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Risiko von Charles Atkins

Rezension von Christel Scheja

 

Psychologische Thriller beschäftigen sich in erster Linie mit den Menschen selbst. Wie ist ein Serienkiller gestrickt? Kann man ihm auch als normal denkender Mensch auf die Schliche kommen? Wie wirkt sich das Geschehen selbst auf die Seele und den Geist der Betroffenen aus? Sehr gerne wird dabei auch mit Vorurteilen herum gespielt. Und oft ist die Wahrheit eine andere als man die ganze Zeit gedacht hat. Das trifft auch auf den Roman „Risiko“ von Charles Atkins zu.

 

Sie sind von vorneherein verurteilt, die Kinder, die in die psychiatrische Klinik eingeliefert werden, weil sie durch Gewaltanwendung oder aggressive Schübe gegenüber ihren Eltern und Mitmenschen unangenehm aufgefallen sind oder andere Verbrechen verübt haben. Mit chemischen Psychopharmaka versucht man ihnen so gut wie möglich bei zu kommen, weil man sie anders gar nicht mehr erreicht.

Dr. Molly Katz beobachtet das mit Grauen. Sie hat selbst zwei Kinder, die in einem ähnlichen Alter sind und fragt sich natürlich immer, ob ihr das auch passieren kann. Denn bei den Behandlungen stellt sie fest, dass oftmals auch die Eltern ihren Teil dazu beigetragen haben, dass die Kinder so geworden sind, wie sie sich jetzt geben.

Sie möchte ihnen gerne helfen, kommt aber auch nicht so richtig an sie heran und der ein oder andere macht ihr sogar Angst.

Dann geschehen kurz hintereinander seltsame Dinge. Erst dreht ein Mädchen in der Notaufnahme der Klinik durch und fällt über seine Mutter her. Es kostet viel Kraft, die beiden wieder voneinander zu lösen. Nur ein paar Tage später wird eine der Nachtschwestern erstochen aufgefunden. Alles deutet darauf hin, dass der junge Schizophrene Billy Keene die Tat begangen hat. Immerhin ist er allen Mitarbeitern des Krankenhauses schon durch seine unangenehm bedrohliche Verhaltensweise aufgefallen.

Andererseits will und kann Molly das nicht glauben, da sie den Jungen in ein paar Sitzungen betreut hat und andere Seiten von ihm kennt. Als sie sich die Sache genauer ansieht, wird sie immer tiefer in den dunklen Sumpf aus Angst und Gewalt hinein gezogen, der die Kinder Bostons beherrscht, Ohne es zu wollen, macht sie jemanden auf sich aufmerksam, der nun sie und ihre Kinder ins Visier nimmt. Und es ist ein Mensch, der in dieser Hinsicht niemals in Verdacht geraten ist.

 

Charles Atkins zeichnet eine düstere und grausame Welt voller Gewalt und Vorurteile. Er nutzt es aus, dass die einmal auffällig gewordenen Kinder gleich in eine Schublade geschoben und entsprechend behandelt werden. Aus den Augen seiner Heldin erlebt der Leser Mit, wie sich Verdachtsmomente verdichten und dann noch wieder auflösen und der wahre Täter ganz anders ist, als man sich ihn vorgestellt hat.

Ohne all zu sehr den mahnenden Zeigefinger zu heben, zeigt er, wie es in den Kliniken zugeht und dass dort die Menschlichkeit ebenso verloren geht wie auch den gewaltversuchten Straßen der Stadt. Die einzelnen Personen sind da eher Nebensache. Zwar wird auch Mollys Familienleben thematisiert aber nicht unbedingt in den Mittelpunkt gerückt. Es dient dazu, um einen Kontrapunkt zu den zerrütteten Verhältnissen der Patienten in der Klinik zu bilden, umgekehrt stellt Molly ihre Erziehungsmethoden dadurch immer wieder in Frage.

Heraus kommt ein Thriller, der zwar nicht mit bedrohlichen Verschwörungen und Action, aber einem sehr scharf gezeichneten Bild zwischenmenschlicher Interaktion und der klaren Absage an Vorverurteilungen punkten kann.

 

Das macht “Risiko“ zu einem Thriller für alle, die in erster Linie eine Erforschung der Abgründe in der menschlichen Seele schätzen und dafür auch einmal Alltagsschilderungen aus dem Leben der Heldin in Kauf nehmen. Da der Autor seine Mischung gut gewichtet wird der Roman niemals langweilig und bliebt von Anfang bis Ende spannend.

 

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Risiko

Autor: Charles Atkins

Original: Risk Factor, USA 1999

Broschiert, 304 Seiten

Bastei Lübbe, erschienen Mai 2008

ISBN: 978-3-404-15871-3

Übersetzung aus dem Englischen von Marcel Bülles

Titelbild von Don Farell

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 31.07.2008, zuletzt aktualisiert: 12.05.2016 13:51