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Selection - Die Elite von Kiera Cass

Rezension von Christel Scheja

 

Im letzten Jahr erschien der Debütroman von Kiera Cass. Sie entführte in „Selection“ in eine zukünftige Welt, in der alles ein wenig anders aussieht und gerade Amerika sein Gesicht erschreckend verändert hat. Sein Gebiet wird nun von dem Königreich Illeá eingenommen, in dem ein strenges Kastensystem das Leben der Menschen bestimmt.

 

Um wenigstens ein wenig Gerechtigkeit zu schaffen, kann der zukünftige König nicht seinem Herz folgen und die heiraten, die er liebt, der muss seine Wahl aus einer ganzen Gruppe von Mädchen aus dem ganzen Land, quer durch die Kasten treffen.

Auch America Singer gehörte zu den Auserwählten, die sich im königlichen Palast einfinden mussten, um dort genau in Augenschein genommen zu werden. Sie gehört der Kaste der Künstler an, ist nur eine Fünf und steht damit sehr weit unten in der gesellschaftlichen Rangfolge.

Das hat aber nichts daran geändert, dass sie einen wachen Verstand hat und mangelndes Wissen mit Erfindungsreichtum wett macht. Zunächst ist sie gar nicht davon begeistert, in den Palast reisen zu müssen, da sie in dem rebellischen Aspen einen guten Freund hat und wie ihr Vater nicht viel von dem System hält.

Doch nach und nach ändert sich ihr Denken, denn Prinz Maxon erweist sich als Träumer und Idealist, der genau so wenig von der herkömmlichen Ordnung hält wie sie. Auch wenn Aspen als junger Soldat seinen Dienst im Palast antritt und ihr die Gefühle ordentlich durcheinander wirbelt, merkt sie doch, dass es ihr gar nicht mehr so seltsam erscheint, eines Tages an Maxons Seite zu sein.

Tatsächlich gehört sie nun zur Elite, den letzten sechs Mädchen, die im Palast verbleiben und nicht nur den Prinzen, sondern auch seine Familie überzeugen müssen. Amerika muss nun um so mehr die Zähne zusammenbeißen, nicht nur eine ihrer Rivalinnen macht ihr zu schaffen, es scheint auch von anderer Seite her ein scharfer Wind gegen sie zu wehen.

Und plötzlich ist sie sich auch ihrer Gefühle gegenüber Maxon nicht mehr so sicher, wie sie angenommen hat, denn auch sein Verhalten wird immer widersprüchlicher und macht ihr zusätzlich zu schaffen. Hat sie sich in ihm getäuscht?

 

Märchenmotive treffen auf eine düstere Zukunft, in der sich die Welt durch Katastrophen und Kriege sehr verändert hat, die Technik zwar auf einem gleichen Stand geblieben ist, wie wir ihn kennen, die Gesellschaft aber auch einen starken Rückschritt gemacht hat. Alles dient dazu, um eine sehr klassische Geschichte zu erzählen. So kann man die „Selection“-Trilogie vielleicht am Besten definieren.

Im zweiten Band geht es nicht mehr um die Auswahl, denn Maxons Entscheidung scheint durchaus klar auf America zu fallen. Damit ist die Geschichte natürlich noch nicht zu Ende, denn einerseits ist das Mädchen sich seiner Gefühle immer noch sehr unsicher und die zweite Runde fordert all ihre Aufmerksamkeit. America muss sich nicht nur fragen, ob sie der Prinz wirklich liebt, sie merkt auch, dass die Anforderungen an eine zukünftige Herrscherin ziemlich hoch sind. Immerhin muss sie ihren Mann darin unterstützen, das Land zu regieren, auch wenn ihre Kompetenzen gering zu sein scheinen. Aber auch diplomatische Empfänge können Wohl und Wehe des Landes beeinflussen.

Natürlich bleibt America ihren Überzeugungen treu und schafft so mit ihren idealistischen Vorstellungen von einer freieren Gesellschaft, Spannungen wo vorher keine waren – aber trotzdem entwickelt sich der Hintergrund nicht wirklich weiter, da den Beziehungen des jungen Mädchens viel mehr Gewicht zugewiesen wird.

Man kann sich zwar vage vorstellen, warum die Rebellen immer wieder den Palast attackieren und die Bewohner dazu zwingen, sich in die dortigen Bunker zurückzuziehen, aber die politischen Entwicklungen bleiben weiterhin blass, die Feinde gesichtslos. Auch diesmal wird man den Eindruck daher nicht los, dass all das nur als Staffage für die Liebesgeschichte dient, die nun den wohlerwarteten Schlenker nimmt, und erst einmal dafür sorgt, die eigentlich klaren Verhältnisse zu verwirren. Wenig überzeugend bleibt Aspen als der Dritte im Bunde, was dem Liebedreieck zusätzliche Schwächen verleiht.

Alles in allem werden aber die Ansprüche der Zielgruppe erfüllt – die jungen Leserinnen können sich dank des flotten Erzählstils gut in die Heldin hineinversetzen, mit ihr fühlen, wenn einige Personen ihr weh tun oder sich ganz anders verhalten als wie sie es von ihnen kennen und unangenehme Entdeckungen für Missverständnisse sorgen.

Mehr als eine Romanze mit märchenhaftem Flair und vor dystopischer Kulisse sollte man aber nicht erwarten, da die Autorin viele interessante Ideen zu Land, Geschichte und Kultur, die sie nur skizzenhaft anreißt, verschenkt.

 

So sollte man auch „Selection – Die Elite“ als unterhaltsames Märchen im Gewand eines Zukunftsromans genießen, der keine Gesellschaftskritik präsentieren will, sondern eher eine gerade für Teenager ansprechende Liebesgeschichte zwischen einem eigenwilligen Aschenputtel und dem auserwählten Prinzen ihres Herzens, unter die auch ein wenig Abenteuer gemischt wurde, damit die Handlung nicht nur um das Thema Beziehungen kreist.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Selection - Die Elite

Original: The Elite, USA 2013

Autorin: Kiera Cass

Fischer Sauerländer, erschienen Februar 2014

Gebunden, 378 Seiten

Übersetzung aus dem Englischen von Susann Friedrich

Titelbildgestaltung wurde der Originalausgabe nachempfunden

ISBN-10: 3737362424

ISBN-13: 978-3737362429

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 02.03.2014, zuletzt aktualisiert: 22.06.2019 15:54