Spektrum (Autor: Sergej Lukianenko)
 
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Spektrum von Sergej Lukianenko

Rezension von Bine Endruteit

 

Rezension:

„Einsam ist es hier und traurig.“ Diesen Satz bekommt der Privatdetektiv Martin Dugin jedes Mal zu hören, wenn er auf einen anderen Planeten reisen möchte. Es sind die so genannten Schließer, die mit diesem Satz ein unumstößliches Ritual einleiten. Die Portale, die sie auf der Erde errichtet haben, kann jeder Mensch benutzen. Allerdings muss man den dort wachenden Schließer mit einer Geschichte bezahlen. Es gilt also, die Einsamkeit und Traurigkeit dieser außerirdischen Wesen mit einer guten Erzählung für kurze Zeit zu beenden. Nur wenn das gelingt, hat man Zugang zu dem interstellaren Reisesystem, das einen innerhalb von Sekunden zu jedem beliebigen Planeten bringen kann. Manche Menschen finden nie die richtige Geschichte, Martin jedoch scheint ein natürliches Talent dafür zu haben, die Schließer zufrieden zu stellen. Er schafft es immer und immer wieder, ihnen etwas zu berichten, das sie dazu bringt, ihn passieren zu lassen. Deshalb hat er es sich zur Aufgabe gemacht, im Auftrag von anderen Menschen zu reisen. Egal ob jemand Güter transportieren, einen Menschen finden oder lediglich eine Nachricht überbringen möchte, Martin ist der Richtige für diesen Job.

 

Sein neuester Auftrag führt ihn auf die Spur von Irina Poluschkina. Das siebzehnjährige Mädchen ist durch das Moskauer Portal gegangen und nicht wieder zurückgekehrt. Ihr Vater macht sich Sorgen um sie und schickt deswegen Martin aus, um sie zu finden. Obwohl er ein komisches Gefühl bei dieser Sache hat, lässt er sich auf den Auftrag ein, denn eigentlich scheint er eher harmlos, dafür aber gut bezahlt zu sein. Es gelingt Martin tatsächlich sehr schnell, das Mädchen zu finden, doch nicht so, wie er sich das vorgestellt hat.

 

Eigentlich könnte man meinen, dass der Auftrag schnell erledigt ist, aber nach dem ersten Erfolg geht die Geschichte erst richtig los. Martins Suche führt ihn auf viele verschiedene Planeten. Die dortigen Bewohner und auch die Welten selbst zeugen von der erstaunlichen Fantasie des Autors Sergej Lukianenko. Hier findet man nicht die typischen humanoiden Außerirdischen, die sich von den Menschen nur darin unterscheiden, dass sie einen Finger mehr oder eine ausgefallene Frisur haben. Er hat wirklich neue Wesen erschaffen, die in ihrer Komplexität durchaus realistisch wirken. Der gesamte Roman strotzt vor Ideenreichtum und ist alleine deswegen schon lesenswert. Aber auch die philosophischen Gedanken, die man hier findet, sind in modernen Science-Fiction-Romanen leider selten zu finden und machen „Spektrum“ deswegen zu einem ganz besonderen Werk. Nicht nur die Rahmengeschichte, sondern auch die kleinen Episoden, die Martin den Schließern erzählt, erhalten Weisheiten, die man für sich entdecken kann.

 

Die einzelnen Episoden, die jede auf einem anderen Planeten spielen, haben als Überschriften die Namen von Farben erhalten. Somit ergibt sich ein komplettes Farb-“Spektrum“, wenn man den Roman beendet hat. Sergej Lukianenkos Erzählung enthält zahlreiche Anspielungen auf bekannte Werke der Science-Fiction. Fans werden hier sowohl Bücher als auch Filme in mehr oder weniger offensichtlichen Bemerkungen ausfindig machen, was das Buch zusätzlich auflockert. Trotz seiner 700 Seiten und des eher ruhigen Erzählstils, der kaum Action- oder Kampfszenen beinhaltet, hält man hier eine wirklich spannende Geschichte in den Händen, die einen nicht mehr loslässt. Der Autor hat bereits mit seinem „Wächter“-Zyklus, der zu den fantastischen Romanen gezählt werden darf, bewiesen, wie viel Potenzial in ihm steckt. Mit „Spektrum“ zeigt er, dass er auch sehr gelungene Zukunftsromane schreiben kann, die sowohl eine gut durchdachte Handlung als auch fantasievoll entwickelte Welten und Wesen enthalten. Teilweise verschwimmen die Grenzen zwischen Science-Fiction, Fantasy und märchenhafter Erzählung sogar, aber immer bleibt „Spektrum“ ein guter und intelligenter Roman. Abschließend können wir zum Autoren genau das sagen, was auch die Reisenden, wenn sie ein Portal passieren dürfen, von den Schließern hören: „Du hast meine Einsamkeit und meine Trauer vertrieben, Wanderer. Tritt durch das Große Tor und setze deinen Weg fort.“ Hoffen wir, dass Lukianenkos Weg ihn weiterhin so gute Romane schreiben lässt!

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240413160547b7455886
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Spektrum

Autor: Sergej Lukianenko

Heyne (März 2007)

Broschiert, 700 Seiten

ISBN-10: 3453522338

ISBN-13: 978-3453522336

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 28.06.2007, zuletzt aktualisiert: 18.02.2024 09:28, 4309