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Totenbraut von Nina Blazon

Rezension von Christel Scheja

 

Durch die „Bis(s)“-Romane von Stephenie Meyer sind in den letzten Jahren Geschichten mit düsterromantischen Themen auch im Jugendbuch beliebter denn je. Oft genug bevölkern Vampire und Werwölfe oder andere Wesen der Nacht die Romane und schlagen junge hübsche Frauen in ihren Bann.

Nina Blazon gehört zu den jungen deutschen Autorinnen, die jedoch nicht nach dem üblichen eingefahrenen Schema verfahren und die Liebenden nach einigen Schwierigkeiten zusammen führen. Sie bettet ihre Erzählungen oft genug in einen archaischen Kontext ein, der bisher nur selten benutzt wurde. Dabei benutzt sie viel von dem Wissen, das sie sich in ihrem Studium der Slawistik angeeignet hat.

 

Zusammen mit ihrem Vater und den überlebenden Schwestern führt Jasna ein ärmliches Leben im Serbien des 18. Jahrhunderts. Die Grenze ist zwar weit, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Chance immer wieder besteht, dass die Osmanen wieder in das Grenzland zum Habsburgerreich einfallen. Und so lebt man von einem Tag zum anderen und von der Hand in den Mund. Für Glaube und Aberglaube bleibt da nur wenig Zeit.

Kurzentschlossen verkauft der Vater die Vierzehnjährige eines Tages an den reisenden Pferdezüchter Jovan Vucovic, weil er es leid ist, dass Jasna immer wieder offen sagt was sie denkt, weil sie einfach zu selbstbewusst für eine Frau ist.

Wie sie schon bald erfährt sucht Jovan eine Braut für seinen Sohn Danilo, damit der ihm einen Erben für das Gut, das nahe der Grenze zum Reich der Osmanen liegt, schenken kann. Doch bereits kurz nach der überhasteten Hochzeit stellt das Mädchen fest, dass die Familie Geheimnisse vor ihr hat. Ihr angetrauter Ehemann vollzieht zwar die Ehe, geht aber später wieder zu einer Geliebten und meidet weiteren Kontakt zu ihr. Der Gutsherr und seine Vertrauten verschwinden immer wieder in einem Turm, zu dem sie keinen Zugang hat.

Im Dorf muss sie erfahren, dass die Familie dort nicht gerne gesehen ist und sie der Priester des Ortes sogar von der Messe ausgeschlossen hat. Jasna spürt, dass die Einheimischen sie bewusst schneiden und hinter vorgehaltener Hand über sie tuscheln.

Nur wenige wie der ebenfalls abseits lebende Holzfäller und Hirte Duschan vertrauen ihr an, dass die Familie Vucovic als verflucht gilt, da Danilos Mutter angeblich als Vampir dem Grab entstiegen sei und mehreren Einheimischen den Tod gebracht habe.

Auch jetzt soll wieder ein Vampir umgehen, da mehrfach Schafe auf brutale Art und Weise gerissen wurden, man seltsame Bissspuren an den Pferdehälsen entdeckt und nicht zuletzt Menschen an einem auszehrenden Fieber zu erkranken scheinen, das sie langsam aber sicher umbringt.

Doch der heftig aufflammende Aberglaube im Dorf macht Jasna keine Angst sondern bestärkt sie nur in dem Verlangen, endlich heraus zu finden, was hinter all dem steckt. Selbstbewusst stellt sie einige Personen zur Rede und erlebt eine Überraschung.

 

Zwar gibt es auch in „Totenbraut“ eine Liebesgeschichte, aber die wird eher unterschwellig behandelt und wirkt genau so derb und lebensnah wie die anderen Geschehnisse im Buch. Wie keiner anderen gelingt es Nina Blazon den Geschehnissen im Balkan eine eigene Atmosphäre zu geben und geschichtliche Realität mit Mythen und Gebräuchen der Region zu vermischen. Auch wenn Jasna sehr selbstbewusst und forsch ist, so fällt sie doch nicht aus der Rolle einer Frau des späten 18. Jahrhunderts. Wie die anderen Figuren wirkt sie überzeugend und lebensnah.

Nach und nach entfaltet sich eine Tragödie, die in der Generation davor ihren blutigen Anfang nahm und endet in einem stimmigen Showdown. Dabei weiß man bis zum Schluss nicht, ob der Aberglaube einen wahren Kern hat oder nicht. Dafür wird die Paranoia der Dorfbewohner sehr intensiv und lebendig in Szene gesetzt, gerade was die Gerüchte angeht, die zwischen den Menschen kursieren und sich nach und nach immer weiter hoch schaukeln, wie auch die Rituale zur Bannung und Vernichtung der lebenden Toten.

Heraus kommt ein Buch, das weit von einer kitschigen Liebesgeschichte entfernt ist und statt dessen ein spannendes Mystery-Abenteuer vor einer atmosphärisch geschilderten historischen Kulisse bietet, das bis zum Ende immer wieder für eine Überraschung gut ist.

 

Auch Genre-Fans können durchaus einen Blick in „Totenbraut“ werfen, da die Autorin gekonnt und sehr stimmungsvoll mit dem Vampirmythen Osteuropas spielt und sie mit neuen Facetten bereichert, die andere Autoren gerne übersehen. Das macht das Buch zu einem der besten Jugendromane zu diesem Thema.

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Totenbraut

Autorin: Nina Blazon

gebunden, 430 Seiten

Ravensburger, erschienen September 2009

Titelbildgestaltung von Eva Bender

ISBN-10: 3473353043

ISBN-13: 978-3473353040

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 23.11.2009, zuletzt aktualisiert: 22.06.2019 15:54