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Tristan und Elenor

Autorin: Mara Lucic

 

dieses kleine Märchen ist gewidmet meinem geliebten dunklen Engel

 

Es war einmal, in einer längst vergangenen Zeit, als die Menschen noch an Magie und Wunder glaubten, und es noch Drachen, Feen, Zwerge, Kobolde und Elfen gab, da herrschte im Lande Morgan König Hektor. An seiner Seite lebte Königin Aurora. Die beiden waren ein gutes Herrscherpaar und wurden von ihrem Volk verehrt. Unter ihrer weisen Führung brachte es das Land Morgan zu Ruhm und Wohlstand. Sie hatten alles was man sich nur wünschen konnte, doch ihr sehnlichster Wunsch blieb ihnen verwehrt: Das Herrscherpaar blieb kinderlos.

Eines Morgens, als Königin Aurora schon beinahe die Hoffnung aufgegeben hatte, jemals den süßen Klang von Kindergeschrei im Schloss zu hören, wurde sie von eben diesem Geräusch geweckt. Neugierig, woher dieser ungewohnte Lärm wohl kommen könne, schlich sie aus ihrem Schlafgemach. Am Palasteingang schließlich entdeckte sie einen aus Efeuzweigen geflochtenen Korb, und darin, in Leinen gehüllt, ein Neugeborenes. Beim Anblick des schreienden Kindes, schmerzte Aurora das Herz und sie bekam Mitleid. Vorsichtig nahm sie das Neugeborene in den Arm und das Kind hörte sofort auf zu weinen. In diesem Augenblick erschien Aurora die Feenkönigin Harun. Respektvoll grüsste sie die morganische Königin und erklärte ihr, dass sie den Jungen am nahegelegenen Waldrand gefunden hatte. Niemand konnte sagen, woher das Neugeborene gekommen war. Da Harun Gerüchte zu Ohren gekommen waren, wie sehr sich das Herrscherpaar ein Kind wünschte, war sie nun hergekommen, um die Königin darum zu bitten, sich des Jungen anzunehmen. Freudig und dankbar willigte Aurora ein. Zum Dank schenkte sie Harun und ihrem gesamten Elfenvolk den Wald, an dessen Rand das Kind gefunden worden war. Kein Mensch würde diesen mehr ohne die Zustimmung der Elfenkönigin betreten dürfen. Außerdem versprach Königin Aurora der Elfe, ihr immer zu Hilfe zu eilen, wenn nötig, wenn es sein musste sogar mit dem gesamten morganischen Heer. Daraufhin verschwand die Elfenkönigin so ungesehen und leise, wie sie gekommen war.

Aurora und Hektor aber nahmen sich des kleinen Jungen an, tauften ihn auf den Namen Philipp und ließen im gesamten Land verkünden, dass der Wald von nun an in Elfenbesitz war, und ihn niemand ohne ausdrückliche Erlaubnis der Elfenkönigin Harun betreten durfte. Bald hatte die freudige Nachricht, dass König Hektor nun einen Nachfolger besaß, auch die benachbarten Länder erreicht. Im Lande Morgan aber war schon bald alles beim alten und das Volk lebte in Frieden. Nur selten geschah es, das ein Bürger Morgans bei der Elfenkönigin um Erlaubnis bat, den Wald betreten zu dürfen, und noch seltener wurden Elfen gesehen, die von Zeit zu Zeit der Königsfamilie einen Besuch abstatteten, um sich nach dem jungen Prinzen zu erkundigen.

Prinz Philipp aber war schon von klein auf ein besonderer Jüngling. Sein blondes Haar strahlte im Sonnenschein wie pures Gold, und wenn nachts der blasse Mondschein drauf fiel, so spiegelte es sein silbriges Licht wieder. Seine Augen waren so blau und tief wie zwei Ozeane in einer sternklaren Nacht. Schon früh zeigte sich, dass er zudem nicht nur ein schönes, sondern auch ein ruhiges und zuvorkommendes Kind war. Doch in seinem Innern loderte ein unbändiger Tatendrang und Mut, der seinesgleichen suchte. Kaum hatte er das Laufen erlernt, schon machte er sich auf, das Schloss und seine Umgebung zu erkunden. König Hektor war stolz auf seinen Jungen, und führte ihn schon bald in die Künste des Reitens, Jagens, Fechtens und Kämpfens ein. Aurora aber lehrte ihren Sohn das Lesen und Schreiben. Sie erzählte ihm die alten Geschichten und sang ihm Lieder, die sie selbst in ihrer Kindheit gehört hatte. Und als der Prinz des Lesens mächtig war, geschah es nicht selten, das er so lange in der großen Palastbibliothek saß und in alten Büchern schmökerte, bis er spät Nachts erschöpft einschlief und ihn seine Eltern ins Bett tragen mussten. Prinz Philipp begleitete seinen Vater zu allen Reisen, Jagden und Turnieren, die der König besuchte. Und noch mehr als das Volk jemals König Hektor und Königin Aurora verehrt und geliebt hatte, liebte es den mutigen, klugen, jungen Prinzen.

Ungefähr zur selben Zeit wurde in Morgan ein kleines Mädchen mit dem Namen Abigail geboren. Sie hatte rote Locken und Augen, grüner als Smaragde und so tief und geheimnisvoll wie der Elfenwald, den die Bewohner Morgans nur noch so selten betraten. Abigails Vater hatte ihre Mutter verlassen und ihre Mutter starb bei Abigails Geburt. Eine Hexe mit Namen Wanda, die als einziger Mensch gemeinsam mit den Elfen im Wald lebte, entdeckte das kleine Mädchen, und nahm sich ihrer an. Sie lehrte Abigail die verschiedenen Pflanzen, Bäume und Steine zu unterscheiden, brachte ihr bei, welche Kräfte in ihnen ruhten und wie man Öle, Kerzen und Salben aus ihnen herstellen konnte. Abigail war eine gelehrige Schülerin, und schon früh erkannte die Hexe, dass ein ganz besonderes Schicksal auf das junge Mädchen wartete. Die Elfen und Tiere des Waldes liebten das lebensfrohe, kleine Mädchen, und Abigail fühlte sich wohl im schönen Elfenwald.

Eines Tages, als sie wieder einmal im Wald für ihre Ziehmutter Kräuter sammelte, wurde Abigail plötzlich von einem Rudel wilder Wölfe angegriffen. Ängstlich schrie das kleine Mädchen um Hilfe. Ihre Rufe hallten durch den Wald, und erreichten den jungen Prinzen Philipp, der auf einer seiner vielen Entdeckungsreisen zufällig am Waldrand vorbeigekommen war. Mutig folgte der Prinz den Hilfeschreien und stellte sich vor Abigail. Schnell hatte der tapfere Prinz die Wölfe in die Flucht geschlagen und half vorsichtig dem am Boden liegenden Mädchen auf. Dankbar versprach Abigail dem Prinzen, sich für seine Hilfe erkenntlich zu zeigen. So kam es, das Abigail Prinz Philipp zurück zum Palast begleitete.

Als die Kinder dem Herrscherpaar erzählten, was geschehen war, waren diese gerne bereit, das kleine Mädchen bei sich aufzunehmen. So kam es, dass Abigail den Wald verließ. Prinz Philipp und Abigail wurden gute Freunde. Abigail erledigte fortan alle kleineren Arbeiten, die im Palast anfielen, und war immer hilfreich an Prinz Philipps Seite. Fast täglich besuchten die beiden außerdem heimlich Abigails Ziehmutter Wanda im Wald. Abigail zeigte Prinz Philipp dort jeden noch so verborgenen Winkel und seine Geheimnisse. So kam es, dass sich auch der Prinz bald im Wald so gut auskannte, als ob er dort zu Hause wäre. Oft nahmen sie auch Bücher aus der Palastbibliothek mit und setzten sich an eine Waldlichtung, oder an einen Fluss am Waldrand. Dann las Prinz Philipp seiner kleinen Freundin die alten Geschichten vor, und brachte ihr nach einiger Zeit sogar selber das Lesen und Schreiben bei. Die beiden waren unzertrennlich. Abigail nannte den Prinzen nur ihren barmherzigen Engel, da er ihr das Leben gerettet hatte und sie somit, wie sie selber sagte, für ewig in seiner Schuld stehen würde.

Besorgt beobachtete Abigails Ziehmutter, die Hexe Wanda, die Freundschaft der beiden Kinder, denn sie bemerkte, wie sehr der junge Prinz ihrer Ziehtochter ans Herz gewachsen war. Sie klagte diese Bedenken ihrer Freundin, der Elfenkönigin Harun. Der selben Elfe, die damals Prinz Philipp am Waldrand gefunden hatte. Auch Harun war es nicht entgangen, dass die kleine Abigail nicht mehr so häufig im Wald zu sehen war, und wenn, dann nur in Begleitung des Prinzen. Schließlich war sie es gewesen, die den Elfen verboten hatte, die Kinder zu belästigen. Prinz Philipp und Abigail, so hatte sie erklärt, standen unter ihrem persönlichen Schutz. Doch sie beruhigte die Hexe Wanda: Das Schicksal hatte Abigail und den jungen Prinzen zusammengeführt, und das Schicksal allein wusste, was es für die beiden bereithielt. Denn, davon war die Elfe überzeugt, alles geschah aus einem bestimmten Grund. Und selbst wenn etwas auf den ersten Blick keinen angenehmen Eindruck machte, so konnte doch niemand sagen, wofür es letztendlich gut sein würde. Dennoch stattete die Elfenkönigin in der darauffolgenden Nacht Aurora einen Besuch ab und fragte sie nach dem kleinen Mädchen. Sie erklärte, dass Abigail die ersten Jahre ihres Lebens im Elfenwald gelebt hatte und ihr somit sehr ans Herz gewachsen war. Königin Aurora versprach, dass sie nicht zulassen würde, dass dem lebensfrohen, rotgelockten Mädchen mit den tiefgrünen Augen ein Leid geschah. Und selbst wenn sie wusste das Abigail nicht ihre Tochter war, und sie sie auch nicht wie diese aufziehen konnte, so liebte sie sie dennoch deshalb nicht minder. Beruhigt durch diese Worte, verließ Harun den Palast.

Die Zeit verging, und Prinz Philipp und Abigail wuchsen heran und ihre Freundschaft wurde von Tag zu Tag stärker. Doch als Prinz Philipp sechzehn Jahre alt war, wurde das Elfenvolk der Königin Harun von bösartigen Nachbarländern angegriffen. Die Elfenkönigin war verzweifelt, und so bat sie Königin Aurora, ihr Versprechen einzuhalten, und ihr das morganische Heer zur Hilfe zu schicken. Aurora erzählte ihrem Mann, König Hektor, der zugleich auch der Anführer des morganischen Heers war, von dieser Bitte. Dieser erklärte sich ohne Zögern bereit, der Elfenkönigin Harun zu helfen. Als Prinz Philipp von diesem Vorhaben erfuhr, bat er seinen Vater, an dessen Stelle, in die Schlacht ziehen zu dürfen. „Vater“, sprach er. „Du bist schon zu alt für die Strapazen des Krieges. Du hast mir alles beigebracht, was ein Heerführer wissen muss, so lass mich an deiner Stelle den Elfen zur Hilfe eilen.“ König Hektor dachte lange über diesen Vorschlag nach. Er wusste, dass seine Frau Aurora, Philipp nur schweren Herzens in den Krieg ziehen lassen würde, doch der König wusste auch, dass er selber nicht mehr der jüngste war. Er war überzeugt davon, dass er seinen Sohn zu einem tapferen Krieger erzogen hatte, und er ahnte, dass Philipp das morganische Heer weitaus besser führen würde, als er selbst. Da meldete sich Richard, der König des Nachbarlandes und Bruder von König Hektor, zu Wort. „Bruder, ich weiß, dass du diesen Jungen liebst, wie deinen eigenen Sohn“, sprach er. „Doch er ist noch jung und unerfahren, und kein königliches Blut fließt in seinen Adern. Sieh es ein: Er wird weder das morganische Heer führen können, noch wird er jemals würdig sein, deine Nachfolge anzutreten und deinen Thron zu erben. Vielmehr wird er das gesamte Heer ins Verderben stürzen, solltest du ihn dennoch deinen Platz einnehmen lassen!“ Da wurde Prinz Philipp wütend, denn er fühlte sich in seinem Stolz verletzt. „König Richard“, sprach er. „Ich mag jung sein und auch unerfahren, doch ich bin nicht weniger von königlichem Blut als ihr. So stellt mich denn auf die Probe, und ich will euch beweisen, dass ich meines Vater Thrones würdig bin.“ Als Richard den stolzen Glanz in Prinz Philipps Augen sah, beschloss er, diesem eine Gelegenheit zu geben und ihn einer Prüfung zu unterziehen. „Also gut, junger Prinz!“, erklärte er. „So bringt mir denn drei magische Schätze: den Splitter des Horns eines Einhorns aus dem Elfenwald, das Flammenherz aus der Höhle des Drachen Talamour im Nebelgebirge und den grünen Smaragd der gefürchteten Räuberbande meines Landes! Sollte euch das gelingen, so bin ich gerne bereit einzugestehen, dass ihr wahrhaft ein würdiger Nachfolger eures Vaters seid. Solltet ihr jedoch versagen, so soll mein Sohn einst euren Platz einnehmen und König Hektors Thron erben.“ Wohl wissend wie schwer, ja fast unlösbar, die von König Richard gestellten Forderungen waren, willigte der Prinz ein...

Schweren Herzens hatte Abigail gehört, dass ihr barmherziger Engel für König Hektor in den Krieg ziehen wollte. Doch sie respektierte seinen Wunsch und beschloss, ihm bei der ihm von König Richard auferlegten Prüfung hilfreich zur Seite zu stehen und ihn zu begleiten. So brachen sie denn im Morgengrauen auf und verabschiedeten sich noch von dem Herrscherpaar, König Richard und Abigails Ziehmutter, der Hexe Wanda. Diese aber gab ihrer Ziehtochter zum Abschied ein kleines Fläschchen mit. „Hierin ist ein magisches Pulver“, erklärte sie. „Es ist geschmack- und geruchlos, doch nur eine Prise davon aufgelöst in Flüssigkeit, und man fällt in tiefen Schlaf. Nimm es mit dir, auf dass es euch hilfreich sein möge!“ Und so machten sich Abigail und Prinz Philipp auf die Suche nach den drei magischen Schätzen. Lange ritten sie durch den Elfenwald, doch das Einhorn, nach dem sie suchten, erschien ihnen nicht.

Als es dunkel wurde, band Prinz Philipp sein Pferd an einen Baum und machte ein Lagerfeuer, an dem sie sich zur Nachtruhe betteten. Schon bald war der Prinz eingeschlafen, Abigail aber war wach und beobachtete ihn. Sie sah hoch über den Bäumen den Glanz der Sterne, und erkannte darin den Glanz seiner Augen wieder; sie schaute in das Feuer und spürte die Wärme, die es ausstrahlte, doch eine viel größere Hitze war in ihrem Herzen, wenn sie ihren barmherzigen Engel so da liegen sah. Sie bemerkte, dass sie unbewusst angefangen hatte, mit ihren Fingern durch sein weiches Haar zu streichen. Und zum ersten Mal wurde Abigail bewusst, wie sehr sie den Prinzen liebte, und dass sie ihn um nichts in der Welt verlieren wollte. Sie wollte dass er glücklich war, koste es was es wolle! Plötzlich wurde sie von einem Rascheln aus ihren Gedanken gerissen. Als sie aufsah, trat aus dem Gebüsch ein Einhorn. Es war so weiß und rein, dass es beinahe schien, als würde ein magischer Glanz von ihm ausgehen. Mit glasklaren goldenen Augen sah es Abigail an. „Ich habe dein Flehen gehört“, sprach es. „Du hast mich gerufen?“ Abigail fiel vor so viel Schönheit und Glück auf die Knie. „Oh Bitte!“, erklärte sie „Wir haben dich gesucht. Wir brauchen deine Hilfe, denn nur so kann der Prinz König Hektors Nachfolge antreten, und den Thron erben, der ihm zusteht.“ „Und warum sollte ich euch helfen?“, fragte das Einhorn. „Nur Wünsche, die vollkommen bedingungsloser Liebe und reinen Herzen entspringen, kann ich erfüllen.“ „Kein Herz könnte jemals reiner und edler sein, als das des Prinzen!“, antwortete Abigail. „Er hat einst mein Leben gerettet und ich schulde ihm viel. Und nun will er an Stelle seines alten Vaters in den Krieg ziehen.“ „Du liebst ihn!“, entgegnete das Einhorn. Abigail nickte stumm. „Mein barmherziger Engel war mir immer ein treuer Freund und hat mich nie enttäuscht.“ „Und wenn ich dir sage, dass er dir dein Herz brechen wird?“, wollte das Einhorn wissen. „Er mag dein barmherziger Engel gewesen sein, doch eine andere Frau wird schon bald seine Braut sein. Du wirst ihn hassen, und aus dem barmherzigen Engel wird ein dunkler Engel werden.“ „Ob barmherzig oder dunkel“, entgegnete sie unter Tränen. „Niemals könnte ich meinen Engel hassen! Oh bitte, erfüll mir diesen einen Wunsch: Nur ein Splitter deines Horns für den Prinzen, mehr verlange ich nicht!“ „Ich sehe, du liebst ihn bedingungslos“, nickte das Einhorn. „Dein Wunsch sei dir gewährt. Doch denke an meine Worte!“ Und schon im nächsten Moment hielt Abigail einen leuchtend weißen Splitter des Horns in der Hand. Das Einhorn aber war verschwunden. Lange dachte sie über dessen Worte nach: Eine andere Frau würde Prinz Philipps Braut werden, und das würde ihr das Herz brechen. Doch, davon war Abigail überzeugt, für immer würden Prinz Philipp und sie Freunde bleiben. Als Prinz Philipp erwachte, erzählte ihm Abigail was geschehen war, die Worte des Einhorns aber behielt sie für sich. Glücklich und dankbar nahm sie der Prinz in den Arm.

So machte sie sich bei Morgengrauen auf den Weg zu der Drachenhöhle am Fuße des sagenumwobenen Nebelgebirges. Sie ritten zwei Tage bevor sie die Höhle des Drachen Talamour, der das rote Flammenherz beschützte, gefunden hatten. Prinz Philipp reichte Abigail die Zügel seines Pferdes und bat sie, vor der Höhle auf ihn zu warten. Doch als er ihren besorgten Blick sah, strich er durch ihr rotes Haar. „Keine Angst!“, beruhigte er sie. „Wünsch mir Glück, auf das mich dein Segen beschütze!“ Und während Abigail niederkniete und betete, betrat Prinz Philipp Talamours Höhle. Mutig zog er sein Schwert und stand Auge in Auge dem furchterregenden Drachen gegenüber. „Talamour“, sprach er. „Ich bin gekommen, im Auftrag meines Onkels, König Richard, um das rote Flammenherz zu holen.“ Der Drache sah den jungen Prinzen an. „Meine Aufgabe ist es, das rote Flammenherz mit meinem Leben zu beschützen“, entgegnete er. „Nur derjenige, der es schafft, mich zu besiegen, wird es jemals besitzen. Also stellt auch dem Kampf, oder geht!“ Und Prinz Philipp und der Drache kämpften bis tief in die Nacht. Letztendlich aber schaffte es Prinz Philipp den Drachen zu besiegen. Doch als er mit seinem Schwert zum letzten tödlichen Stoss gegen Talamour ausholte, flehte der Drache um Gnade. „Du hast mich besiegt!“, sprach er. „Und dich somit des roten Flammenherzes als würdig erwiesen. Ich sehe, ich habe meinen Meister gefunden, und lege mein Schicksal in eure Hände.“ Prinz Philipp aber hatte Mitleid mit dem Drachen, und verschonte sein Leben. Da sprach der Drache Talamour zu ihm: „Edler Prinz, ihr seid nicht nur ein mutiger Krieger, sondern auch noch ein barmherziger Mensch. So wisset, wann immer ihr meine Hilfe braucht, so ruft nur meinen Namen, und ich werde euch beistehen. Dies ist meine Art euch meine Dankbarkeit zu zeigen.“ Der Prinz bedankte sich bei dem Drachen, und trat, mit dem roten Flammenherz in der Hand, aus der Höhle ins Freie, wo ihn Abigail überglücklich in ihre Arme schloss. Frohen Mutes machten sich die beiden auf, auch die letzte Aufgabe zu bestehen.

Kaum hatten sie in der Dunkelheit der Nacht das Land von König Richard betreten, wurden sie auch schon von der berüchtigten Räuberbande überrascht. „Gebt uns all euer Geld, so wird euch nichts geschehen!“, rief der Räuberhauptmann. „Wir haben weder Geld, noch andere Kostbarkeiten!“, antwortete Prinz Philipp. „Wir sind nur arme Wagabunden aus dem Lande Morgan. Vogelfrei und auf der Flucht, so wie ihr!“ Der Räuberhauptmann war erfreut diese Worte zu hören. Angetrunken und müde fielen er und seine Räuberbande auf Prinz Philipps List herein. „So legt den eure Waffen nieder und leistet uns heute Nacht an unserem Lagerfeuer Gesellschaft!“, rief er. Und Abigail und Prinz Philipp taten wie ihnen geheißen. Als sie aber am Lagerfeuer saßen und der Hauptmann seinen Mantel ablegte, erkannten sie an einer Kette um seinen Hals den grünen Smaragden, den sie suchten. „Nimm die Flöte des Räuberhauptmannes, spiele auf zum Tanz und überlasse mir den Rest!“, flüsterte Abigail Prinz Philipp zu. „Was willst du tun?“, fragte er. „Vertrau mir!“, lächelte sie. Und der Prinz tat worum sie ihn gebeten hatte. Die Räuber waren erfreut von Prinz Philipps Spiel. Abigail aber stand auf und tanzte zu den Takten der Musik so leichtfüßig und schön, dass die Männer glaubten, eine Fee stünde vor ihnen. Sie lächelte ihr verführerisches Lächeln und spielte mit ihrem Schleier. In diesem Moment sah Prinz Philipp zum ersten Mal, wie wunderschön Abigail war. Ihr rotes Haar wallte sanft zu ihren geschmeidigen Bewegungen, und ihre grünen Augen leuchteten im Schein des Lagerfeuers. Es kam ihm vor, als würde er sie plötzlich mit vollkommen neuen Augen sehen: So als sähe er sie heute zum allerersten Mal. Verwirrt starrte er sie an. Und während die Männer, berauscht vom Wein und Abigails Tanz, klatschten und grölten, mischte sie ihnen heimlich das Schlafpulver, das ihr ihre Ziehmutter mitgegeben hatte, in ihre Gläser. Als das Pulver zu wirken begonnen hatte und die Männer eingeschlafen waren, nahm Prinz Philipp den grünen Smaragden an sich, und sie machten sich auf dem schnellsten Weg auf, zurück zum Palast.

Dort angekommen, empfing sie schon die gespannte Menge, die angereist war, um den Ausgang der Prinz Philipp auferlegten Prüfung mitzuerleben. Prinz Philipp fiel vor seinem Vater, König Hektor, auf die Knie und präsentierte ihm nacheinander die drei magischen Schätze. Da erkannte König Richard was für einen mutigen und tapferen Mann er vor sich hatte. „Nur ein wahrer Held konnte es schaffen, diese Prüfung zu bestehen. Nur ein wahrhaft edles Herz ist fähig einem Einhorn einen Splitter seines Horns abzuringen, nur ein mutiger Krieger konnte den Drachen Talamour bezwingen, und nur durch kluge List war es möglich den grünen Smaragden zu erlangen“, erklärte Richard. „Ich gestehe, ich habe mich in euch getäuscht Prinz Philipp: Ihr seid mehr als würdig, den Thron eures Vaters zu erben und an seiner Stelle das morganische Heer zu führen. Und als Eingeständnis meiner Niederlage, gebe ich euch meine Tochter Prinzessin Rhonda zur Frau!“ Bei diesen Worten blieb Abigail für einen Augenblick das Herz stehen. Sie sah, wie König Richard dem Prinzen seine Tochter präsentierte. Die Worte des Einhorns hatten sich also bewahrheitet: Aus ihrem barmherzigen Engel war nun ihr dunkler Engel geworden, der ihr das Herz brechen würde. Die Menge aber bejubelte den jungen Prinzen und es wurde ein Fest gefeiert ihm zu Ehren, sieben Tage und sieben Nächte lang. „Ich danke euch König Richard, für diese schmeichelhaften Worte“, sprach Philipp. „Doch nicht mir allein gebührt diese Ehre, sondern auch der holden Lady Abigail, die mir treu und hilfreich zur Seite stand. Ohne sie hätte ich eure Prüfung wohl niemals bewältigt.“ Überrascht sah ihn König Richard an. „Abigail?“ fragte er „Etwa eure Magd?“ „Nein!“, erwiderte der Prinz. „Nicht meine Magd! Abigail, die mit mir zusammen aufwuchs, wie eine Schwester, und die mir zur Seite stand, wie ein treuer Freund. Nur sie allein ist es würdig, diese Kostbarkeiten ihr Eigen zu nennen!“ Und während die Menge feierte, trat der Prinz zu Abigail und überreichte ihr die drei magischen Steine mit den Worten: „Der Splitter des Einhorns, so weiß wie deine weiche Haut! Das Flammenherz, so rot wie dein wallendes Haar! Und der Smaragd, so grün wie deine leuchtenden Augen! Trage sie, als Dank für deine Hilfe und damit du mich nicht vergisst, während ich auf dem Schlachtfeld kämpfe!“ „Ich danke euch, mein dunkler Engel!“, antwortete Abigail. „Doch weder euren Dank noch diese Schätze will ich von euch, sondern euer Wort, dass ihr zurückkommen werdet! Denn seid gewiss: Auch wenn Prinzessin Rhonda eure Frau wird und ihr in den Krieg ziehen müsst, so werde ich euch doch niemals vergessen können.“ Und der Prinz küsste Abigail, und sie verbrachten die letzten Tage und Nächte und Stunden, bevor er in den Krieg zog, gemeinsam. Dann ließen Königin Aurora und König Hektor ihren Sohn schweren Herzens an der Spitze des morganischen Heers, den Elfen zur Hilfe eilen.

Und während Prinzessin Rhonda in den Palast einzog und sich alle auf ihre baldige Hochzeit mit Prinz Philipp freuten, die gleich nach seiner Rückkehr stattfinden sollte, schloss Abigail sich in ihr Zimmer ein und weinte. Zwölf Tage und zwölf Nächte lang. Dann, am dreizehnten Tag, betrat Königin Aurora besorgt ihr Gemach. „Mein Kind“, sprach die Königin. „Wie kann ich dir helfen? Seit Tagen hast du dich in tiefer Trauer in dein Zimmer eingeschlossen und rührst weder Speis noch Trank an, so nenn mir doch wenigstens den Grund!“ „Meine Königin, ich trauere, weil mein Prinz mich verlassen hat, mein barmherziger Engel, mein dunkler Engel, mein Bruder, mein Freund und der einzige Mann den ich je liebte und lieben werde. Und auch wenn ich weiß, dass Prinzessin Rhonda seine Frau werden wird, so ist doch jeder Augenblick, den ich von ihm getrennt bin, eine Qual!“ Zärtlich trocknete die Königin Abigails Tränen. „Ich weiß, dass dein Schmerz groß ist“, erklärte sie. „Doch vielleicht tröstet es dich, wenn ich dir versichere, dass immer ein Platz für dich in unserem Palast sein wird. Du bist mir lieb wie eine Tochter, und ich bin mir sicher das dir auch Prinzessin Rhonda eine gute Freundin werden wird, wenn du sie lässt! Dein geliebter Prinz Philipp würde gewiss nicht wollen, dass du dich so quälst.“

Abigail nahm sich die Worte der Königin zu Herzen. Und tatsächlich wurde ihr auch Prinzessin Rhonda bald eine liebe Freundin. In diesen Tagen aber stellte Abigail fest, dass sie ein Kind von Prinz Philipp erwartete. Lange überlegte sie, was sie tun sollte. Um König Hektor, Königin Aurora und Prinzessin Rhonda nicht zu enttäuschen und verletzten, beschloss sie, das es das Beste für alle wäre, wenn sie zurück zu ihrer Ziehmutter Wanda in den Wald zog. Sie erzählte der Elfenkönigin Harun von ihrem Vorhaben, und diese war gerne bereit, Abigail erneut in ihrem Wald willkommen zu heißen. Die drei magischen Steine aber, die der Prinz ihr geschenkt hatte, trug Abigail immer bei sich.

Und Abigail gebar Zwillinge. Ein Mädchen und einen Jungen. Den Jungen taufte sie auf den Namen Tristan und das Mädchen auf den Namen Elenor. Tristan hatte blonde Haare und blaue Augen und war so mutig und tapfer, wie sein Vater. Elenor aber hatte rote Locken und grüne Augen, so hübsch wie ihre Mutter. Regelmäßig besuchte Abigail die Königin und Prinzessin Rhonda im Palast. Doch von den Kindern des Prinzen erzählte sie ihnen nichts. Die Zeit verging.

Sieben lange Jahre zogen in das Land. Doch Abigail blieb im Wald. Auch nachdem die Hexe Wanda eines langen kalten Winters starb. Oft besuchte sie die Elfenkönigin und fragte nach Neuigkeiten vom Schlachtfeld und nach Prinz Philipps Wohlergehen. Und während alle anderen schon langsam die Hoffnung aufgaben, den Prinzen je lebend wiederzusehen, verlor Abigail nie den Glauben daran, dass ihr dunkler Engel sein Versprechen halten und zurückkommen würde. Elenor und Tristan aber wuchsen langsam heran. Und oft kam es den Elfen, wenn sie sie beim Spiel im Wald beobachteten, so vor, als sähen sie Abigail und den Prinzen vor sich.

Eines Tages dann endlich, kam von Elfenkönigin Harun die Nachricht, dass das Elfenvolk mit Hilfe des morganischen Heeres, den Krieg gewonnen hatte. Sehnlichst wurde, nun da der Krieg vorbei war, im ganzen Land die Rückkehr von Prinz Philipp erwartet.

Als Abigail mal wieder im Wald Kräuter sammelte, und Elenor und Tristan, wie immer, im Wald spielten, entfernten sich die beiden Kinder weiter als gewöhnlich von ihrer Mutter. Unachtsam tollten die beiden herum, als sie plötzlich, wie vor vielen Jahren ihre Mutter Abigail, von einem Rudel wilder Wölfe angegriffen wurden. Ängstlich schrie Elenor um Hilfe, während Tristan sein bestes versuchte, die Wölfe mit einem Stock von sich und seiner Schwester fernzuhalten. Doch ohne Erfolg. Elenors Hilfeschreie aber hallten durch den Wald und erreichten einen Mann, der einsam durch den Wald ritt. Es war Prinz Philipp, der sich von seinem Heer entfernt hatte, um eine Abkürzung durch den Wald zu reiten. Als er die beiden Kinder in Mitten des Wolfrudels sah, zog er sein Schwert. Die Wölfe aber waren ausgehungert. Wütend trotzten sie Prinz Philipp, der standhaft versuchte, die Kinder zu schützen. Da erinnerte sich der Prinz an das Versprechen des Drachen Talamour, ihm in beizustehen, wenn es nötig war. Mit letzter Kraft gelang es ihm nach dem Drachen zu rufen. Und Talamour, der die Stimme des mutigen Prinzen erkannte, der ihm einst das Leben verschont hatte, kam zu Hilfe. Er erkannte sofort die Gefahr, und vertrieb die wilden Tiere. Doch die Wunden, die sie dem Prinzen zugefügt hatten, waren zu schwer: Erschöpft fiel er zu Boden. Tristan und Elenor aber, rannten ängstlich zu ihrer Mutter, um Hilfe zu holen, für den Mann, der ihnen so mutig das Leben gerettet hatte. Aufgebracht berichteten sie Abigail was passiert war und führten sie zum verwundeten Krieger. Der Drache aber war verschwunden. Als Abigail ihren geliebten Prinzen am Boden liegen sah, blieb ihr Herz für einen Augenblick stehen. Tränen der Angst und des Glücks flossen über ihre blassen Wangen. Tränen des Glücks, ihren dunklen Engel nach so langer Zeit wiederzusehen, und Tränen der Angst, ihn erneut zu verlieren. Mit Hilfe der Elfenkönigin Harun brachte sie den bewusstlosen Prinzen in ihre Hütte und behandelte seine Wunden mit Kräutern und Salben, so wie sie es ihre Ziehmutter Wanda einst gelehrt hatte. Keinen Augenblick lang, wich sie von seinem Bett. Und als der Prinz endlich wieder zu sich kam, lächelte sie. „Ihr seid erwacht, mein dunkler Engel!“, sprach sie. „Und ihr seid zurückgekehrt, so wie ihr es einst versprochen habt!“ „Abigail?“, fragte der Prinz verwirrt. „Woher...? Was ist mit den Kindern?“ „Tristan und Elenor geht es gut", antwortete sie. „Dank eurer Hilfe! Wie kann ich euch nur jemals dafür danken, dass ihr das teuerste gerettet habt, was ich besitze?“ Und zum Beweis ihrer Worte, rief sie die beiden Kinder zu sich. In ihren Augen aber erkannt Prinz Philipp, dass Tristan und Elenor auch seine Kinder waren. „Fleisch von deinem Fleisch, Blut von deinem Blut, die Früchte unserer Liebe“, sprach Abigail.

Zwölf Tage und zwölf Nächte blieb Prinz Philipp bei Abigail, Tristan und Elenor im Wald. Sie lebten so glücklich, wie eine richtige Familie. Doch da seine Wunden, dank Abigails Kräutern und Salben, gut verheilten, beschloss er, endlich zu seinen Eltern in den Palast zurückzukehren. In dieser Nacht weinte Abigail, denn der erneute Abschied von Prinz Philipp fiel ihr schwer. Die Elfenkönigin, hörte ihr Weinen, und setzte sich zu ihr. Sie wusste von Abigails Schmerz, und reichte ihr ein Fläschchen mit einer trüben Flüssigkeit. „Dies ist ein altes Elixier!“, sprach sie. „Schütte es in Prinz Philipps Getränk, und sorge dafür, dass du das erste bist, was er morgen früh sieht, und er wird sich so unsterblich in dich verlieben, dass es ihm nicht möglich sein wird, dich jemals wieder zu verlassen!“ Lange saß Abigail schweigend da und betrachtete die trübe Flüssigkeit. Sie dachte an König Hektor, Königin Aurora und an Prinzessin Rhonda, die alle sehnlichst Prinz Philipps Rückkehr erwarteten. Dann sah sie zu König Harun. „Ich danke, euch Majestät!“, antwortete sie. „Doch so schwer es mir fällt, ich muss euer Geschenk ausschlagen. Nicht durch den Zauber von Kräutern und Tränken, will ich Prinz Philipps Liebe gewinnen. Er rettete mein Leben, und das meiner Kinder: Ich bin ihm zu ewigem Dank verpflichtet und niemals werde ich einen Mann mehr lieben als ihn. Doch sein Platz ist an Prinzessin Rhondas Seite als Erbe von König Hektors Thron!“ Die Elfenkönigin nickte. „Ich sehe, deine Liebe zu ihm ist ehrlich und selbstlos. Möge euch das Schicksal, das euch einst zusammenführte, gnädig sein!“

Als Prinz Philipp sich am nächsten Morgen zum Aufbruch bereit machte, war er erstaunt festzustellen, dass Abigail nicht vor hatte ihn zu begleiten. „Ich hatte gehofft euch und Tristan und Elenor, an meiner Seite zu wissen“, sprach er. „Es tut mir leid, mein dunkler Engel,“ entgegnete Abigail. „Doch mein Platz ist nicht im Palast! Niemand weiß, von unseren Kindern, Tristan und Elenor, Reitet zurück zum Palast und schaut nicht zurück: Eure Braut Prinzessin Rhonda und eure geliebten Eltern erwarten euch. Doch wisset, dass ihr mir immer ein gerngesehener Gast in meiner Hütte sein werdet.“ So ritt Prinz Philipp schweren Herzens los, in Richtung Schloss.

Tristan und Elenor aber, hatten nicht vor, ihren Vater, den sie nun nach langer Zeit gefunden hatten, so einfach ziehen zu lassen. Heimlich hatten sie sich aus der Hütte geschlichen und folgten dem Prinzen. Abigail, die sich in tiefer Trauer in ihre Hütte zurückgezogen hatte, merkte nichts von ihrem Verschwinden. Erst als sie spät am Abend vergeblich nach den beiden suchte, beschlich sie ein seltsamer Verdacht. Und so machte sie sich nach langer Zeit erneut auf zum Palast.

Währenddessen wurde im Schloss die langersehnte Rückkehr von Prinz Philipp mit einem rauschenden Fest gefeiert und die letzten Hochzeitsvorbereitungen für seine Trauung mit Prinzessin Rhonda getroffen. Um Punkt Mitternacht sollte die feierliche Zeremonie vollzogen werden. Tristan und Elenor aber hatten es geschafft, sich heimlich in den Palast zu schleichen und betrachteten mit kindlichem Übermut und großen Augen den ganzen Prunk. Doch Prinz Philipps Gedanken waren bei Abigail. Sein Herz schmerzte, wenn er daran dachte, dass sie nun einsam und alleine in ihrer Waldhütte zurückgeblieben war. Und auch wenn er wusste, dass es ihr Wunsch gewesen war, so konnte er sich nicht vorstellen, ohne sie und seine beiden Kinder, die er in den letzten Tagen so lieb gewonnen hatte, leben zu müssen. Als er auf die Terrasse trat, um für einen Augenblick alleine zu sein, witterten Tristan und Elenor ihre Chance und folgten ihrem Vater. Als der Prinz die Kinder entdeckte machte sein Herz einen Sprung. Er war glücklich die beiden wiederzusehen. Überschwänglich nahm er sie in den Arm. Doch im selben Moment wurde ihm bewusst, dass sie sich davongeschlichen hatten, und Abigail nun sicherlich verzweifelt nach ihnen suchte. Schon wollte er die beiden schnappen und mit ihnen zurück in den Wald reiten, als er in der Ferne eine ihm bekannte Gestalt erblickte. Es war Abigail, die ihm entgegen gerannt kam und Elenor und Tristan überglücklich in ihre Arme schloss. Und als Prinz Philipp Abigail sah, mit ihren grünen Augen und roten Locken, in die er sich damals verliebt hatte und seinen Kindern Tristan und Elenor in ihre Arme, wurde ihm klar, dass er keine andere jemals würde heiraten können. Er nahm Abigail an die Hand und betrat den Tanzsaal, wo die gesamte Hochzeitsgesellschaft versammelt war. „Es tut mir leid, eure Feier unterbrechen zu müssen“, verkündete er. „Ich weiss ihr seid alle heute hier, um mit mir meine Hochzeit mit Prinzessin Rhonda zu feiern. Und ich bitte sowohl meine Eltern, als auch meinen Onkel König Richard und seine Tochter Prinzessin Rhonda um Verzeihung, doch ich habe eine Nachricht zu verkünden! Vor gut sieben Jahren, bevor ich in die Schlacht zog, schenkte ich mein Herz einer anderen Frau. Und diese gebar mir einen Sohn und eine Tochter. Lady Abigail! Nur sie kann ich heute hier heiraten.“ Und er schloss sie in seinen Arm und küsste sie. König Richard wollte empört aufspringen, doch seine Tochter hielt ihn ab. „Lass sie Vater!“, sprach sie. „Ich wünsche meiner Freundin Abigail und dem Prinzen Glück, und das solltest du auch tun!“ Ergriffen von der Großherzigkeit seiner Tochter und der selbstlosen Liebe Abigails, die sieben lange Jahre auf ihren Prinzen gewartet hatte, setzte er sich nieder. Die Menge aber klatschte und tanzte und beglückwünschte das junge Glück.

So kam es, dass als es Mitternacht schlug, Prinz Philipp Abigail zu seiner Prinzessin und ihm angetrauten Frau nahm. Es wurde ein Fest gefeiert, so froh und schön und prunkvoll, wie es seit Menschengedenken kein anderes gegeben hatte. Und Prinzessin Abigail und ihr dunkler Engel Prinz Philipp lebten mit Elenor und Tristan im Palast. Und Abigail gebar ihm noch viele Kinder, und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...

 

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Erstellt: 26.07.2005, zuletzt aktualisiert: 27.09.2016 09:58