Ruf des Blutes (Autor: Laurell K. Hamilton; Anita Blake Bd.8)
 
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Ruf des Blutes von Laurell K. Hamilton

Reihe: Anita Blake Bd.8

Rezension von Carina Schöning

 

Anita Blake – lizenzierte Vampir-Henkerin und erfolgreiche Totenerweckerin ist zurück. Fast zwei Jahre mussten die Fans auf das nächste Abenteuer der kleinen, aber starken Kämpferin warten. Der achte Teil des „Anita Blake“ Zyklus der amerikanischen Autorin Laurell Kaye Hamilton erschien im Original schon 1998 und aus dem Titel „Blue Moon“ wurde das wenig originelle „Ruf des Blutes“.

 

Anita Blake hat nach ihrem Studium einen Job bei Animation Inc., einer bekannten Firma für Totenerweckung in St. Louis, Missouri angefangen. Schnell stellte sich heraus, dass sie eine große Begabung dafür hat und arbeitete sich Schritt für Schritt hoch. Gleichzeitig ist sie jedoch eine der wenigen lizenzierten Vampir-Henker in dem Bundesstaat und hilft nebenbei auch der örtlichen Polizei bei der Aufklärung von übersinnlichen Fällen. Dabei ist sie zwangsläufig immer wieder in den Wirkungskreis des gefährlichen Meistervampirs Jean-Claude und seinen Zirkus der Verdammten gekommen und hat sich schließlich nach langen Bedenken und Zweifeln ihm anvertraut. Sie wurde seine menschliche Dienerin und Geliebte und hat zusammen mit Richard Zeemann, dem Alphatier des örtlichen Werwolfsrudels ein Triumvirat geschlossen, das zwar allen Mitgliedern einen Machtgewinn ermöglichte, aber sie auch gleichzeitig voneinander abhängiger machte und für zusätzliche sexuelle Spannungen sorgte. Anita stand lange Zeit zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Männern und hat sich im letzten Roman doch für Jean-Claude entschieden.

 

Nun kommen die alten Gefühle für Richard wieder hoch. In Tennessee wurde er wegen einer angeblichen Vergewaltigung verhaften und sitzt im örtlichen Gefängnis. Er leugnet felsenfest die Anschuldigungen, doch die Indizien sprechen gegen ihn. Sein Bruder Daniel hat Anita verständigt und in Absprache mit Jean-Claude reist sie zu ihm. Dort stößt sie nicht nur auf korrupte Polizisten, sondern auch auf einen handfesten Konflikt zwischen dem Werwolfsrudel und der Vampirgruppe. Colin, der Anführer der Vampire sieht in dem Besuch der Vampir-Henkerin von Missouri eine Bedrohung für sich und seine Anhänger. Nun muss sie sich und die mitgebrachten Werleoparden und Vampire mit großem Körper- und Waffeneinsatz verteidigen.

Langsam kommt sie auch hinter den Motiven für die Anklage gegen Richard. Der Biologielehrer und Naturfreund beobachtet seit einiger Zeit eine Gruppe von frei lebenden Trollen, die einem Immobilieninvestor ein Dorn im Auge sind. Frank Niley ist ein skrupelloser Kunsthändler, der im wahrsten Sinne über Leichen geht und mit Hellsehern und Magiern ein altes Artefakt auf dem Gebiet der Trolle sucht. Richards Anklage war nur der Anfang, denn schon bald findet man die erste Leiche im Wald.

 

Während die Reihe um die charismatische Anita Blake im Original schon 17 Bände umfasst, geht die Übersetzung des deutschen Bastei Lübbe Verlags nicht ganz so schnell voran. Der achte Teil „Ruf des Blutes“ bietet die gewohnte Mischung aus den unterschiedlichsten Genres. Ein wenig Fantasy und Horror, viel Action und Dramatik, dazu eine Krimi-Rahmenhandlung garniert mit etwas zynischen Humor und eine große Portion Erotik. Die amerikanische Autorin geht nicht gerade zimperlich mit Sex und Gewalt um und lässt ihre Heldin wieder einmal an allen Fronten gleichzeitig kämpfen. So muss sich Anita mit Dominanzkämpfen innerhalb von Werwolf- und Werleoparden-Rudel herumschlagen, nebenbei Richards Unschuld beweisen und auch gegen Colin und Niley kämpfen. Hinzu kommt der übermächtige Geist der eigenhändig getöteten Werwolfsdame Raina und auch die Zweifel wegen Richard kommen wieder hoch. Vielleicht war ihre Entscheidung für Jean-Claude und gegen Richard nicht ganz richtig? Vielleicht ist auch eine Ménage à trois realistisch? Doch will sie das überhaupt? Die in den Vorgängern begonnen Entwicklung von Anita setzt sich fort und die anfangs eher prüde und brave Kämpferin wird sexuell immer offener und freizügiger. Gerade diese sehr ausführlich beschriebenen Sexszenen und auch die erkennbaren Einflüsse aus dem Sado Maso Bereich sowie die bisexuell angelegten Charaktere werden sicherlich nicht jedem Leser gefallen. Davon abgesehen gibt es wieder jede Menge Action und Spannung in der abwechslungsreichen Handlung. Negativ sind leider die schwach und klischeehaft gezeichneten Nebenfiguren und das ständige hin und her von Anita, sowie dass sie bisher mit jedem weiteren Teil der Reihe stärker und mächtiger geworden ist. Da bleibt nur zu hoffen, dass in den nächsten Romanen etwas passiert, ansonsten verliert die Heldin angesichts ihrer vielen Fähigkeiten und Begabungen schnell ihre Glaubwürdigkeit.

Für Einsteiger und Neuleser ist der Roman auch geeignet. Es gibt genügend Erklärungen und Rückblenden zu den vorherigen Geschehnissen, aber um die Beziehungen und Verbindungen der Figuren untereinander besser verstehen zu können, empfiehlt es sich die früheren Teile zu kennen.

 

Insgesamt ist Laurell K. Hamilton mit „Ruf des Blutes“ wieder eine abwechslungsreiche Fortsetzung gelungen. Einige Leser werden sich zwar ärgern, dass sich die toughe Kämpferin mit ihren Gefühlen für Richard und Jean-Claude eigentlich nur im Kreis dreht, aber ansonsten bietet der Genre-Mix spannende Unterhaltung, die wesentlich härter und düsterer ausfällt als die Konkurrenz aus dem Paranormal Romance Sektor.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240526222715790778ab
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Ruf des Blutes

Reihe: Anita Blake - Band 8

Autor: Laurell K. Hamilton

Deutsche Erstausgabe 2009

Amerikanische Originalausgabe 1998 „Blue Moon“

Übersetzung Angela Koonen

Titelillustration Elisa Lazo de Valdez/ Arthur Morris/ Corbis

Umschlaggestaltung Tanja Ostlyngen

Bastei Lübbe Verlag

Taschenbuch, 572 Seiten

ISBN 978-3-404-15972-7

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 24.03.2009, zuletzt aktualisiert: 03.04.2021 17:24, 8458