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Sam’s Story

Rezension von Cronn

 

Ich fahre in der Nacht mit dem Motorboot nahe an die Ruine heran, die mitten im Wasser steht. Es ist ein großes Hochhaus, aber mindestens eine Etage ist bereits überflutet. Auf meinem Weg gelange ich am Betondenkmal für Lenin vorbei. Es steht bis über die Betonhüfte im Wasser, umgeben von Wasseralgen, die sanft in den Wellen dümpeln.

Ich lege das Boot am Steg an und springe auf die notdürftig zusammengenagelten Holzbretter des Piers. Nun muss ich vorsichtig sein, denn im Hochhaus sind sie bereits auf der Hut.

Eine Bande von Ganoven hat darin ihr Versteck aufgeschlagen. An ihnen muss ich vorbei, um zu meinem eigentlichen Missionsziel zu gelangen: der Häuserblock gegenüber, worin ein Sniper die Gegend überblickt und meinen neuen Freund, den Käpt’n, unter Feuer nimmt, sobald er mit seinem Hausboot vorbeituckern will.

Also packe ich meine selbst zusammengeschraubte Schalldämpferknarre und sprinte geduckt los. Durch ein offenes Fenster gelange ich ins Haus. Mit einem Platschen lande ich im Wasser. Ich schalte mein Nachtsichtgerät ein und sehe Skelette auf alten Sesseln sitzen, die im Flusswasser treiben. Sie glotzen mit leeren Augenhöhlen auf tote Fernseher, deren zersprungene Frontschirme den Blick auf Gedärme aus Elektroschrott freigeben. Ich nehme mir etwas davon mit. Sicherlich kann ich das an der Werkbank gebrauchen.

Dann wate ich durch das Zimmer und in den Flur, der direkt zu einer Fensterbank führt. Dort haben die Typen mit Holzbrettern ein Gerüst an der Außenwand des Hauses hinaufgebaut, das ringsum in leichter Schräge hinauf in den nächsten Stock führt. Ich betrete es mit einem mulmigen Gefühl.

Unter mir schwappt das nachtschwarze Wasser des Pazifiks gegen die Steinmauer. Über mir höre ich das Pfeifen und Singen eines Banditen. Vorsichtig schleiche ich nach oben und blicke über den Rand des Fensters. Im Zimmer sitzt einer der Banditen auf dem Bett. Er sieht mich noch nicht, also ziele ich mit der Knarre und schalte ihn lautlos dank Schalldämpfer aus. Dennoch kann er einen Laut ausstoßen und ich höre ein »Hä! Wer ist da?«. Nun weiß ich, dass die anderen auf der Suche sind …

 

Sam’s Story ist der zweite DLC für das Game Metro Exodus, das von 4A Games entwickelt wurde. Das Hauptspiel war einer der besten Shootererfahrungen für Singleplayer mit Storyfokus innerhalb der letzten Jahre. Ob der DLC das Niveau halten kann?

 

Hintergrund:

»Sam’s Story« erzählt die Geschichte von Samuel Taylor, dem US-Marine aus »Metro Exodus«. Er macht sich auf den Weg nach Hause in die USA, um dort seinen Vater zu treffen. Die Geschichte seines Rückwegs wird in einer ca. 6-Stunden dauernden Kampagne erzählt und ist sehr gut inszeniert. Sie besitzt einen mehrdimensionalen, undurchsichtigen Gegenspieler und auch die »Freunde« von Sam wirken nicht hundertprozentig loyal. Der DLC ist sehr gelungen orchestriert, auch was das Gameplay angeht.

 

Gameplay:

Der DLC »Sam’s Story« bringt mehr von demselben. Das hört sich jetzt negativ an, ist aber nicht so gemeint, denn »Metro Exodus« war vom Gameplay her bereits nahezu perfekt ausbalanciert.

Wieder ist man in mehreren Hubs unterwegs, d. h. halboffene Landschaften, in denen man seinen Weg recht frei wählen darf. Allerdings stößt man schnell auf einige Levelbegrenzungen wie unsichtbare Wände, was die Immersion doch stört.

Abseits davon überzeugt das Spiel durch die Freiheit, zu schleichen oder offen in den Kampf ziehen zu können. Auch sind wieder Nebenquests und originelle NPC-Charaktere dabei, die im Gedächtnis bleiben. Auch Sonderverstecke sind wieder vorhanden.

 

Grafik und Sound:

Die Grafik von »Sam’s Story« ist erneut grandios. Die Atmosphäre des überfluteten Wladiwostok mit seinen Ruinen ist geradezu greifbar. Dazu tragen das dynamische Wetter ebenso bei, wie die hochaufgelösten Texturen und sehr gelungen animierten Wesen. Hier gibt es zwar nur wenige Neuerungen, aber das stört kaum.

Der Sound ist kristallklar und perfekt auf die Situation abgestimmt. Die Sprachausgabe ist sogar in Deutsch übersetzt. Sam hat eine eigene Stimme und kommentiert das Spielgeschehen, was sehr gut passt.

 

Fazit:

Mit seiner halboffenen Kampagne ist der DLC »Sam’s Story« eine sehr gute Erweiterung des Hauptspiels, das von seiner durchdachten Story und Spielwelt ebenso lebt wie von der rundum gelungenen Atmosphäre.

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Eure Meinung:

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PC-Game:

Sam’s Story

4A Games / Deep Silver, 11. Feb. 2020

USK: 18

 

erhältlich über Steam


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Erstellt: 10.03.2020, zuletzt aktualisiert: 18.05.2020 08:58