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Scharfe Klauen von Shaun Hutson

Rezension von Christine Schlicht

 

Inspector David Birch ist lange genug in seinem Beruf, um alle Abgründe zu kennen und in sich selbst auch den ein oder anderen aufzutun. So zögert er zum Beispiel nicht, einen Serienmörder, den er gerade nach einer langen und tödlichen Hetzjagd erwischt hat, einfach auf den Stromgleisen der U-Bahn zu rösten, als dieser ihm freudestrahlend verkündet, dass er sicher wegen Unzurechnungsfähigkeit keine allzu harte Strafe bekommen wird.

 

Er glaubt, er kennt alles, doch sein neuer Fall stellt auch ihn an seine Grenzen. Ein Verlagslektor wird grausam ermordet, nahezu zerfetzt. Um ihn herum liegen völlig zerstörte Bücher, der Mörder hat trotz des angerichteten Blutbades nicht die geringste verwertbare Spur hinterlassen und alle Türen und Fenster sind fest von innen verriegelt.

 

Dem Lektor folgt ein ungeliebter Kritiker und auch um ihn liegen die Fetzen von Büchern. Dabei stechen Birch besonders das Buch eines berühmten Horror-Schriftstellers und einer Sachbuchautorin ins Auge, die eine Biografie über einen unbekannten Zeitgenossen Dantes verfasst hat. Beide Autoren hatten sowohl mit dem Lektor als auch dem Kritiker zu tun und waren mit diesen auch nicht gerade freundschaftlich vebandelt.

 

Birch nimmt sich die beiden vor, doch wirken sie zunächst ziemlich unbeteiligt. Abgesehen davon scheinen beide wenig miteinander zu tun zu haben. Das dritte Opfer ist die Agentin der Autorin und war einst die Geliebte des Horror-Autors. Der Kreis schließt sich und Birch erfährt, wie viel ihm die Beiden verschweigen. Unter anderem, dass sie einst ein Paar waren und ein gemeinsames Kind hatten, dass wegen einer Krankheit, die zu entsetzlichen Missbildungen führte, nur ein Jahr nach der Geburt starb.

 

Da erzählt ihm Megan Hunter etwas Unglaubliches: Jeder Künstler, ob er nun schreibt oder malt, kann sich und andere Personen in die von ihm geschaffene Welt versetzen, indem der Künstler die Personen in sein Werk integriert. Birch findet sich in einem Alptraum wieder, als ihn Megan zu dem Mörder hinschreibt...

 

 

 

Am Anfang wird Sir Arthur Conan Doyle zitiert mit dem Satz „Wo es keine Phantasie gibt, da gibt es keine Schrecken.“ Das hat Conan Doyle selbst bravourös inszeniert, mit sachtem Grusel, der dem Leser Bilder in den Kopf setzte, die Angst und Schrecken verbreiteten. Allerdings brauchte er dafür keine blutrünstigen Gemetzel oder eine Erklärung, die ins Reich der Esoterik abgleitet. Er blieb bei allen, noch so verzwickten Fällen, auf dem Boden der Realität. Und seine Beschreibungen des Grauens wurden durch umschreibende Andeutungen entsetzlich, nicht durch bluttriefende detaillierte Beschreibungen von Schlachtfestszenen. Muss man diesen festen Boden heute wirklich verlassen, um den Leser noch zu einer Reise in die Phantasie und der Vorstellungskraft zu entführen?

 

Auf dem Cover steht „Thriller“, aber diese Definition ist nur die halbe Wahrheit, denn der Boden der Realität, auf dem sich normalerweise auch ein Thriller, also ein actionreicher und nicht selten auch grausamer Krimi, bewegt, wird schnell verlassen. Zuerst gleitet die Handlung in schlichten Horror ab, um sich dann, durch die Erklärung für die Morde, in den Bereich der Phantastik zu verabschieden. Dabei wird nicht an minutiösen Beschreibungen von Blutrünstigkeiten gespart und viele Zeilen geschunden mit sehr tiefgehenden, aber nebensächlichen Beschreibungen der Verletzungen, die der Mörder an seinen Opfern hinterlässt.

 

Ebenso bedauerlich ist, dass vieles an Spannung verloren geht, weil man als Leser schon sehr früh (eher als Birch) eine Ahnung bekommt, wer für die Morde verantwortlich ist, wenn auch nicht auf welche Weise. Die Handlung ist ziemlich vorhersehbar und die Charaktere sind recht einseitig und bleiben flach, trotz aller Versuche, ihnen einen Hintergrund zu verschaffen. Sie bleiben Archetypen.

 

Für Genrefans – also eher Fans des Genre Horror - spannender und mitreißender Lesestoff. Wer mehr auf eine stringente Handlung und bodenständige Erklärbarkeit steht, sollte aber auf die Warnung im Klappentext hören, die da lautet: „Nichts für schwache Nerven! Sagen sie nicht, wir hätten sie nicht gewarnt...“

 

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Scharfe Klauen

Autor: Shaun Hutson

Broschiert: 416 Seiten

Verlag: Droemer/Knaur; Auflage: 1 (Oktober 2008)

Sprache: Deutsch, aus dem Englischen von Joachim Körber

Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München

ISBN-10: 3426638347

ISBN-13: 978-3426638347

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 01.10.2008, zuletzt aktualisiert: 30.11.2018 12:42