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Blut ist ein besonderer Saft!

Fünf Filmtipps zu Halloween

von Oliver Kotowski

 

Wieder einmal naht Halloween mit großen Schritten, wieder einmal möchte ich fünf Filmtipps geben. Dieses Mal will ich gruslig-komische Filme mit einem der ältesten Filmmonster vorstellen: Vampirkomödien. Ich habe jeweils einen Film pro Jahrzehnt seit den 70ern ausgewählt, sieht man von den 2000ern ab, denen ich zwei gewährte.

Genießt sie mit einem guten … − Wein.

 

Liebe auf dem ersten Biss

Graf Vladimir Dracula (George Hamilton) lebt ein trauriges Leben: Seit Jahrhunderten einsam, gefürchtet, gekleidet wie ein Oberkellner. Bedient von einem besserwisserischen Gnom mit Vorliebe für Ungeziefer – Renfield (Arte Johnson) nimmt seiner Ungnädigkeit diese Charakterisierung nicht weiter übel. Einziger Lichtblick ist die göttliche Cindy Sondheim (Susan Saint James), deren Seele mit Dracula innig verbunden ist. Dracula schmachtet ihre Abbildungen in den Modezeitschriften an – Cindy ist eines der gefragtesten Modells. Als die kommunistische Partei Rumäniens den Grafen kurzerhand enteignet, beschließt der Liebende nach New York zu reisen, um sich mit der Angebeteten zu vereinen. Diese ist indes relativ leicht zu erobern – "Sie gefallen dir, du bumst sie und Adios Muchachos!", ist ihr Motto – doch der wuselige, respektlose Moloch New York beschert dem weltfremden Adligen einen ordentlichen Kulturschock. Und dann ist da noch Cindys Freund, der Psychiater Jeff Rosenberg (Richard Benjamin). Dass sie mit anderen Männern ins Bett geht, ist völlig in Ordnung, aber mit Dracula hat er noch eine Rechnung zu begleichen, denn Rosenberg ist ein Nachfahre Abraham Van Helsings (den Namen "Rosenberg" hatte er nur wegen des besseren Klangs angenommen)!

Stan Dragoti geht keine Kompromisse ein: Sein Film ist eine waschechte Parodie auf die verschiedenen Dracula-Verfilmungen (es gibt besonders viele Anspielungen an Tod Brownings Version), trotz der vielen verwendeten Horror-Tropen, ist es ausschließlich Komödie. Da sind zuerst die Schauspieler zu nennen, Hamilton, Benjamin, Saint James spielen schön auf, doch Johnson ist großartig. Hervorragend ist auch die Synchronisation (die Kinofassung): Wie wunderbar ist alleine die Szene im Flugzeug, als sich die Passagiere vor einem Horrorfilm ekeln und nur Renfield gierig-begeistert kichert. Natürlich gibt es etliche Witze, die auf der Unfähigkeit des Vampirs gehen, seinem Ruf zu entsprechen, aber es gibt mindestens genauso viele Witze, die die Eigenarten oder Vorurteile der New Yorker auf's Korn nehmen: Ein schwarzer Kleinkrimineller wird vom weißen Polizisten nach seinen Komplizen gefragt und entgegnet, er würde sie nicht kennen, auch nicht wiedererkennen – es sähen ja alle Schwarze gleich aus. Und wehe, wenn in New York der Strom ausfällt! Eine der besten Vampirkomödien, der zudem das Alter wenig anhat.

 

Sundown – Rückzug der Vampire

Gwendolyn (Vanessa Pierson) ärgert als Vampir verkleidet einmal mehr ihre kleine Schwester Juliet (Erin Gourlay) – dennoch reagiert vor allem der Vater David Harrison (Jim Metzler) irritiert über Juliets Verhalten: Das Zimmer der Kleinen ist übersät mit Horrordevotionalien. Doch Mutter Sarah (Morgan Brittany) wiegelt ab: Das ist nur eine Phase. Und bald, in Purgatory, wo David eine Fabrik für die Herstellung von künstlichem Blut optimieren soll, werden die Mädchen mit vielen normalen Kindern zusammen sein. Auch wenn Sarah sich nicht auf das Wiedersehen mit ihrem Jugendschwarm Shane (Maxwell Caulfield) freut, der die Anlage leitet. In Purgatory angekommen, stellen sich die Bewohner als liebenswert, aber skurril heraus: Alle tragen Sonnenbrillen, breite Hüte oder Schirme, nutzen Sonnencreme im Übermaß – und sind bleich. Auch wenn der grundbodenständige David noch etwas länger braucht, wird Juliet bald klar: In Purgatory wimmelt es von Vampiren. Damit sie nicht weiter töten müssen, steckt der mächtige Mardulak (David Carradine) so viel Geld in die Produktion von Kunstblut. Aber nicht alle sind zufrieden, sie vermissen den Geschmack von warmem Menschenblut – es braut sich ein Aufstand zusammen. Und dann ist da noch der etwas weltfremde junge Robert Van Helsing (Bruce Campbell), der ebenfalls Mardulak sucht.

Anthony Hickox' Film ist breit angelegt und entsprechend flach, was durch eine schnelle und bewusst trashige Inszenierung zum Teil aufgefangen wird. Im Zentrum steht der Machtkampf der Vampire, doch dazu kommen noch drei Subplots – die Zahl der Figuren ist recht hoch. Auch wenn der Film einige gut vorbereitete Action-Szenen aufweist, die sogar spannend sein können, setzt er doch vielmehr auf Humor. Die romantischen Szenen zwischen David und Sarah sind überzogen kitschig, die Kämpfe überzogen actionreich, die Tricks sind überzogen lächerlich-billig; alles ist überzogen, aber eben nicht so sehr, als dass es eine billige Veralberung wäre. Die meisten Punkte werden aber mit den grotesken Figuren (besonders den Vampiren) und deren bizarren Verhalten erzielt – großartig, wenn die Kinder einen Vampir im Keller entdecken, ihn der ungläubigen Mama zeigen wollen, die aber nur mitgehen will, wenn die Kinder auf ihr Taschengeld verzichten, und die Kinder daraufhin lieber Fahrrad fahren. Ein sehr komischer Film, der quasi das Prequel der Serie True Blood ist und auch Einfluss auf Tarantinos From Dusk til Dawn hatte.

 

Bordello of Blood

Katherine Verdoux (Erika Eleniak) versucht beim Training eine auf Tonband aufgenommene Predigt von Reverend J. C. Current (Chris Sarandon) zu hören, was aber nur begrenzt gelingt: Ihr halbstarker Bruder Caleb (Corey Feldman) hört laut Metal-Musik. Wie üblich streiten die beiden ein wenig und dann zieht Caleb mit seinen Kumpels los, um etwas anzustellen. Bei ihrer Tour werden sie auf ein ausgefallenes Bordell aufmerksam gemacht – Caleb nimmt die Einladung an. Das Bordell ist als Beerdigungsinstitut getarnt und durch das Krematorium geht es zum Vergnügen – für die Prostituierten, denn bei ihnen handelt es sich um Vampirinnen unter der Führung der mächtigen Lillith (Angie Everhart): Die Gäste werden im wahrsten Sinne des Wortes vernascht. Nachdem Caleb nicht nach Hause kommt, macht sich Katherine Sorgen und geht zur Polizei. Dort will man wegen eines Rumtreibers nichts unternehmen, doch der heruntergekommene Privatdetektiv Rafe Guttman (Dennis Miller) hört das Gespräch 'zufällig' mit an und bietet sich an, die Ermittlungen zu übernehmen. Nach einigem Zögern willigt Katherine ein, denn Rafe wirkt wirklich nicht vertrauenserweckend. Rafe indes mag zwar einige finanzielle Probleme haben, ist aber ein guter Schnüffler: Er findet bald eine Spur, die zum Bordell führt – ohne zu ahnen, was ihn dort erwartet.

Gilbert Adlers Film gehört zur Reihe Geschichten aus der Gruft, die auf der gleichnamigen Comic-Reihe basiert, und ist meines Erachtens ein Trash-Film. Damit ist im eigentlichen Sinne des Wortes kein einziger Aspekt des Films als "gut" zu bezeichnen; alles ist billig, aufgesetzt, oberflächlich. Es gibt viel unnütze Gewalt und nacktes Fleisch. Aber keinen echten Vampirbiss und keine Sexszene. Georg Seeßlen hat für seinen Blog den Beitrag namens TRASH – Eine Liebeserklärung in zehn Kriterien verfasst. Bordello of Blood erfüllt nun zumindest einige diese Kriterien. Der Film entzieht sich den Sehgewohnheiten: ein Vampirbordell, ein nicht-jugendfreier Film – und nicht mal die Andeutung einer Sexszene. Dafür einiges an Splattergewalt. Es werden nicht nur Genre-Klischees wiederholt: Sicher, der Fernsehprediger ist korrupt, aber mit dieser Korruption hat es etwas Besonderes auf sich. Auch der Privatdetektiv hat seine Eigenheiten. Es gibt immer wieder kleine Momente des gender-bending. Der Film ist selbstironisch und alle Beteiligten sind mit viel Spaß bei der Sache – wenn man sich drauf einlässt, kann man den auch haben.

 

Vampire Office – Büro mit Biss!

Otto Granberry (Steve Burns) ist ein bisschen aufgeregt: Turner Claymore (Darrell Hammond), der Chef von Berm-Tech-Industries, will ihn sprechen. Was mag er wollen? Turner ist ein wenig unzufrieden mit der Arbeit von Michael, ob Otto den Entwurf wohl noch einmal überarbeiten könne? Otto erbleicht, denn Michael sitzt mit einem Holzpflock in der Brust in Turners Büro. Mit der schlechten Arbeit habe dies natürlich nichts zu tun, nein, Michael war ein Vampir. Otto soll also den Entwurf überarbeiten, die Leiche von Michael heimlich entsorgen und ein Meeting anberaumen, in dem Turner nachdrücklich darlegen will, dass er Vampirismus in seiner Firma nicht dulden will. Außerdem hat er den Unternehmensberater Steven P. D. Landry (Judd Nelson) damit beauftragt, die Arbeitswege einmal zu überarbeiten. Und als Ersatz für Michael stellt er die nette Pearl Stricklett (Amy Davidson) ein, die gleich mit Otto zu flirten anfängt. Dumm nur, dass Turner, nun kein Vampir im eigentlichen Sinne – es gibt keine Vampire – sondern ein Netherbeast mit einer Art Alzheimer ist. Und dass seine Firma ausschließlich zur Tarnung für andere seiner Art da ist. Für Otto und seine Kollegen gilt es den Anschein zu wahren, bis Steven und Pearl wieder draußen sind: für zehn Tage. Wäre da nicht noch ein Mörder unterwegs …

Dean Matthew Ronalds' Film ist eigentlich eine clash-of-cultures-Komödie mit einem langsam stärker werdenden Thriller-Strang. Die aufeinanderstoßenden Kulturen sind einerseits natürlich die tiefstapelnden Netherbeasts/Vampire und andererseits die wichtigtuerischen modernen Büromenschen. Netherbeasts sind keine Monster; nun gut, sie fressen Menschen und trinken Blut, aber nicht mehr, als sie müssen. Und ein Spiegelbild haben sie auch. Kombiniert wird diese Tiefstapelei mit der Wichtigtuerei der Büros: Es gibt selbst für die Anschaffung von Kugelschreibern Meetings. Hier spielt der Film auf witzige Art mit den Klischees aus Vampirgeschichte und Büroleben. Zudem gibt es geschickt eingesetzte Rückblenden – der US-Präsident Garfield (Robert Wagner) war einer von ihnen – und Fake-dokumentarischen Erläuterungen im Stil von PR-Filmchen. Leider wird der Thriller-Strang nach etwa zwei Dritteln des Films stärker und es zeigt sich, dass er eher konventionell und auch nur begrenzt gut umgesetzt ist. Trotzdem ist es ein recht unterhaltsamer Film, der den Vampir-Mythos in ein modernes Alltagssetting einbettet.

 

Suck – Bis(s) zum Erfolg

Mit Joeys (Rob Stefaniuk) Rock-Band "The Winners" läuft es nicht so gut: Der Sound ist lahm, selbst der wieselige Manager kündigt bzw. drängt Joey, ihm zu kündigen. Dann ist da noch ein freakiger Barmann (Alice Cooper), der vorgibt, Joeys Gedanken lesen zu können, und als Joey der Band bekannt gibt, dass man besser nicht im Hotel, sondern im Wagen schläft, reicht es Joeys Exfreundin Jennifer (Jessica Parré); sie zieht mit einem neuen Freund, dem unheimlichen Queeny (Dimitri Coats) los, um Party zu machen. Am nächsten Tag verspätet sie sich massiv – es reicht Joey und man fährt ohne sie zum nächsten Gig. Am Spielort angekommen, erlebt die Band eine Überraschung – Jennifer ist schon da. Eine Konkurrenzband habe sie mitgenommen, doch jetzt hätten sie keine Lust mehr aufzutreten. Und Jennifer hat sich verändert: Sie hat sich ganz blass geschminkt und ist irgendwie – richtig sexy. Als Joey während des Auftritts eine Flasche von einer weiteren Exfreundin an den Kopf bekommt und ausfällt, übernimmt Jennifer das Ruder und es läuft richtig gut. Indes hängt sich jetzt Eddy Van Helsing (Malcolm McDowell) an die Fersen der Band, da er in Jennifer eine Vampirin vermutet – was Hugo (Chris Ratz), der Roadie und Ersatzmann der Band, bald bestätigen kann: Immerhin muss er hinter Jennifer aufräumen.

Der kanadische Komiker Rob Stefaniuk führte auch Regie bei dieser eigentümlichen Bildungsgeschichte: Joey ist eigentlich mit seiner Band am Ende, bemüht sich aber weiter auf 'ehrliche' Weise einen Platz in der Gesellschaft der Rock'n'Roller zu sichern. Hinein drängt das weniger den Leib als die Seele bedrohende Vampir-Thema: Sicher, technisch wäre Joey tot, aber das wäre nicht das eigentliche Problem. Kontrastiert werden die moralischen Fragen mit Humor, der auf Kosten der schrägen Rock'n'Roll-Szene, coolen Vampiren und natürlich den Amis ganz generell geht. Stefaniuk nutzt die ganze Bandbreite, wobei die meisten Witze zünden und die Pointen gut getimt sind. Dazu weist der Film interessante urbane Bilder auf, die sehr authentisch wirken, und setzt ihnen zum Teil beunruhigende Kunstbilder entgehen. Das Ganze wird in einer gewissen Musikvideoclipästhetik inszeniert. Nur folgerichtig, dass es immer wieder eingeschobene Szenen gibt, die herausgelöst beinahe als Musikvideo funktionieren könnten. Schließlich sind da noch unzählige Zitate, die von Vampirfilmen zu Plattencovern reichen. Ein schräger, aber auf seine Weise konsequenter und komischer Film.

 

Die fünf genannten Vampirkomödien sind natürlich weder die einzigen, noch die 'besten' (was auch immer das heißen mag). So liebe ich zum Beispiel Roman Polanskis Tanz der Vampire, doch den Film hatte ich schon vor zwei Jahren empfohlen und wollte ihn daher nicht wieder vorstellen. Großartig ist auch Tom Hollands Fright Night – Die rabenschwarze Nacht, dessen Remake von Craig Gillespie gerade angelaufen ist, doch ich wollte dem weniger bekannten Film Sundown eine wohlverdiente Chance einräumen. Eine weitere Vampirkomödie, die oft empfohlen wird, ist Wes Cravens Vampire in Brooklin, der mir aber nicht ganz so gut gefallen hat, wie man in FG-Blog lesen kann. Und da es dank des Twilight-Vampir-Booms zahlreiche post-2000er Vampirfilme gibt, finden sich noch zahlreiche sehenswerte neuere Komödien: Wer ZAZ-Komödien mag, darf auch einen Blick auf Vampire Party werfen und wer sich mit Fake-Docus anfreunden kann, für den könnte auch Vampire – Verstecken war gestern! Etwas sein.

Aber genug davon! Auf Ihr Kinder der Nacht, Ihr Radleys, es gibt noch viel für das Fest vorzubereiten!

 

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Eure Meinung:

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Liebe auf den ersten Biss

(USA 1979, 96 min, FSK 12)

Erhältlich (als VHS) bei: Amazon

 

 

Sundown - Rückzug der Vampire

(USA 1989, 104 min, FSK 12)

Erhältlich bei: Amazon

 

 

Bordello of Blood

(USA 1996, 82 min, FSK 18 bzw. 16 gekürzt)

Erhältlich bei: Amazon

 

 

Vampire Office - Büro mit Biss

(USA 2007, 86 min, FSK 16)

Erhältlich bei: Amazon

 

 

Suck - Bis(s) zum Erfolg

(Kanada 2009, 91 min, FSK 16)

Erhältlich bei: Amazon

 

 


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Erstellt: 10.10.2011, zuletzt aktualisiert: 15.02.2019 09:11