersuchung des Inneren des Wagens nicht vor. Aber nicht so bei VR! Hier kann man sich nach vorne lehnen und in den Wagen eintauchen. Das erzeugt den Effekt, dass man sich vor Ort fühlt. Auch an anderen Stellen ist dieses »Hineintauchen« möglich. Sogar die Unterseite von Tischen kann man betrachten, die Rückseite von Bildern an der Wand, das Innere von Kaminen. Man erobert sich als Spieler den Spielraum auf eigene Weise selbst. Dieses Stilmittel ist dermaßen immersiv, dass man von einer neuen Spielerfahrung sprechen kann.

 

Ein zweites Beispiel für die neue Erfahrungswelt ist das erste Mal, an dem man im Spiel körperlich attackiert wird. Es ist erschreckend, wenn man zum ersten Mal eine Kettensäge im Bauch stecken hat. Diese Spielerfahrung hat man klassicherweise nicht, denn wo sonst Bildschirm, Tastatur und Maus eine Distanz schaffen, ist in VR diese Distanz aufgehoben. Man sieht an sich hinunter und sieht sozusagen das Messer in der Brust stecken (oder andere »Werkzeuge«). Das ist aufreibend unangenehm im ersten Moment, doch im zweiten Moment atmet man auf (»Es ist nur ein Spiel – gottseidank«). Hier wird die vierte Wand zwischen dem Geschehen und dem Spieler eingerissen. Das macht die VR-Erfahrung so unglaublich intensiv. Manch Spieler wird davon nach einiger Zeit allerdings gestresst sein, so dass eine Spielpause nötig ist.

 

Das Zielen in VR ist per Headtracking möglich, so dass es sich sehr intuitiv anfühlt: Dort hinschauen, wo man hinschießen will. Fertig.

Das Laufen geschieht per Stick, wählbar ist Gehen und Rennen. Auch das Ducken funktioniert. Die Drehung des Körpers kann man – wegen der Motionsickness – in Grad-Schritten anpassen oder völlig frei wählen.

 

Fazit:

»Resident Evil 7 – Biohazard« ist die richtige Injektionsspritze für die Serie und bringt alte Tugenden als Innovationen zurück. Der Kenner freut sich über die ein oder andere Anspielung auf frühere Teile. Der Neueinsteiger findet sich problemlos zurecht im »neuen« Szenario.

Für VR-Besitzer und Horror-Fans ist »Resident Evil 7 – Biohazard« eine Offenbarung. Noch nie konnte man dermaßen tief in ein Horrorspiel eintauchen, was in manchen Momenten eine durchaus erschreckende Erfahrung ist. Doch genau das ist es ja, was Horrorspieler wollen: intensive Momente der Spannung und des Grauens. Beides bietet »Resident Evil 7 – Biohazard« zuhauf.

Ein wahres Highlight und Fest für Horror-Enthusiasten!

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Eure Meinung:

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PlayStation 4:

Resident Evil 7 – Biohazard

PlayStation 4

Capcom, 24. Januar 2017

USK: 18

 

ASIN: B01H1KE0DE

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 07.02.2017, zuletzt aktualisiert: 14.02.2019 17:40