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Sakrileg von Dan Brown

Rezension von Christel Scheja

 

Zu den umstrittenen und heiß diskutierten Romanen der letzten Jahre gehörte wohl Dan Browns „Sakrileg – The Da Vinci-Code“. Die darin aufgestellten Mutmaßungen führen nicht nur zu heftigen Debatten in Kirchenkreisen und der Presse sondern blies auch frischen Wind in das Genre der Verschwörungsromane. Noch im letzten Jahr verhalf der Prozess zwischen den Verfassern eines Sachbuch zum gleichen Thema und dem Autoren zu weiterer Aufmerksamkeit, 2006 ist es die Verfilmung des Buches mit Tom Hanks in der Hauptrolle.

 

Der Chefkurator des Louvre Jaques Saunieré wird tot vor dem Bildnis der Mona Lisa aufgefunden. Die Polizei tappt im Dunklen. Sie können sich das Mordmotiv ebenso wenig erklären wie die seltsamen Zeichen, die der Mann in den letzten Minuten seines Lebens hinterlassen hat.

Es gibt nur eine schwache Spur. Saunieré hatte sich zuletzt mit Robert Langdon, dem bekannten Symbologen aus Harvard treffen wollen. Und auch eine seiner Botschaften deutet darauf hin. Nicht nur deshalb Inspektor Fache den Amerikaner in den Louvre. Er will sich seinen Hauptverdächtigen genauer anschauen und sehen, was dieser zu den kryptischen Zeichen zu sagen hat.

Robert Langdon erkennt sehr schnell, dass der Tote ihn auf bestimmte Werke von Leonardo da Vinci aufmerksam machen will, und ein Geheimnis, mit ihnen verbunden ist.

Zusammen mit Sophie Neveu, der Kryptologin der Pariser Polizei entschlüsselt er einen Teil des Rätsels: Ganz offensichtlich geht es um die Anfänge des Christentums und den Heiligen Gral und ein damit verbundenes Geheimnis, dass den konservativsten Zweig der katholischen Kirche, die Organisation Opus Dei, auf den Plan gerufen hat, doch nun ist guter Rat teuer

Die Polizei will Robert Langdon wegen Mordverdachts verhaften, aber die junge Frau und er sind die einzigen, die wertvolle Unterlagen und Artefakte vor den wirklichen Mördern in Sicherheit bringen können.

So entziehen sie sich dem Zugriff der Polizei und machen sich auf eine folgenschwere Schnitzeljagd durch Paris und London, bei der sie nicht nur immer ihren Verfolgern entwischen, sondern sich auch mit ihren Gegenspielern auseinander setzen müssen. Hilfe erhalten sie dabei von dem umtriebigen Gelehrten Teabing. Schließlich eröffnet sich ihnen die wahre Tragweite des Geheimnisses, doch da ist es fast zu spät...

 

Warum „Sakrileg“ gerade jetzt ein so großer Erfolg geworden ist, mag an mehreren Dingen liegen. Nachdem Polt-Thriller in den letzten Jahrzehnten alle bekannten und weniger bekannten Verschwörungstheorien wie dem Kennedy-Mord abgegrast haben, war die Zeit reif für neue Themen, die noch nicht so intensiv auseinander genommen worden waren, sei es aus Pietät oder aus Angst vor der mächtigen Organisation Kirche. Gerade der Vatikan, der als best geschützte Geheimnisquelle bietet sich da an, denn wer weiß schon, was in den Archiven vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen wurde.

Dan Brown vermischt bekannte Mystery-Elemente miteinander: Die Legende vom Heiligen Gral, die Geheimnisse der Templer, umtriebige Geheimgesellschaften für und gegen die Kirche und ein Hauch Mystik, wie er seit Jahren auch in der Belletristik beliebt ist.

Stilistisch arbeitet er eher schlicht: Immer wenn es spannend wird, wechselt er den Schauplatz und eilt zur nächsten Szene. Vor allem am Anfang reiht sich ein Cliffhanger an den anderen, unterbrechen erklärende Rückblenden die Handlung und zwingen förmlich weiter zu lesen, weil man ja doch wissen möchte, was die Helden entdeckt oder gesehen haben.

Robert Langdon und Sophie Neveu bleiben wie die meisten anderen Figuren eher blass und sind nur Träger der Handlung. Profil entwickelt einzig der Mönch Silas, der als Attentäter eines Bischofs für Opus Dei alles wieder richten soll. Schnell wird deutlich, dass der albinotische Hüne nur ein Spielball mächtigerer Leute ist. Obwohl er nicht gerade zimperlich ist, baut man als Leser doch eher eine Beziehung zu ihm auf als zu den anderen Figuren.

 

„Sakrileg“ ist ein durchaus spannender und unterhaltsamer Thriller, aber er wird in der Werbung etwas überschätzt.

Dan Brown schreibt plastisch und actionreich, aber die Handlung ist an sich eher geradlinig und ohne Irrwege oder Überraschungen. Sie schildert eine Schnitzeljagd in der die Helden sich die einzelnen Puzzelteile zusammen suchen müssen, ein wirkliches Aha-Erlebnis bleibt aus, man gerät am Ende auch nicht unbedingt ins Grübeln.

Dessen sollte man sich bewusst sein. „Sakrileg“ ist zwar ein solider Thriller, aber kein Meisterwerk.

Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 2 von 2.

Andy
Montag, 29. Juni 2009 12:25 Uhr
Das Problem bei Sakrileg (wie beie allen Dan Brown Publikationen) ist meiner Ansicht nach die pseudowissenschaftliche Art des Schreibens. Natürlich gibt es viele Romane die sich an Tatsachen orientieren nur um Ihre eigene Geschichte zu spinnen, aber Dan Brown nimmt seine Publikationen für bahre Münze. Das ist in sofern ein Problem als das Brown nicht wirklich gut schreiben kann. Die von der Rezensentin beschrieben Cliffhanger veröden meiner Ansicht nach durch den Gesammtrahmen den Brown aufspannt. Das ewige 'jetzt passiert das und dann das und nun das und jetzt dieses ...' lässt jede Spannung im Keim ersticken.
Alles in allem wird das Werk Browns hoffnungslos überbewertet, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. Nicht umsonst werden seine Bücher im 'Wissenschaftsverlag' Bastei-Lübbe herausgebracht ...

allgemeiner
Mittwoch, 02. August 2006 17:10 Uhr
"Sakrileg" war für mich die größte Enttäuschung der letzten Jahre: Langweilige Charaktere, endloses Gerede - das ganze kommt mir vor wie eine schlechte Kopie von "Illuminati".

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Buch:

Sakrileg

Original: The Da Vinci Code, 2003

Autor: Dan Brown

Übersetzer: Piet van Poll

Taschenbuch, 618 Seiten

Bastei-Lübbe, Mai 2006

Titelbild: Mechthild Op Gen Oorth

 

ISBN-10: 3404154851

ISBN-13: 978-3404154852

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B004ROTKXS

 

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Weitere Infos:


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Erstellt: 31.05.2006, zuletzt aktualisiert: 30.11.2018 12:42