Sniper: Ghost Warrior 2 (PC, USK ab 18)
 
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Sniper: Ghost Warrior 2

Rezension von Cronn

 

Gebückt liege ich im Gras und warte.

Vor mir erstreckt sich eine weitläufige Landschaft, die im weichen Licht des Mondes über dem Dschungel liegt. Verschiedene Hausanlagen sind dort zu erkennen, alle von indirekter Beleuchtung mittels kleinerer Scheinwerfer im Garten angestrahlt. Ein Helikopterlandeplatz ist auch da, dazu eine Anlegestelle für Boote.

Meine Kameraden haben dort eben zwei Wachen kalt gestellt und nähern sich nun dem Bootshaus, nebst Landesteg. Mein Auftrag ist es, ihren Weg hoch zum größten Gebäudekomplex zu überwachen, wo einer unseren Piloten gefangenen gehalten und gefoltert wird. Meine Kameraden haben den Auftrag ihn zu befreien.

Ich sehe mehrere Patrouillen auf dem Weg hoch zum Gebäude, dazu einen Sniper auf dem Haus selbst. Ich gebe den Befehl, dass meine Kumpels abwarten sollen.

Dann ziele ich mit meinem Sniper-Gewehr auf den gegnerischen Sniper, halte die Luft an, suche den Punkt über seinem Kopf und drücke ab. Da ich weiß, dass die Kugel bei ihrem Weg über 500 Meter sich absenken wird, habe ich knapp über den Kopf gezielt. So senkt sie sich und trifft den gegnerischen Sniper direkt in die Stirn.

»Volltreffer!«, merke ich über Funk an und meine Kameraden eilen weiter.

Plötzlich eilen zwei Kerle aus dem Haus und stehen nah hintereinander. Zeit für einen Doppel-Kill! Wieder ziele ich langsam, suche den Punkt über ihren Köpfen, halte die Luft an und drücke ab. Ich verfolge den Weg des Geschosses. Die Kamera dreht sich um die Kugel, fängt ihren Weg perfekt ein und zeigt mir, dass das Geschoss den ersten Typen durchschlägt und im zweiten landet.

Perfekt!

Nun können meine Kollegen weiterziehen. Aber noch ist meine Mission nicht vorbei. Ich schnappe mir mein Gewehr, schalte die Nachtsicht-Vision ein und eile weiter zum nächsten Sniper-Spot.

 

Rezension:

Sniper: Ghost Warrior 2 heißt der neueste Titel aus dem Hause CI Games. Der Entwickler wird hierzulande von Daedalic vertrieben. Der erste Teil der Serie rund um die Sniper-Soldaten war ein großer Hit. Und CI Games hat mit dem zweiten Teil Großes vor. Zu diesem Zweck wurde gleich nach der Veröffentlichung die Cryengine 3 von Crytek geordert, eine Grafikengine, die auch in Crysis 3 zum Einsatz kommt.

Ob »Sniper: Ghost Warrior 2« daneben noch andere Werte in Sachen Gameplay besitzt, soll die folgende Rezension aufzeigen.

 

Hintergrund:

Wir treten in die Fußstapfen des Sniper-Soldaten Private Cole Anderson. Er bekämpft russische Bio-Terroristen, die mit Hilfe ihres Mittelsmannes in Burma eine biologische Waffe an den Mann bringen wollen.

Für die Story erntet »Sniper: Ghost Warrior 2« keinen Oscar. Sie wirkt aufgesetzt und vorhersehbar. Zudem wird sie mittels einer Zwischensequenz beim Ladebildschirm erzählt, die fade wirkt und kaum eine Beziehung zum gesichtlosen Soldaten aufbauen hilft. Allzu austauschbar wirken die Charaktere, sowohl die Protagonisten als auch die Antagonisten. Schade, hier wurde Potential verschenkt.

 

Gameplay:

»Sniper: Ghost Warrior 2« setzt voll und ganz auf sein Sniper-Szenario. Im Dschungel, im zerstörten Sarajevo und im schneebedeckten Tibet sind wir unterwegs. Erstmals ist es uns möglich, die Feinde mittels Stealth-Kills mit dem Messer auszuschalten. Darüber hinaus haben wir ein Nachtsichtgerät und eine Infrarotkamera dabei. Auch begleitet uns in einigen Missionen ein Spotter, der uns die Ziele ansagt und uns somit durch das Level bugsiert. Wer möchte, kann aber auch den Spotter oftmals ignorieren und auf eigene Faust seinen Weg durch die Levels suchen. Das wurde prima gelöst.

Die vom Vorgänger bekannten »normalen« Soldaten-Action-Levels wurden zugunsten der Sniper-Thematik völlig gecancelt. Eine durchaus mutige und richtige Entscheidung.

Wer also in Rambo-Manier durch die Levels ballern möchte, ist bei »Sniper: Ghost Warrior 2« falsch. Hier geht es darum, möglichst ungesehen sich voranzubewegen, Patrouillenwege abzuwarten und im richtigen Moment den Wind zu berechnen, die Absenkung der Kugel und dann die Luft anzuhalten, um den perfekten Schuss zu setzen. Gerade auf dem letzten der drei Schwierigkeitsgrade ist »Sniper: Ghost Warrior 2« sehr fordernd und bietet ein befriedigendes Spielerlebnis. Auf den anderen beiden ist das Game immer noch sehr spannend, aber es gibt Spielhilfen für das Snipern, wie beispielsweise einen roten Punkt, der den Einschlagspunkt anzeigt. Dies fällt beim dritten Schwierigkeitsgrade weg.

Die Spannung entsteht bei »Sniper: Ghost Warrior 2« also aus dem bedachten Vorgehen, was das Spiel zu keinem Call-of-Duty-Klon werden lässt. Prima!

Die KI der Gegner ist besser als noch beim Vorgänger. Sie gehen in Deckung, suchen nach dem Sniper, sobald neben ihnen ein Schuss fehlgegangen ist. Leider funktioniert die KI nicht in jedem Fall perfekt. So kann es geschehen, dass ein Soldat nicht mitbekommt, dass wenige Meter neben ihm einer seiner Kameraden niedergegangen ist. Aber normalerweise reagiert die KI nachvollziehbar.

 

Grafik und Sound:

Die Grafik von »Sniper: Ghost Warrior 2« ist durch den Einsatz der Cryengine 3 besser als beim Vorgänger, wirkt aber dennoch nicht so poliert, wie sie sein könnte. Die Cryengine 3 kann wesentlich detailliertere Umgebungen darstellen. Auch wirken die Umgebungen einen Tick zu steril, zu unbelebt. Daher hat man nicht das Gefühl, durch eine lebende Umwelt zu streifen, sondern man ist sich stets der Virtualität des Geschehens bewusst.

Was schon den Vorgänger auszeichnete, ist auch hier wieder dabei: die Bullet-Cam. Bei einem besonders erfolgreichen Schuss wechselt die Kamera aus der Ego-Perspektive heraus und verfolgt den Flug des Sniper-Geschosses bis zum Einschlag. Ein zwar etwas makabres Feature, aber es belohnt das Können des Spielers und befriedigt ihn dadurch im Spielfluss.

Der Sound von »Sniper: Ghost Warrior 2« ist vollauf in Ordnung, die Musikuntermalung bleibt aber nicht im Gedächtnis.

 

Multiplayer:

Der Mehrspielerbereich von »Sniper: Ghost Warrior 2« ist etwas Besonderes. Wo sonst ist man auf Maps unterwegs, wo alle vorsichtig umherkriechen? Das macht das Gameplay zu einem taktischen Vorgehen, das gefällt.

Allerdings gibt es nur zwei Modi – »Deathmatch« und »Team-Deathmatch«. Da wäre ein besonderer Sniper-Modus als weiteres Alleinstellungsmerkmal wünschenswert.

 

Fazit:

An »Sniper: Ghost Warrior 2« werden sich – wie schon beim ersten Teil – die Geister scheiden. Die einen werden das Spiel zu generisch, zu wenig abwechslungsreich finden. Die anderen, zu denen der Rezensent gehört, finden es sehr spannend und erfrischend anders im Vergleich zu den 08/15-Shootern, die ansonsten den Mark überschwemmen.

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Game:

Sniper: Ghost Warrior 2

CI Games/Daedalic

Plattform: Windows 7 / Vista

Steam Konto und Internetzugang benötigt

Umfang: 1 DVD

USK: 18

 

ASIN: B00834ZIAC

 

Erhältlich bei: Amazon

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024041813540487829331
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Erstellt: 03.05.2013, zuletzt aktualisiert: 14.04.2024 08:35, 13040