Tartufo (Autor: Wolfgang Zdral; Leonardos erster Fall)
 
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Tartufo von Wolfgang Zdral

Leonardos erster Fall (Bd. 1)

Rezension von Christian Endres

 

Sherlock Holmes hat seine Leser regelmäßig mit seiner scharfen Beobachtungsgabe und seinen Deduktionen entzückt. Wo der Leser sich hinters Licht führen ließ, erfasste der Weltbekannte Detektiv für gewöhnlich jede Facette einer Situation, jede Nuance eines Verbrechens. Kaum ein Detail, das ihm entging, kaum eine Spur, die er nicht auf Anhieb (oder wenigstens mit dem Brennglas) sah. Ob Zigarettenasche, ein Fußabdruck mit dem Lehm einer Londoner Großbaustelle anno 1888 oder ein verräterischer Windhauch – der große Detektiv aus der Baker Street 221B löste seine Fälle mit allen Sinnen und seinem maschinenhaft arbeitenden, messerscharfen Verstand.

 

So ähnlich ist es mit Trüffelschwein Leonardo, wenn auch nicht auf Anhieb. Als sein gutmütiger Herr Matteo tot in einem italienischen Waldstück aufgefunden wird, verdichten sich irgendwann die Anzeichen dafür, dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist bei diesem seltsamen Tod des gut betuchten, aber einfach und zurückgezogen lebenden Trüffelkenners im Wald. Und auch wenn Leonardo nicht jede menschliche Sitte oder Unsitte direkt versteht – seine feine Nase täuscht niemand!

 

Allerdings wäre es zu einfach, Leonardo mit Holmes zu vergleichen. Das ist eher etwas für handelsübliche Klappentexte, so wie jeder Fantasy-Autor gleich mit J. R. R. Tolkien oder Douglas Adams verglichen werden muss. Zdrals schweinischer Held steht für sich – im Guten wie im Schlechten. Denn auch wenn das alles äußerst unterhaltsam ist und die buchstäblich versaute Perspektive gefällt, fehlt der Ermittlung des klugen Trüffelschweins hier und da ein bisschen der Schwung, um den Leser so richtig mitzureißen.

 

Gerade im ersten Drittel ist Wolfgang Zdrals Roman um die detektivisch veranlagte Tartufo-Spürnase recht langsam getaktet. Das passt zum Wesen des verwöhnten Trüffelschweins, erfordert vom Leser aber ein gewisses Maß an Geduld.

 

Wenigstens bieten die komplexen persönlichen Verhältnisse in der italienischen Pampa zwischen Edel-Weingut und Nobel-Trüffel-Suchgebiet eine relativ unverbrauchte Kulisse für ein verzwicktes Drama, das Leonardo mit seinem Riechorgan und seinem Talent, die Biochemie eines Menschen auf Anhieb richtig einzuschätzen, auflösen muss. Und er hat ja auch ein paar Freunde. Und eine Herzensdame...

 

Die Perspektive ist der große Pluspunkt dieses sprachlich äußerst eloquent formulierten Krimis mit fein grunzendem Humor, wie das Cover keineswegs zu unrecht verspricht. Seine Geschichte augenzwinkernd aus der Sicht eines tierischen Protagonisten zu erzählen, hat schon Richard Adams’ Traveller gut zu Gesicht gestanden, und auch bei Tartufo zieht die tierische Ich-Erzähler-Nummer.

 

Manchmal schnüffelt die Schweinenase etwas langsam – eine charmante Abwechslung für Krimi-Fans ist der feinborstige Lügendetektor mit dem Ringelschwanz trotzdem.

 

 

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Buch:

Tartufo

Autor: Wolfgang Zdral

Taschenbuch, 350 Seiten

Heyne, Februar 2009

 

ISBN: 3453433440

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 23.02.2009, zuletzt aktualisiert: 24.02.2023 19:55, 8267