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Slam von Nick Hornby

Rezension von David Grashoff

 

Rezension:

Nick Hornby hat sich in den letzten Jahren vom „schreibenden Fußballfan“ zum „Literaten der kleinen Probleme des Lebens“ gewandelt. Auch in seinem neuesten Werk „Slam“ geht es, wie schon in „High Fidelity“ oder „About a Boy“, um Menschen, die mit den Tücken des Lebens zu kämpfen haben. Doch es ist nicht der dröge Alltag, den Hornby interessiert, es sind sie Zweifel und Ängste derjenigen, die vor einem Scheideweg ihrer Existenz stehen. Dieser Übergang in einem neuen Lebensabschnitt ist auch die Essenz von „Slam“, das die literarische Linse ganz stark auf einige Charaktere fokussiert und die Umwälzungen in diesem Mikrokosmos aufzeigt.

 

Der 15-jährige Sam ist ein ganz normaler Junge. Er fährt Skateboard, himmelt den Skate-Star Tony Hawks an und hat die typischen Probleme eines Jungen seines Alters. Seine Mutter hat ihn in sehr jungen Jahren bekommen und mit seiner Geburt wurden all ihre Zukunftspläne über Bord geworfen. Doch sie wirft ihm das nie vor, versucht ihn aber davor zu schützen den gleichen Fehler zu machen. Als Sam dann eines Tages Alicia kennenlernt, die eigentlich ein paar Nummern zu groß für ihn ist, verliebt er sich und es kommt zum Unvermeidlichen: Alicia wird schwanger. Sams Welt bricht zusammen und er sucht halt bei seinem Idol Tony Hawk, in dem er versucht in der Biographie des Skaters Ratschläge für seine prekäre Lage zu finden. Ein für Hornby sehr außergewöhnliches Element sind die kurzen Zeitreisen, die Sam in seine Zukunft unternimmt, wo er am eigenen Leib erlebt, wie das Leben mit Frau, Kind und den arroganten (weil besser situierten) Schwiegereltern sein wird. Diese Erlebnisse sind auch der Grund warum er erst flüchtet, sich dann aber besinnt und er entscheidet sein Leben in die Hand zu nehmen und alles besser zu machen, um somit der Herr über seine eigene Zukunft zu sein. Doch dieser Weg ist hart und steinig.

 

Die Aufgabe in die Haut eines 16-jährigen Ich-Erzählers zu schlüpfen und als erwachsener Mann die Welt so zu beschreiben, wie ein Teen es machen würde, ist sicherlich nicht einfach. Wie ich finde, ist es Hornby über große Passagen des Buches sehr gut gelungen, auch wenn ich selber dieses Alter schon lange hinter mich gelassen habe. Die Sichtweise des Jungen, der oftmals in eigenen Gedanken schwelgt, wirkt realistisch und vor allem nachvollziehbar. Allem voran seine Reaktionen auf die Schwangerschaft von Alicia – die Flucht oder die Suche nach Antworten bei seinem Heilbringer Tony Hawk. Obwohl die Geschichte sehr unaufgeregt wird und keine dramatische Wendungen aufweist, gelang es dem Buch mich so zu fesseln, dass es mir schwer fiel es zur Seite zu legen. Wie man es bei Hornby kennt, be- oder verurteilt er nicht seine Charaktere, sondern nimmt nur den Part des Erzählers ein und überlässt es den Lesern sich eine Meinung zu bilden. Wie im echten Leben gibt es in „Slam“ kein Schwarz und Weiß, sondern lediglich jede Menge Grautöne.

Sams Zeitreise in seine eigene Zukunft ist ein übernatürliches Element, dass man von Hornby eigentlich nicht so gewohnt ist und das den einen oder anderen eingefleischten Fan des Engländers sicherlich stören könnte. Mir haben diese relative kurzen Trips allerdings sehr gut gefallen, weil sie der Geschichte einen Tick mehr Tiefe verleihen, was diesem sehr Charakterorientierten Roman sehr zu Gute kommt.

 

„Slam“ ist kein weiteres Meisterwerk im Stile von „High Fidelity“ oder „About a Boy“, es ist aber ein sehr guter Roman mit ein paar wenigen Schwächen und vielen Highlights. Es ist eines der wenigen Bücher der letzten Monate, das mich mal wieder richtig packen konnte, so dass ich es in zwei Zügen durchlesen musste. Wenn das mal kein Grund für eine uneingeschränkte Leseempfehlung ist, was dann?

 

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Eure Meinung:

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Roman:

Slam

Autor: Nick Hornby

Verlag: Droemer/Knaur (Mai 2009)

Seiten: 368 - Broschiert

ISBN-10: 3426504049

ISBN-13: 978-3426504048

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 26.07.2009, zuletzt aktualisiert: 13.09.2019 10:16