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Shocking Shorts 2016

Kurzfilme

 

Filmkritik von Cronn

 

Im Bereich des Films gibt es eine Kategorie, die leider sträflich vernachlässigt wird: Die Kurzfilme. Das Publikum nimmt sie kaum wahr, außer bei Events wie den Kurzfilm-Tagen und dergleichen.

Ansonsten ergeht es den Kurzfilmen wie den Kurzgeschichten in Deutschland: Spezialisten kennen sie, schätzen und lieben sie – aber das große Medienecho, der Publikumsenthusiasmus bleibt zu oft aus.

Das zu ändern haben sich die Macher von 13th Street bereits seit mehreren Jahren auf die Fahnen geschrieben und veröffentlichen im jährlichen Turnus die DVD Shocking Shorts. Das ist eine Kollektion von ca. 10 Kurzfilmen aus dem deutschsprachigen Raum, die von den Zuständigen beim Fernsehsender 13th Street ausgewählt wurden.

Auch im Jahr 2016 ist es wieder soweit: Die DVD Shocking Shorts 2016 gibt ein Zeugnis davon, wie interessant die Szene der Kurzfilme ist.

Verlegt wird die DVD von der DVD-Schmiede Concord-Entertainment, welche die Nominierten für den Kurzfilmpreis auf Silberscheibe gebrannt haben. Der erste Platz wurde im Rahmen des Filmfests in München an Korbinian Dufter für seinen Beitrag Pistenzauber vergeben.

Doch bevor eine Kritik erfolgt, soll der Inhalt wiedergegeben werden.

 

Inhalt und Kritik:

Alle Beiträge aufzulisten und einzeln kritisch zu beleuchten, sowie den Inhalt darzulegen, würde den Rahmen einer Rezension sprengen. Daher soll auf einige Werke näher eingegangen werden, welche einen subjektiven Querschnitt durch die Bandbreite der »Shocking Shorts 2016« darstellen.

 

Dead Girls Don’t Love (2015), von Philipp Westerfeld, eröffnet den bunten Reigen mit einem unheimlichen Thriller. Jugendliche steigen heimlich in ein Schwimmbad ein und wollen gemeinsam feiern. Doch was als harmlose Party begann, wird zu einer blutigen Auseinandersetzung. Tolle Schauspieler, gelungenes Skript, das zwischendurch geschickt mit mehreren Zeitebenen arbeitet. Schade, dass an neuralgischen Punkten der Sound nicht gut abgestimmt ist, so dass akustische Verständnisschwierigkeiten auftreten.

 

Der rote Punkt (2015), von Alexander Resch, ist nahezu ein Kammerspiel. Ein Fotograph und sein Modell stehen im Mittelpunkt einer polizeilichen Untersuchung, bei der am Ende etwas ganz subtil Grauenvolles zutage tritt. Hervorragende Schauspieler, allen voran Martin May als Fotograph, in einem behutsam die Spannungsschraube anziehenden Thriller mit klugem Drehbuch. Sehr gut!

 

First Drop of Blood (2016) von Kevin Hartfiel und Matthias Wissmann, entführt den Zuschauer in eine typische Revenge-Story. Aus Rache für eine getötete Freundin und um deren Schwester zu befreien, wirft sich der Racheengel, kongenial dargestellt von Alexander Milo, in eine Schlacht mit Kriminellen, die mal bleihaltig ist, während an anderer Stelle die Fäuste sprechen. Sehr gelungen, geradlinig und auch die Makeup-Effekte sind stimmig.

 

Mit The Hostage (2015) von Lynda Bartnik wird der Zuschauer mit einer Geiselnahme konfrontiert. Eng an der Rolle der Geisel erlebt er das Drama rund um ihre Befreiung, hofft und bangt mit ihr. Als es schließlich soweit ist, dreht sich der Film mit einem gemeinen Twist. Das ist leider der einzige Höhepunkt des ansonsten eher beschaulich und ohne handwerklich-kreative Peaks inszenierte Kurzfilm.

 

R.I.P. – Rest in Pieces (2015), von Steffen Hand und Folke Renken, fällt mit seinem Stil aus dem Rahmen. Der Kurzfilm ist ein Zeichentrick, hat aber mit Familienunterhaltung wenig zu tun. Das Großstadtmädchen Lulu findet durch Zufall die Sense des Todes und richtet ein Blutbad an, das Petrus auf den Plan ruft, der im Himmel alle Hände voll zu tun hat. Eine herrlich überdrehte Zeichentrick-Schlachtplatte mit grimmigem, aber dennoch herzlichem Humor.

 

Dahingegen ist Schnee in Rio (2014), von Manuel Vogel und Konrad Simon inszeniert, wieder im Realfilmbereich angesiedelt, ist aber auch voller Humor. Der Film stellt eine Hommage an die alten Bond-Filme dar und nimmt sich selbst nicht bierernst. Zum Inhalt nur kurz: In einem Zug wird ein wertvolles Gemälde transportiert, was dazu führt, dass sich verschiedene Parteien um das Kunstwerk streiten …

Ein ordentlich gelungenes Werk mit kleinen Längen in der Inszenierung.

 

Weiter Beiträge sind: Die Behandlung (2015) von Marvin Meiendresch, Can’t take my eyes off you (2016) von Nik Sentenza und Johannes Kizler, Die Randgruppe (2015) von Julius Grimm sowie der bereits erwähnte »Pistenzauber« von Korbinian Dufter.

 

Fazit:

Die »Shocking Shorts 2016« sind ein wichtiger Beitrag zur Kulturlandschaft Film in Deutschland. Hier können sich Regisseure und Drehbuchautoren ihre ersten Meriten erwerben und ein Publikum für ihre Werke finden.

Die Beiträge sind allesamt für das Publikum interessant. Und auch wenn nicht alle Kurzfilme cineastische Meisterwerke sind, so zeigen sie doch durch ihre Bandbreite auf, was das Medium Film zu leisten imstande ist. Zudem ergeben sich für Filminteressierte spannende Einblicke zum momentanen Stand der deutschen Filmlandschaft.

Somit ergeht eine klare Kaufempfehlung für alle Cineasten.

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Eure Meinung:

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DVD:

Shocking Shorts 2016

BRD, 2016

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Umfang: 1 DVD

FSK: 18

Concorde Video, 7. Juli 2016

Spieldauer: 139 Minuten

 

ASIN: B01EWWETB2

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 21.07.2016, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23