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Schmutz von Eugen Egner

Rezension von Cronn

 

Unheimliche Phantastik aus deutschen Landen scheint immer noch ein Markenzeichen der Kleinverlage zu sein. Dass gerade diese sich um dieses Literaturgenre kümmern, ist sehr löblich, scheinen doch die „großen“ Verlage einen weiten Bogen darum zu machen.

Der literarische Fantasy-Boom ist in der Folge der Blockbuster-Trilogie „Der Herr der Ringe“ noch immer aktuell, obwohl cineastisch ein Abschwung festzustellen ist. Hier gibt es einige exzellente deutsche Autoren, die auch in den renommierten Verlagen untergekommen sind, welche aber vorher sich ihre Meriten in der Kleinverlagsszene erarbeitet haben.

Und so wirken diese Kleinverlage daran mit, dass im deutschen Sprachraum immer wieder Talente entdeckt werden und zu ihren ersten Veröffentlichungen kommen. Einer dieser Verlage ist die Edition Phantasia, welche bibliophile Ausgaben veröffentlicht (beispielsweise von Howard Philipps Lovecraft), aber auch eine Reihe mit Texten jüngeren Datums herausgibt. Darin ist im März 2008 „Schmutz“ von Eugen Egner erschienen.

 

Eugen Egner ist in vielen Bereichen zuhause. Er arbeitete als Zeichner, Rockmusiker, Übersetzer und Verfasser von Fernsehbeiträgen. Als Autor ist er ebenfalls schon tätig geworden, wobei seine früheren Werke schwer dem Leser greifbar sind.

In „Schmutz“ zeigt Eugen Egner seine Vorliebe für die Literatur der Unheimlichen Phantastik.

 

Inhalt:

In „Schmutz“ sind neun Texte enthalten, davon sind acht der Textsorte „Kurzgeschichte“ zuzuordnen, während ein längerer eher Novellencharakter hat ohne aber dabei den strengen Anforderungen der klassischen Novellendefinition zu entsprechen.

Die erste Story „Sirene“ handelt von dem Auftauchen mysteriöser Gegenstände in der Realität, welche einer anderen Welt zugehörig erscheinen. Die Story verbleibt im Nebulösen, löst sich auch am Ende auf, ohne den Leser zu berühren. Auch die Atmosphäre bleibt durch die Grobzeichnung des Autors recht ungreifbar.

„Schnee“ erscheint hier schon deutlicher erfassbar, wobei auch hier das Ende nicht überzeugend konstruiert ist und wenig motiviert, bzw. zu schnell und nicht logisch hergeleitet ist.

„Sichtbarmachung“ schlägt eine andere Richtung ein und mutet an wie eine Schreibübung, um den Stil eines Thomas Ligotti zu erreichen. Die Story gelingt anfangs recht gut, driftet aber knapp nach der Mitte weg und verläuft ebenso im Nichts wie die anderen beiden zuvor. Schade um die interessante Grundidee, welche eine gelungene Auflösung verdient hätte.

Bei „Schlaflosigkeit“ geht es dem Leser ebenso. Auch hier wird die obskure Situation, in die die schlaflose Anni gerät, nicht erklärt, vielmehr verlaufen die Storyfäden ins Unendliche.

„Schmutz“ geht andere Wege und ist daher für den Leser begreifbarer. Der Erzähler gerät in die Situation seinen (eigentlich verstorbenen) Vater im leerstehenden Appartment nebenan bettlägerig vorzufinden. Dieser trägt ihm auf, das alte Mühlenhaus in Crottenloh aufzusuchen. Dort angekommen wird der Erzähler in einen Strudel des Grauens hineingerissen.

Die Story gelingt, obgleich das Ende ebenfalls etwas Kryptisches an sich hat. Dennoch sind genug Ansatzpunkte zu einer Interpretation vorhanden.

„Spektakuläre Veränderungen“ ist dann wieder ein Schwenk in die kafkaeske Richtung der Undeutbarkeit, während „S-Bahn Passagier“ eine kleine Perle des Bandes ist und über diesen hinausweist. Die Beschreibung der sich beobachtenden Beobachter ist konsequent irrational und von Erzählstil und Erzählform her passend konstruiert. Ein kleines Meisterwerk!

„Schocktherapie“ ist ebenfalls gelungen, weist es doch eine interessante Grundidee auf, die zwar nicht neu, aber dennoch originell ausgeformt ist. Der Träumer, der gefangen ist im Traum.

Mit „Schulfest“ endet die Kollektion. Dieser novellenartige Text beruht vor allem auf der Wirkung, dass der Leser das Mysterium rund um die eigenartige Schule, in welcher der Erzähler der Geschichte als Lehrer angestellt wird, gelöst wissen will. Diesem verweigert sich der Autor und belässt nach der langen Textlektüre alles im Unklaren, was unbefriedigend wirkt.

 

Fazit:

Eugen Eulers „Schmutz“ bietet eine Reihe von Storys, welche sich dem Mainstream-Leser verweigern. Erst eine verstärkte Lektüre könne hier Interpretations-Ansätze liefern.

Mit „S-Bahn Passagier“ ist eine Geschichte mit dabei, die hervorragend gelungen ist, auch ohne klassische Erzählmuster zu bemühen. Der Text „Schmutz“ kann ebenfalls als gut bezeichnet werden.

Mainstream-Leser werden mit den Storys wenig anfangen können, aber Fans anspruchsvoller Phantastik dürfen einen Blick riskieren.

 

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Schmutz

Autor: Eugen Egner

Gebundene Ausgabe: 174 Seiten

Verlag: Edition Phantasia; Auflage: 1 (März 2008)

ISBN-10: 3937897275

ISBN-13: 978-3937897271

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.05.2008, zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 10:40