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Seelenlos von Dean Koontz

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Noch immer geschockt und betroffen von seiner letzten Rettungstat wird Odd Thomas ein weiteres Mal auf die Probe gestellt. Der junge Mann, der die Geister der Toten umherwandeln sehen kann, erblickt plötzlich den Geist von Dr. Jessup, dem Stiefvater seines besten Freundes Danny, und malt sich bereits das Schlimmste aus. Im Hause des vermeintlich Toten angekommen entdeckt er tatsächlich dessen grausam entstellte Leiche, findet jedoch keine Spur von Danny. Dieser wiederum leidet an der Glasknochenkrankheit und wäre gar nicht imstande gewesen, alleine zu fliehen.

Odd lässt sich von seinen paranormalen Fähigkeiten leiten und davon überzeugen, dass Danny vom Mörder Jessups entführt wurde, und macht sich fortan auf die Suche. Doch noch am Schauplatz des Mordes muss er erfahren, dass er es scheinbar mit einer Gruppierung professioneller Killer zu tun hat. Sein Weg führt ihn in die abgelegene Ruine eines Kasinos, in dessen brüchigen Gemäuern er jedoch realisiert, dass sich weitaus mehr hinter den Attentaten verbirgt, als er zunächst vermutet. Eigentlich geht es nämlich ausschließlich um Odd und dessen übersinnliche Eigenschaften…

 

 

Rezension:

Ein neuer Koontz, das ist mittlerweile schon fast ein Grund zu feiern, insbesondere im Hinblick auf die steten Steigerungen, zu denen der langjährige Bestseller-Autor gerade in jüngster Zeit doch noch immer wieder fähig war. Bücher wie „Irrsinn“ beispielsweise avancierten zur Krone des Koontz’schen Schaffens. Dementsprechend gespannt durfte man auf „Seelenlos“ sein, einen Roman, der nach drei langen Jahren auch hierzulande publiziert wird und direkt an die Ereignisse aus „Die Anbetung“ anknüpft. Der Erfolgsautor vertraut ein weiteres Mal seinem dereinst etablierten Helden Odd Thomas, zeigt sich aber bei der weiteren Ausprägung seiner Fähigkeiten eher reserviert und unambitioniert. Zwar avanciert der Protagonist einmal mehr zur tragischen Figur der Handlung und ist gezwungen, sich dem Titel entsprechend gefühl- oder eben seelenlos zu geben, jedoch geht von seiner Rolle keine wirkliche Faszination mehr aus. Die Charakterzeichnungen, eigentlich eine von Koontz’ größten Stärken, sind schlabberig und enorm detailarm, setzen also voraus, dass man Thomas bereits kennt. Doch auch unter dieser Bedingung fehlt es dem vermeintlichen Anti-Helden an Ausstrahlung und Besonderheiten. Alleine auf diesem Gebiet ist „Seelenlos“ also schon einmal eine ziemliche Enttäuschung.

 

Derweil plätschert der Plot ebenfalls vor sich dahin, ohne wirklich effiziente Spannungsmomente zu platzieren. Der Mordfall scheint zwar brisant, aber nicht wirklich fordernd, weder für Odd Thomas als Geisterbeschwörer, noch für den Leser, der hier bereits den Schlüssel für einen weiteren Sensations-Thriller vermutet. Letztendlich handelt es sich bei der Story nämlich lediglich um eine stimmungsvoll umschriebene Verfolgungsjagd, bei der die ausschweifenden Erzählungen abseits der Geschichte mehr erregen als die Handlung selber. Das Buch verläuft viel zu stringent und linear, lässt keine größeren Überraschungen zu und enthält nicht eine einzige Wendung, die das festgefahrene Konstrukt noch einmal aus der Sackgasse herausholen könnte. Stattdessen fährt der Autor hübsch mit Odds Jagd auf Dannys Häscher fort, stattet das Ganze mit einigen teils humorigen Querverweisen auf sämtliche Medien aus, verliert aber permanent den eigentlichen Fokus aus den Augen. Die Handlung wird dem entgegen von vielen Zitaten, Ausschmückungen und beispiellosen Anekdoten geprägt, die sich prinzipiell ganz nett lesen, der Story aber keine wirklich brauchbaren Impulse verleihen –und gerade das ist für einen Koontz-Roman schon geradezu gespenstisch eigenartig! Leider aber in diesem Fall (gerade für den Fan des Autors) bittere Realität…

 

 

Fazit:

Mit „Seelenlos“ stoppt Dean Koontz nach vielen erfolgreichen Romanen seinen steten Aufwärtstrend mit einer erschreckend nüchternen, bisweilen sogar langweiligen Geschichte. Die Wiederbelebung seines beliebten Charakters Odd Thomas erweist sich entgegen aller Vermutungen als mäßiges Ereignis, dem es sowohl an Schärfe als auch an Eleganz mangelt. Auch wenn dieses Urteil ob der Begeisterung für die letzten Koontz-Publikationen schwer fällt: „Seelenlos“ ist im Gesamtkontext der Biografie dieses Autors ein Flop!

 

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Seelenlos

Autor: Dean Koontz

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten

Verlag: Heyne (10. März 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 345326536X

ISBN-13: 978-3453265363

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 22.04.2008, zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 12:18