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Töte mich zuerst von Kate Morgenroth

Rezension von Christel Scheja

 

Was ist, wenn ein kaltblütiger Killer aus dem Konzept gebracht wird, weil sich eines seiner Opfer nicht unbedingt so verhält, wie er es erwartet, wenn es statt zitternd und weinend um sein Leben zu betteln offen und ruhig hochsieht und geradezu darum bittet: „Töte mich zuerst.“ Mit dieser Frage hat sich Kate Morgenroth in ihrem gleichnamigen Roman beschäftigt.

 

Sarah Shepherd hat allen Lebensmut verloren, seit sie ihren Mann durch einen gemeinsamen Autounfall verloren hat. Obwohl sie zwanzig Jahre jünger als er war, so hat sie nach dreißigjähriger hingebungsvoller ehe doch kein Lebensziel mehr. So bleibt den Ärzten nichts anderes übrig, sie in ein Pflegeheim einzuweisen, als sie wieder halbwegs auf den Beinen ist. Durch ihre Schweigsamkeit fügt sie sich schnell unter die alten Leute ein.

Dann aber überfällt der skrupellose Terrorist Merec das Sanatorium.

Anders als die Mitpatienten ist Sarah nicht entsetzt und verängstigt, sondern sieht dem Mann furchtlos entgegen. Hier und jetzt könnte ihre Qual ein Ende haben. Zugleich ist sie fasziniert von der animalischen Wildheit des Terroristen, der ohne mit der Wimper zu zucken einige der Kranken vor laufender Kamera erschießt.

Sie aber lässt er erst einmal am Leben, denn er ist ebenfalls fasziniert von der Furchtlosigkeit der reifen Frau. Er nimmt sie sogar mit sich, als wolle er versuchen sich anderenorts zu brechen.

Derweil setzt sich das FBI unter Agent Tresler auf seine Spur. Diesem ist klar, dass er einen eiskalten Killer hinter her jagt, der normalerweise keine Skrupel hat und auch keine Geiseln mit sich nimmt. Aber könnte Sara Shepherd jetzt nicht zu einer fatalen Schwäche für ihn werden?

Die Witwe bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Niemand kann sie einschätzen, da keiner sie kennt – und es kann alles passieren. Tatsächlich beginnt Sarah in der Gewalt von Merec aufzublühen. Er eröffnet ihr eine Welt, die so fremd ist, dass sie ihr die Augen öffnet und erkennen lässt, dass sie in ihrem bisherigen Leben so viel verpasst hat Dinge, die sie jetzt so oder so nachholen möchte...

 

Die Idee einen kaltblütigen Killer mit einem furchtlosen Opfer zu konfrontieren, klingt sehr interessant, allerdings kann die Umsetzung nicht so ganz überzeugen. Während sich die Autorin auf das Opfer konzentriert und ihre Wandlung von der Witwe mit extremer Todessehnsucht zu einer willigen Schülerin ihres Entführers durchmacht und allein durch ihn Lebensmut zurück gewinnt, bleibt Merec, der immer wieder als „kaltblütigster Killer der Welt“ bezeichnet wird, sehr schattenhaft und undurchsichtig. Man erfährt nicht, wie es in dem Mann vorgeht, wenn er tötet, welche Motive ihn anfangs dazu getrieben haben und was ihn nun leitet, das Leben unschuldiger einfach so zu beenden. Die Analyse des Verbrechers bleibt außen vor. Da die Autorin nicht einmal die kleinsten Hinweise gibt, kann man sich nicht einmal selbst etwas zusammen reimen. Das nimmt dem Roman einiges an Kraft und lässt viele der Geschehnisse so aufgesetzt wie plakativ wirken. Hier wäre eine gezieltere Ausarbeitung tatsächlich mehr gewesen.

 

„Töte mich zuerst“ hat zwar einen interessanten Ansatz, kann aber in keinster Weise überzeugen, auch wenn er leidlich spannend ist. Dafür hat die Autorin zu wenig Sorgfalt walten lassen, um ihrer negative Hauptfigur die Kraft zu verleihen, die sie eigentlich verdient.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Töte mich zuerst

Autorin: Kathe Morgenroth

Taschenbuch, 336 Seiten

Knaur, August 2008

Übersetzerin: Christine Gaspard

Titelbild: Phil Heffernan

 

ISBN 978-3-426-63998-6

 

Erhältlich bei: Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 06.08.2008, zuletzt aktualisiert: 12.05.2021 19:39