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Terra von T. S. Orgel

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

In der Zukunft hat sich die Erde in ein ökologisches Wrack verwandelt. Der Mond ist ein einziges Bergwerk, und alle Hoffnungen liegen nun auf der Besiedlung des Mars. Dessen Terraforming ist in vollem Gange, und mit Raumfrachtern werden die Rohstoffe des roten Planeten abtransportiert. Jak ist Mechaniker an Bord eines dieser vollautomatischen Frachter, der gerade mit zwei Millionen Tonnen Erz auf dem Weg zur Erde ist. Was er nicht weiß: Einer der Container ist vollgestopft mit Bomben. Und auch Jak hat ein paar Geheimnisse zu verbergen. Für ihn und seine Schwester Sal, die als Marshal auf dem Mond stationiert ist, beginnt ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit, bei dem es um nichts weniger geht als um das Schicksal des Planeten Erde …

 

Rezension:

Die Brüder Tom und Stephan Orgel wandelten bisher vor allem in Fantasy-Gefilden. Mit Terra jedoch ziehen sie mit ihrem ersten SF-Roman in den Weltraum.

Jak ist Frachterpilot und fliegt in einem Konvoi von Frachtraumschiffen vom Mars zur Erde. Seine Anwesenheit an Bord ist nicht wirklich von Nöten, die menschlichen Pilotinnen und Piloten dienen lediglich als letztes Sicherheitssystem und es ist abzusehen, dass man auch dieses Relikt der menschlichen Besatzung abschaffen wird. Schon jetzt fliegt im Konvoi der Prototyp eines rein automatisch gesteuerten Schiffes. So richtig viel gibt es an Bord nicht zu tun, kein Wunder also, dass die sehr individuellen Kapitäne der Frachter ihre Zeit mit Simulationen von Raumschlachten und Basteleien an ihren Schiffen und persönlichen KIs verbringen. Zudem verdienen sie sich mit ganz unterschiedlich illegalen Schmuggeleien etwas dazu. Doch da stolpert Jak über ungewöhnliche Messwerte und entdeckt einen Container mit Terraforming-Sonden, von dem die Schiffssensoren stur behaupten, mit Erz gefüllt zu sein. Ihm ist sofort klar, dass er hier sehr vorsichtig agieren muss, will er nicht das Opfer einer Vertuschung werden. Zum Glück arbeitet seine Schwester Sal als Marshal bei den Sicherheitsbehörden des Mondes und so beschließt er, sie im Geheimen nachforschen zu lassen. Doch selbst Sals Freund, Nathan, ein ausgemachter Computernerd und Paranoiker unterschätzt das wahre Ausmaß der Bedrohung …

 

Tom und Stephan Orgel siedeln ihr SF-Debüt nicht in fernen Weiten oder Zeiten an. Außer Mars-Terraforming und Mondbesiedelung bieten sie keine technologischen Quantensprünge oder Zaubereien an, sodass sich ihr Worldbuilding nah an den heute vorstellbaren Entwicklungen anlehnt und man »Terra« getrost als Hard-SF bezeichnen kann.

Die Handlung geht dabei zum Teil gewohnte Thriller-Wege, was sich vor allem in rasanter Action, typischen Ermittlungsarbeiten und größenwahnsinnigen Gegenspielern äußert. Die Orgel-Brüder bieten einige überraschende Plot-Twists auf und sorgen so dafür, dass weder Langeweile entstehen kann noch Gewissheiten erfüllt werden. Der Roman ist ein Pageturner.

Dabei vergessen sie nicht, ihrer Zukunftswelt die Probleme der Gegenwart mitzugeben. Immer wieder streuen sie Hintergründe von Figuren oder Entwicklungen ein, die auf Umweltveränderungen, politischen Verschiebungen und soziale Verwerfungen eingehen, deren Ursachen im Heute liegen. Dennoch fühlt sich die Welt von »Terra« nicht wirklich dystopisch an. Das liegt vor allem an den Figuren, die sich auf der guten Seite befinden. Zwar sind sie kaum in dem Sinne »gut«, wie ihn das Gesetz definieren würde, aber sie sind moralisch integer und versuchen einfach nach ihren Vorstellungen zu überleben und das Richtige zu tun. Was natürlich auch die Gegenseite von sich behauptet, nur lassen die Autoren keinen Zweifel daran, wer hier ethisch völlig daneben liegt. Echte Grautöne bietet »Terra« nicht.

Trotz des stattlichen Umfangs gibt der Roman den Figuren auch keinen Raum, sich irgendwie weiter zu entwickeln. Die Umstände bestimmen das Handeln und selbst die drastische Veränderung Nathans führt zu keiner wesentlichen Neubesetzung seiner Funktion innerhalb der Handlung. Mit der Figur der Polizistin Sal üben sich Tom und Stephan Orgel in der Kreation glaubwürdiger Frauenfiguren mit relevanten Anteil an der Handlung. Das gelingt ihnen tatsächlich, allerdings übernimmt Sal in vielen Szenen einfach den sonst mit einem Mann besetzten Part.

Am Ende erweist sich »Terra« als rasantes und vor allem abwechslungsreiches SF-Abenteuer, das mühelos den Spagat zwischen politischem Anspruch und moderner Unterhaltung bewältigt. Die Orgel-Brüder sollten auf jeden Fall im Weltraum bleiben.

 

Optisch bietet der Heyne Verlag mit einem farbigen Seitenschnitt und einem modernen Cover-Layout einiges auf. Die Computergrafiken im Innenteil unterstützen den Roman zudem durch anschauliche Informationen.

 

Fazit:

»Terra« von Tom und Stephan Orgel ist ein mitreißender Science-Fiction Action-Roman, der sich souverän seines Hintergrundes bedient. Ein gelungener SF-Einstand.

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Eure Meinung:

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Buch:

Terra

Autoren: T. S. Orgel

Taschenbuch, 508 Seiten

Heyne Verlag, 12. November 2018

Cover: Das Illustrat

 

ISBN-10: 3453319672

ISBN-13: 978-3453319677

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B07C3QT2Y4

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.08.2019, zuletzt aktualisiert: 02.08.2020 16:07