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Tentakeltraum von Dirk van den Boom

Reihe: Erster Tentakelkrieg Band 2

 

Rezension von Christel Scheja

 

Schon in „Rettungskreuzer Ikarus“ hat Dirk van den Boom bewiesen, dass er in der Science Fiction nicht unbedingt auf gesellschaftskritische und tiefschürfend psychologische innere Reflektionen setzt, sondern es auch schon einmal ganz gerne „krachen“ lässt. Während er in der oben genannten Serie, die er mit aus der Taufe gehoben hat, eher noch zahm agiert, lebt er diese Leidenschaft zur Military-SF nun in seiner Trilogie um den „Tentakelkrieg“ genüsslich aus. Nach „Tentakelschatten“ ist mit „Tentakeltraum“ nun der zweite Band erschienen.

 

Die Menschheit hat nach Jahrhunderten der interstellarer Expansion den Eindruck gewinnen können, sie seien das einzige intelligente Leben im All. Sie konnten zahlreiche Planeten besiedeln und ihren Bedürfnissen anpassen. Aber wie schon in der Gegenwart übervorteilen auch diesmal einige Menschen die anderen, Misswirtschaft, Korruption und Ausbeutung zu Aufständen und Kriegen geführt, die ganze Planeten ausgeblutet haben, die Raumfahrt wird von einigen Familienclans kontrolliert. Das nach außen hin starke und unbesiegbare Imperium der Menschen ist in Wirklichkeit ein innerlich verfaultes und höchst instabiles Staatengebilde. Und so weiß man zunächst nicht zu reagieren, als eine fremde Spezies in das Siedlungsgebiet der Menschen einfällt.

Die Rasse der „Tentakel“ taucht mit Raumschiffen über den äußeren Kolonien auf und setzte kleinere Sporenschiffe ab. Die „Saat“ setzt sich fest und breitet sich aus, dabei alles organische Leben als Nahrung betrachtend, das ihnen in die Quere kommt.

Die Kolonisten sind in ihrem hoffnungslosen Kampf alleine und nur auf wenigen Welten gibt es wirklich noch Widerstand.

Die ehemalige Marinesoldatin Rahel Tooma gehört zu denen, die sich nicht unterkriegen lassen wollen und den Kampf auf Lydos noch nicht aufgegeben haben, auch wenn längst nicht mehr viel von der Farmwelt zu sehen ist. Und auch der bisher wenig beachtete Wissenschaftler DeBurenberg sucht weiter nach einer Möglichkeit, der Invasoren Herr zu werden. Und selbst der Raumschiffpilot Jonathan Haark hat nun wieder ein Ziel vor Augen, auch wenn er die verzweifelte Militarisierung der Menschheit mit Sorge betrachtet.

Doch dann geschieht etwas Überraschendes. Die Tentakel-Rasse hält in der Eroberung der Welten inne und nimmt über ihren Botschafter Fürst Clematis sogar Kontakt zu ihnen auf. Man bietet ein Treffen auf neutralem Boden und Friedensverhandlungen an.

Vor allem eine korrupte aber einflussreiche Politikerin wittert die Chance, sich profilieren zu können und geht auf den Vorschlag ein. Die Warnungen, dass das alles nur eine Falle sein könnte, wird aufgrund von Geltungssucht in den Wind geschlagen.

 

Auch „Tentakeltraum“ macht keinen Hehl daraus, dass er in erster Linie ein reiner Unterhaltungsroman ist, bei dem es wie in der guten alten Space Opera mit viel Action zur Sache geht, auch wenn die Menschen nicht mehr auf strahlend schönen und von utopischem Fortschrittsglauben geprägten Welten sondern in schmutzigen und nüchternen Kulissen dystopischer Zukunftsvisionen leben und nur eine kleine Gruppe die Vorzüge hoch entwickelter Technik genießen kann. Wie in „Starship Troopers“ wird der schöne Schein bewahrt, während an den Fronten mit allen Mitteln und ohne Skrupel gekämpft wird. So angelegt sind auch die Helden, die weniger idealistisch sind, als einfach nur den Willen haben irgendwie zu überleben und ein paar Leute zu retten, die sie mögen.

Hier kommt Van den Boom wieder die profunde Kenntnis der Science Fiction zu gute. Der Roman enthält augenzwinkernde Anspielungen auf Filme und Bücher, ohne dabei jedoch all zu konkret zu werden.

Die Handlung wirkt durch die ständig wechselnden Schauplätze sehr filmisch. Der Autor beschönigt nichts, wenn es um die Beschreibung von Verwüstungen, Sterbenden und Toten geht. Und auch der Gegner erhält mehr Profil, um die Bedrohung noch intensiver zu machen. Denn die Tentakel sind auch auf anderer Ebene mit allen Wassern gewaschen und haben weder die moralische Skrupel noch typisch menschliche Schwächen.

 

Wer knallhartes und actionreiches Sci-Fi-Abenteuer mag, wird auch in „Tentakeltraum gut unterhalten. Wie auch schon im ersten Band erweisen sich die Figuren und das Szenario als interessant und vielschichtig, ohne dabei jedoch die Action in den Hintergrund zu drängen.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Tentakeltraum

Serie: Erster Tentakelkrieg Band 2

Autor: Dirk van den Boom

Atlantis Verlag, Mai 2008

Tasc henbuch, 230 Seiten

Titelbild: Christian Keseler

 

ISBN-13: 978-3-936742-94-7

ISBN-10: 3936742944

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.07.2008, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 13:51