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Seit er tot ist von Nicci French

Rezension von Wiebke

 

Gregory Manning, achtunddreißig, gut aussehend und Mitgeschäftsinhaber eines kleinen, aber gut gehenden Buchhaltungsbüros verunglückt tödlich, als sein Wagen in einer Kurve von der Straße abkommt. Seine Frau Elanor ist am Boden zerstört. Sie kann es einfach nicht glauben, dass Greg nicht mehr wieder kommt. Aber noch weniger kann sie glauben, dass sich während des Unfalls eine Frau in seinem Auto befand. Wer war diese Milena Livingstone, die neben ihm im Auto saß? Warum hatte er sie bei sich gehabt? Tage später macht das Gerücht die Runde, dass Greg eine Affäre hatte. Elanor kann es nicht fassen, zu sehr hat sie ihren Mann geliebt und wenn, hätte sie da nicht etwas merken müssen? Voller Verzweiflung durchsucht sie seine Sachen, checkt den Computer, befragt ihre Freunde. Aber außer vagen Andeutungen, erfährt sie nichts und gerade deswegen reift in ihr die Erkenntnis, dass Gregs unschuldig ist.

 

Unter falschem Namen schleicht sie sich in das Eventbüro ein, in dem Milena bis zu ihrem Tod gearbeitet hat und hilft der Inhaberin Frances Shaw das zurückgelassene Chaos zu beseitigen. Dabei stöbert sie in Milenas E-Mails, fertigt Pläne an, wo Greg und sie in den letzten Wochen waren, vergleicht diese miteinander und macht letztendlich auch vor dem Polizeibeamten nicht halt, der den Unfall bearbeitet. Nach und nach gipfelt ihr Unterfangen in einer wahren Obsession und Elanor merkt nicht, wie sie sich immer weiter vom Leben und ihren Freunden entfernt. Als es dann auch noch eine weitere Tote gibt, die Elanor zufällig findet, kommt sie der Wahrheit gefährlich nah.

 

Das britische Autorenehepaar Nicci Gerard und Sean French, das hinter dem Pseudonym Nicci French steckt, hat mit ihrem neuesten Psychothriller „Seit er tot ist“ wieder ganze Arbeit geleistet. Voller subtiler Spannung und mit einer Geschichte, die wie aus dem Leben gegriffen ist, begeistern sie auch diesmal wieder ihre Leser. Eine junge Frau, die mitten in der Idylle ihres Lebens steckt und aus genau dieser gerissen wird, kämpft mit den Dämonen des täglichen Seins. Ungläubigkeit und Trauer, Wut und Scham, Traurigkeit und Einsamkeit machen sich in ihr breit und lassen ihr Leben zur Hölle werden. Doch sie gibt nicht auf. Sie kämpft. Mit Mitteln, die nicht immer ganz legal sind, aber doch den Zweck heiligen.

Männer neigen nun einmal zum Streunen, eine Weisheit die ihr immer wieder entgegen geschleudert wird und sie schleudert zurück. Mit Tatsachen und Beweisen für Gregs Unschuld. Und ohne dass sie es wirklich will, gerät sie in eine Spirale die sich als äußerst gefährlich herausstellt und ihr das Letzte abverlangt.

 

Mit einem gewohnt flüssigen Schreibstil, einen wunderbar konstruierten Plot und Handlungen, die authentisch daherkommen, haben es die Autoren geschafft eine Geschichte zu konstruieren, die nah am wirklichen Leben entlang schlittert. Ohne es unbedingt zu wollen, lebt der Leser mit Elanor, leidet mit ihr, kämpft mit ihr und macht auch mal Sachen, die einfach unsinnig sind. Und doch hat das alles seinen Sinn. Aber nicht nur die Darstellung der Hauptprotagonistin Elanor ist den Autoren gut gelungen. Auch sämtliche Nebendarsteller erscheinen dem Leser in einer recht bildlichen und realitätsnahen Form. Und wenn es auch hauptsächlich in dem Buch darum geht, Elanor bei ihrer Detektivarbeit und Trauer zu begleiten, wird es nicht langweilig. Zu verrückt muten einige Ideen an, zu vertraut sind Gefühle und Handlungsansätze. Immer wieder wird der Leser hineingezogen, in einen Sog von Ereignissen, der einfach nicht abebben will.

 

„Seit er tot ist“ ist ein Roman, der sich wunderbar eigenständig entwickelt und von den üblichen Geschichten absondert. Auch wenn es hier Tote und Mörder gibt, ist der Sinn dieses Buches ein anderer. Frei von stupider Ermittlungsarbeit erlebt der Leser eine Geschichte, die vor allem die Suche nach der Wahrheit und die Auseinandersetzung mit Lebenslügen zum Thema hat und den Leser in einer Art und Weise berührt, die auch nach der Lektüre des Buches anhält.

 

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MEDIUM:

Seit er tot ist

Autor: Nicci French

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten

Verlag: C. Bertelsmann Verlag

Erschienen: 2. Juni 2009

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3570009408

ISBN-13: 978-3570009406

Originaltitel: What to do when somebody dies

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 31.08.2009, zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 12:18