Roter Zwerg (Grant Naylor, Roter Zwerg Band 1)
 
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Roter Zwerg von Grant Naylor

Reihe: Roter Zwerg Band 1

Rezension von Carina Schöning

 

„Roter Zwerg“ ist der erste von insgesamt vier Teilen des gleichnamigen Science Fiction Zyklus und erschien im Original schon vor fast 20 Jahren. Hinter dem Pseudonym verbergen sich die beiden englischen Autoren Rob Grant und Doug Naylor, die zusammen Drehbücher für verschiedene Fernsehsendungen geschrieben und 1989 das Konzept zu der BBC Serie „Red Dwarf“ entwickelt haben. Während die humorvolle Science Fiction Parodie in ihrer Heimat Kultstatus erreicht hat, ist sie in Deutschland dagegen weniger bekannt.

 

Der 25 jährige Londoner Dave Lister hat mit seinen besten Freunden feucht-fröhlich seinen Geburtstag gefeiert und ist am nächsten Tag mit starken Kopfschmerzen auf dem Saturn-Mond Mimas aufgewacht. Anscheinend hat er sich im besoffenen Zustand irgendwie die Passage unter fremden Namen ergattert und steht nun ohne Gepäck und Geld da. Die Rückfahrt zur Erde ist schweineteuer und zudem erhält er keine offizielle Arbeitserlaubnis, da er nur unter dem Namen Emily Berkenstein bekannt ist. Daher schlägt sich Dave mehr schlecht als recht durch die neue und unbekannte Welt. Tagsüber schläft er in einem kleinen Gepäckfach am Bahnhof und nachts leiht er sich Taxi-Hopper von ihren Besitzern aus, um illegal ein wenig Geld zu verdienen. Das jedoch funktioniert nicht wirklich und der faule und chaotische Engländer schreibt sich letztendlich beim Militär ein. Ohne Abschluss, Ausbildung oder besondere Motivation wird er beim Space Korps nur Techniker vierter Klasse, sprich Handlanger für Reinigungsdienste und das pflichtbewusste Nachfüllen der Hühnersuppen-Automaten an Bord. Dave kommt zusammen mit anderen, ebenfalls hoch qualifizierten Idioten auf den rieseigen Bergbau-Frachter „Roter Zwerg“ in die allerletzte Abteilung Z. Deren Vorgesetzter Arnold Rimmer ist nicht nur peinlich bemüht seine schlampigen Untergebenen zur Arbeit anzutreiben, sondern auch noch ausgerechnet der Kabinen-Mitbewohner von Dave. Mit seiner peniblen und verklemmten Art passt er wunderbar zum unorganisierten Dave und das Chaos ist schon vorprogrammiert.

 

„Roter Zwerg“ beginnt als klassische Science Fiction Parodie mit einem desinteressierten Antihelden, der einfach nur seine Ruhe haben möchte und wenig Wert auf seine Arbeit oder auch Sauberkeit legt. Mit viel schwarzem Humor und Ironie erzählen die beiden englischen Autoren Rob Grant und Doug Naylor von seinen aufregenden Nächten auf dem Mond oder auch die tolle Herausforderung beim Militär. Natürlich erinnern dabei einige Szenen an Douglas Adams Klassiker „Per Anhalter durch die Galaxis“, wobei sie dessen Detailreichtum und Humor nicht wirklich erreichen. Auch wirken manche Ideen bei näherer Betrachtung schon etwas antiquiert und altmodisch wie zum Beispiel die Hopper. Dennoch ist der Roman durchaus witzig und unterhaltsam geschrieben und auch die skurrile Figuren und abgedrehte Situationen können trotz des Alters immer noch überzeugen. Im Laufe der Handlung löst der trottelige Dave unbeabsichtigt eine riesige Katastrophe aus und sorgt so nicht nur dafür, dass alle anderen Mitglieder an Bord sterben, sondern ist auch für einen kleinen Zeitsprung von lockeren drei Millionen Jahre verantwortlich. Der ehemals hochintelligente Schiffscomputer ist dann mittlerweile stark verblödet und ausgerechnet sein früherer Vorgesetzten Rimmer, stolzer Techniker zweiter Klasse wird als Hologramm wieder zum Leben erweckt. Aus Daves kleinem Mitbringsel eines Zwischenstopps hat sich im Frachtraum auch eine ganze Kolonie von intelligenten und sprechenden Katzen entwickelt. Das letzte verbliebene Mitglied wird einfach nur Kater genannt und ist ähnlich einfach gestrickt wie Dave. Die buntgemischte Chaos-Crew wird durch den reparierten Diener-Roboter Kryten komplett. Gemeinsam versuchen sie trotz des gewaltigen Zeitsprungs einen Weg zurück nach Hause zur Erde zu finden. Der Roman ist dabei in drei Teilen aufgeteilt, wobei der erste mit Abstand der beste und witzigste ist. Leider ist der Umfang mit rund 330 Seiten nicht gerade groß und auch der Schluss enttäuscht mit einem allzu abrupten und offenen Ende. Die Fortsetzung „Besser als das Leben“ ist dabei erst für Sommer 2010 angekündigt.

 

Insgesamt ist „Roter Zwerg“ eine witzige und kurzweilige Science Fiction Parodie mit kleinen Schwächen und einem enttäuschenden Schluss. Wer jedoch skurrile Figuren und englischen Humor mag, kann hier aber ruhig zugreifen.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240303024506b6d1fbcb
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Buch:

Roter Zwerg

Reihe: Roter Zwerg Band 1

Autor: Grant Naylor

Original: Infinity Welcoms Careful Drivers, 1989

Übersetzer Wolfgang Thon

Cover: Max Meinzold

Blanvalet, 2009

Taschenbuch, 331 Seiten

 

ISBN 978-3-442-26665-4

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 16.01.2010, zuletzt aktualisiert: 17.10.2020 11:12, 9890