Tomb Raider (PC, USK ab 18)
 
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Tomb Raider (PC)

Rezension von Cronn

 

Immer enger wird der Gang, immer höher steigt das Wasser. Schon bin ich bis zum Hals im feuchten Nass und muss die Fackel ganz hoch halten, damit sie nicht ausgeht. Sie leckt über das Gestein an der Decke, hinterlässt dort chaotische Rußspuren.

Nun muss ich mich seitlich durch einen Spalt zwängen, durch einen Vorhang aus Wasser hindurch, das von oben aus der Höhe einer Höhle herabfällt.

Ich befinde mich nun in einem unterirdischen Saal. Überall stehen Kisten herum. Ein ausgeweidetes Flugzeugwrack erhebt sich in der Mitte des Domes. Lagerfeuer brennen hier und da.

Lagerfeuer?

Vorsichtig geworden lösche ich die Fackel und ziehe meinen Bogen vom Rücken. Hinter einem Felsen gehe ich in Deckung. Hier ist jemand noch außer mir! Ich vermute, dass es die Solarii sind – die Überlebenden, die mir schon mehr als einmal ans Leder wollten.

Schön höre ich ihre Stimmen. Sie unterhalten sich darüber, was sie mit mir anstellen wollen, sobald sie mich gefangen haben werden. Aber ich werde ihnen einen Strich durch die Rechnung machen!

Ich blicke um die Ecke und erkenne, dass es vier oder fünf Männer sind. Ganz exakt kann ich es durch das Halbdunkel nicht bestimmen, das in der Höhle herrscht. Einer trägt Molotowcocktails, zwei haben Pistolen und der letzte ist mit einem Haken bewaffnet. Das sollte zu schaffen sein!

Langsam und ohne Hast spanne ich meinen Bogen, visiere den gefährlichsten Typen an – den mit den Molotowcocktails. Dann lasse ich die Sehne los. Der Pfeil fliegt in hohem Bogen durch die Luft und erwischt den Kerl voll. Er bricht mit einem Gurgeln zusammen. Die anderen haben mich noch nicht bemerkt, da sie sich von dem Molotowcocktail-Typen abgewandt hatten, als ich meinen Pfeil auf die Reise geschickt hatte. Doch nun muss ich Farbe bekennen.

Zum Glück steht hinter zweien der Gegner ein rotes Fass. Rote Fässer sind mit Benzin gefüllt. Hm, … ob da wohl ein Brandpfeil das passende Werkzeug ist?

Ich entzünde den Pfeil mittels meines gefundenen Feuerzeugs und spanne die Sehen. Als ich mir sicher bin, das Fass gut anvisiert zu haben, lasse ich die Sehne los. Der Pfeil fliegt eine Leuchtspur aus Flammen hinter sich herziehend durch die Luft, trifft das Fass und lässt es explodieren. Die beiden Typen davor werden in die Höhe geschleudert und landen irgendwo im Dunkeln der Höhle. Sie sind keine Bedrohung mehr für mich.

Doch plötzlich stanzen Gewehrkugeln ein hässliches Muster in den Stein vor mir. Der fünfte Kerl hat mich ins Visier genommen. Ich wechsle geduckt meine Deckung und meine Waffe. Nun liegt ein Sturmgewehr in meinen Händen. Ich sehe den Feind in wenigen Metern hinter einer Kiste Schutz suchen. Das ist meine Chance!

Ich ziele über den Rand des Felsbrockens hinweg und ziehe den Abzug des Sturmgewehrs voll durch. Eine Salve von Geschossen peitscht aus dem Lauf der Waffe und jagt auf den Solarii zu. Er kann nicht mehr ausweichen, wird voll getroffen und geht mit einem Schrei zu Boden.

Geschafft!

Nun muss ich die Leichen auf Brauchbares durchstöbern und kann mich dann dem Kletterweg an die Höhlendecke widmen, wo ich eine weitere Reliquie in einem Schrein erhoffe …

 

Rezension:

Tomb Raider heißt das neueste Spiel der Game-Entwickler aus dem Studio Crystal Dynamics. Die Reihe haben sie vor einigen Jahren bereits übernommen und mit Erfolg in die Jetztzeit geführt. Nach dem letzten Titel Tomb Raider: Underworld hat man sich bewusst mehr Zeit gelassen, um das Franchise zu erneuern. Herausgekommen ist dabei »Tomb Raider«, ein Game, das auf einen Untertitel verzichtet, um damit den Relaunch-Charakter zu betonen.

Als Publisher fungiert Square Enix, die bereits mit dem gelungenen Relaunch des Deus-Ex-Franchises in Deus Ex: Human Revolution gezeigt haben, dass sie ein gutes Händchen in der Auswahl und Produktion solcher Games besitzen.

 

Hintergrund:

Lara Croft ist eine Spiel-Ikone. Seit ihrem ersten Auftritt vor mehr als einem Jahrzehnt hat sich der Name und die Figur tief in das kollektive Gedächtnis der Gamer eingebrannt. Kaum eine andere Figur wird intensiver wahrgenommen als Lara Croft. Diesem Charakter einen Relaunch zu bieten, musste daher eine komplette Rundumerneuerung bedeuten. Sowohl das Gameplay, als auch Story und Setting mussten verändert werden, ohne dabei die Fans der ersten Stunde zu vergraulen, um neue Fans hinzuzugewinnen. Auch vor dem Charakter Lara Croft macht der Relaunch nicht Halt. War sie noch in den Vorgängern nahezu unverwundbar und tough, wirkt sie in »Tomb Raider« zu anfangs sehr verletzlich und unsicher. Diese Gratwanderung gelingt den Entwicklern sehr gut und dafür muss man sie ausdrücklich loben.

Die Story setzt an, als Lara Croft noch keine Ikone ist und zwar vor der Story des ersten Teils. Lara ist 19 Jahre alt und auf ihrer ersten Expedition. Sie führt ins Drachendreieck, wo man auf der Suche ist nach den Überresten einer untergegangenen Kultur. Doch dabei geht einiges schief: Das Schiff Endurance gerät in einen Sturm und kentert, wobei die Besatzung an den Strand einer mysteriösen Insel gespült wird. Kurz darauf wird Lara vom Rest der Besatzung getrennt und muss sich zunächst alleine zu den anderen durchschlagen. Dabei merkt sie sehr schnell, dass sie nicht alleine auf der Insel sind …

Die Story von »Tomb Raider« ist faszinierend und trägt sehr viel zum gelungenen Gesamteindruck bei. Die Handlung überzeugt durch Wendungen und Tiefe in der Charakterzeichnung. Als Spieler ist man stets interessiert daran zu erfahren, wie die Story von »Tomb Raider« weitergeht.

 

Gameplay:

Die größten Sorgen hatten die Fans, als sie hörten, dass »Tomb Raider« weg von den alten Spielmechaniken geht. Doch sie dürfen sich entspannt zurücklehnen: völlig verlassen haben die Entwickler die Pfade der Vorgänger-Games nicht.

Noch immer gibt es Höhlengräber, in denen Lara in bewährter Manier herumkraxelt. Dabei sind die Rätsel darauf ausgelegt, den Weg zu finden und nicht Schalter auszuprobieren. Das tut dem Spielfluss gut, ohne dass das Gehirn unterfordert wäre. Die Interaktion mit der Spielwelt wird groß geschrieben, so dass es viele Möglichkeiten für die Entwickler gibt, den Weg durch eine Höhle zu einem großen Puzzle zu machen.

Meistens ist man aber von Areal zu Areal unterwegs. Diese Areale darf man getrost als Mini-Sandbox-Bereiche verstehen, in denen Lara unter freiem Himmel ihren Weg suchen darf. Dabei ist sie relativ frei, einzig durch natürliche Grenzen eingeengt. Die Ziele variieren hierbei. Mal soll man lediglich eine Person aufsuchen, dann wieder ein bestimmtes Tor öffnen oder einen Lagerplatz finden oder ein Funksignal senden. Die Ziele sind der Story untergeordnet und treiben diese voran, die in dramatisch inszenierten Zwischensequenzen weitergesponnen wird.

Einen großen Anteil machen im neuen »Tomb Raider« die Action-Sequenzen aus. Zwar klettert auch in den Arealen Lara wieder weltmeisterlich, doch die Kämpfe mit den Gegnern auf der Insel sind in Richtung Action-Shooter hochgeschraubt. Dabei muss man als Spieler auch schnelle Reflexe haben und seine Waffen hochgerüstet. Die Deckungskämpfe machen dank der großen Vielfalt an Waffen und Interaktionsmöglichkeiten mit der Umwelt großen Spaß und langweilen zu keiner Zeit im Game. Auch sind die Zeitpunkte der Kämpfe in der Story gut verankert.

Ein weiterer Part des Gameplays sind die Sammelobjekte. So darf man seine Waffen (Bogen, Pistole, Gewehr, Schrotflinte, Haken...) upgraden, Geo-Caches und Reliquien sowie Schatzkarten finden. Dem Sammeltrieb wird Vorschub geleistet, so dass man oftmals sogar gezwungen wird in bereits besuchte Gegenden zurückzukehren, weil man dort eine Kiste noch nicht öffnen konnte, man aber nun das passende Equipment besitzt. Wer alle Gegenstände in »Tomb Raider« finden will, muss eine Spielzeit von über 15 Stunden einplanen.

 

Grafik und Sound:

Die grafische Darstellung von »Tomb Raider« sucht momentan im Action-Adventure-Genre ihresgleichen. Crystal Dynamics hat einige Features auf den Weg gebracht, die neuartig sind, wie zum Beispiel die exakte Darstellung von Laras Haaren. Dies frisst aber auf Nvidia-Karten viel Rechenpower und ist daher nur den Besitzern von Radeon-Karten zu empfehlen. Doch anschauen sollte man sich das Feature auf jeden Fall einmal. Jedes einzelne Haar von Lara wird hierbei berechnet, was zu spektakulären Szenen führt.

Auch die restliche Graphik kann sich sehen lassen. Hochaufgelöste Texturen zieren die Figuren und auch die Umgebung. Die Animationen der Spielfiguren müssen besonders gelobt werden. Hier haben sich die Macher selbst übertroffen. Die einzelnen Animationsstufen gehen flüssig ineinander über, so dass es Spaß macht, zuzusehen, wie Lara herumturnt. Dazu kommen Panorama-Augenblicke am laufenden Band, in denen die Lichtspiele der Engine zum Einsatz kommen und der Grafikmotor seine Muskeln spielen lassen kann. Man blickt über Täler und Küstengebiete hinweg in Sonnenuntergänge, so dass es eine wahre Freude ist. Grafisch ist »Tomb Raider« überzeugend!

Auch in Sachen Sounddesign macht den Entwicklern so lange keiner was vor! Die Musik treibt orchestral die Action-Sequenzen voran, nimmt sich bei ruhigen Passagen angenehm zurück und lässt die Umgebungssounds wirken, die überzeugend umgesetzt wurden.

 

Multiplayer:

Auf fünf Karten kann man als Neuerung in der Serie Lara und ihre Pendants im kompetetiven Multiplayer-Bereich in Aktion treten lassen. Die Modi sind dabei überwiegend bekannt, machen dennoch aber eine Menge Spaß durch die vielen Upgrade-Möglichkeiten.

 

Fazit:

»Tomb Raider« ist ein überzeugender Reboot des Franchises. Das Spiel ist düster, ab und an geradezu ungewohnt brutal gegenüber Lara (die Todessequenzen sind nichts für Kinder und schwache Gemüter) und erinnert in seinen besten Szenen an Horror-Filme, die sich mit Höhlen beschäftigen.

Aber die gewohnten Qualitäten von Lara Croft wurden beibehalten: Immer noch schwingt man sich durch Höhlen, überlegt, wie man vorankommt und freut sich über gelungene Animationen und eine Story, die den Spieler von Beginn bis zum Schluss an den Monitor fesselt.

So müssen gelungene Reboots von Spiele-Serien aussehen! Beide Daumen hoch!

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Game:

Tomb Raider

Crystal Dynamics / Square Enix, März 2013

Plattform: Windows 7 / Vista / XP

USK: 18

 

ASIN B0054IBHJG

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 03.05.2013, zuletzt aktualisiert: 14.04.2024 08:35, 13035