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Sacrificium von Véronique Roy

Rezension von Carina Schöning

 

Nachdem Véronique Roys Debütroman „Muséum“ (deutsch „Sacrificium“) in Frankreich 2006 die Bestsellerlisten stürmte, wurde der spannende Thriller um Wissenschaft und Religion nun endlich auch ins Deutsche übersetzt.

 

Als mitten in Frankreich in der malerischen Bretagne plötzlich ein Meteorit einschlägt, steht die ganze Wissenschaft Kopf. Anscheinend enthält dieser interessante Substanzen, die die Evolutionsthese von dem bekannten Astrophysiker Fred Hoyle beweisen könnten. Sofort wird der Meteorit nach Paris ins Nationalmuseum für Naturgeschichte gebracht und der angesehene Paläontologe Peter Osmond nach Frankreich eingeladen. Zusammen mit einem Gesandten aus dem Vatikan, Pater Marcello Magnani soll er den Meteoriten und die geheimnisvollen Substanzen untersuchen.

Dort angekommen steht ihnen erstmal ein kleiner Kulturschock bevor. Die französischen Wissenschaftler sind fast alle untereinander zerstritten, jeder buhlt um Forschungsgelder und Aufmerksamkeiten, ihr Labor ist nicht angemessen ausgestattet und das Museum gleicht einem unaufgeräumten Saustall. Nichts von amerikanischer Professionalität. Einziger Lichtblick ist die junge Archivarin Léopoldine Devaire und ihr ständiger Kampf gegen die Unordnung in den einzelnen Bereichen des Museums und in ihrer geliebten Bibliothek. Obwohl sie eigentlich nur die einzelnen Stücke katalogisieren soll, ist sie eher das Mädchen-für-alles im Museum.

 

Während Peter und Marcello ihren Forschungen nachgehen, geschehen nach und nach merkwürdige Zufälle im Museum: Prof. Anita Elberg wird nach einem Streit mit Alan, einem unbedeutenden Tierpfleger in der Menagerie, zerstückelt aufgefunden und Alan macht danach den Fehler und betritt scheinbar unter Drogen gesetzt das Leopardengehege. Auch Peters alter Freund Prof. Michel Demas stirbt unter komischen Umständen in einem Autoklaven. Die französische Polizei schaltet sich ein und untersucht die einzelnen Tatorte. Der Serienmörder ist anscheinend einer der Mitarbeiter, denn er kennt sich ganz genau im Museum aus und verschwindet blitzschnell in den dunklen Katakomben und Kellergebäude unterhalb den Forschungslabors und Ausstellungsräumen. Scheinbar verbirgt sich hinter den Opfern und der Todesart eine ganz eigene Botschaft. Peter und Marcello können nicht tatenlos zusehen und schalten sich zusammen mit Léopoldine bei der Polizeiarbeit mit ein. Plötzlich verschwindet jedoch der wichtige Meteorit spurlos aus dem Labor und Peter wird selbst fast eines der Opfer...

 

„Sacrificium“ ist ein sehr spannender und interessanter Thriller im Bereich Wissenschaft und Religion. Neben den bizarren Morden ist eine der Hauptfragen im Roman die Entstehung der Welt und des Menschen. Auf der einen Seite haben wir die traditionellen Wissenschaftler, die die Evolutionsgeschichte nach Charles Darwin glauben, auf der anderen Seite die neueren „Wissenschaftler“, Anhänger des „Kreationismus“ oder des „Intelligent Design“. In Europa hat sich dieser Trend noch nicht ganz so weit verbreitet, während in Amerika radikale Christen sogar per Gerichtsverfahren fordern, dass die „Irrlehre Darwins“ abgeschafft werden soll. Sie wollen stattdessen eine wörtliche Auslegung der Bibel und die staatlichen Schulen sollen dementsprechend auch unterrichten: Gott allein hat den Menschen geschaffen!

Das Ganze ist starker Tobak, wird aber trotzdem leicht verständlich in dem Roman vermittelt. Hier gehen einige Anhänger sogar soweit den weißen Menschen als einzig herrschende Rasse darzustellen. Anders-farbige Menschen und Tiere können dementsprechend mit ruhigem Gewissen ausgebeutet und getötet werden!

Neben der Gesellschafts- und Religionskritik überzeugt der Roman vor allem durch die sympathischen Figuren und deren schrulligen Eigenheiten. Die Autorin hat selber einige Jahre im Museum als Archivarin gearbeitet und beschreibt das Verhalten der Wissenschaftler sehr bildlich und humorvoll. Ihre kleinen Fehden untereinander und das Geschehen abseits der Handlung lassen den Roman dadurch wesentlich ebendiger wirken. Besonders gut wird auch die düstere Atmosphäre in den verwinkelten Kellergemäuern beschrieben. Als Leser kann man richtig mit der jungen Léopoldine „mitfiebern“ und folgt ihr gebannt ins dunkle Verderben.... Auch das Ende ist gut gelungen, da bis zum Schluss offen bleibt, wer die Morde begangen hat und die Autorin genügend falsche Fährten gelegt hat.

 

Insgesamt ist „Sacrificium“ ein spannender und anspruchsvoller Wissenschafts/Relgions Thriller, der besonders durch realistische Figuren und fesselnde Atmosphäre überzeugen kann. Das Thema der Evolutionsgeschichte ist auch für Laien interessant und nachvollziehbar aufbereitet und regt doch so manches Mal zum Nachdenken an.

 

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Sacrificium

Autor: Véronique Roy

Broschiert: 460 Seiten

Verlag: Goldmann (1. Oktober 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3442464285

ISBN-13: 978-3442464289

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.12.2007, zuletzt aktualisiert: 30.11.2018 12:42