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Trix Solier – Zauberlehrling voller Fehl und Adel von Sergej Lukianenko

Rezension von Christel Scheja

 

Auch wenn der weltweit größte Erfolg von Sergej Lukianenko die sogar verfilmte „Wächter“-Trilogie war, so scheint das Herz des 1958 in Kasachstan geborenen Autors und Psyhologen doch mehr für Kinder- und Jugendbücher zu schlagen. So dreht sich auch sein neustes Werk um die wilden Abenteuer eines Jungen, der durch eine schwere Tragödie lernen muss, die wahren Werte in sich zu entdecken.

 

Trix ist der Sohn und Erbe eines der Herrscher des Herzogstums Solier. Sein Leben verläuft in geordneten Bahnen, er muss keinen Hunger leiden und kann all das tun, was er möchte, bis zu dem Tage, an dem der Mitregent einen Putsch begeht, Trix und seinen Vater im Thronsaal stellt. Der Junge muss mit ansehen, wie der Herzog sein Leben verliert. Ihm droht das gleiche Schicksal – doch der Sohn des Ursupators gewährt ihm überraschend Gnade und lässt ihn sogar mit etwas Gold ausgestattet laufen.

Doch schon bald muss Trix feststellen, dass das alles andere als ein freundlicher Akt war, denn er muss sich nun in einer Welt bewegen, die ihm völlig fremd ist, in der er wie ein Verbrecher verfolgt wird und niemand ihm so recht glauben will. Auch sein Befehlston hilft ihm nicht mehr weiter. Zwar gibt es den ein oder anderen, der ihm noch hilft, aber ansonsten ist er von Verrat und Missgunst umgeben.

Trix ist am Boden zerstört, als selbst der Waisenjunge Ian, den er als Knappen angenommen hat, ihn im Stich lässt und ein wichtiges Schreiben stiehlt.

In dieser Zeit machen ihm die Mitglieder einer Schauspielertruppe wieder Mut und bringen ihn dazu, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Wenn er seine Eltern rächen und sein Herzogtum zurückgewinnen will, dann gibt es nur einen Weg – das aus eigener Kraft zu erreichen. Und wenn er über den schweren Weg des Knappen gehen muss.

Doch das Schicksal hat noch einen anderen Weg für Trix parat, denn im Duell mit einem Zauberer erweist sich, dass er auch nicht ganz unbegabt ist. Und so wird er in die Lehre genommen und erlebt an der Seite des Magiers Sauerampfer so manches Abenteuer. Schließlich wird er sogar zur Retterin der jungen Fürstin Tiana, die gegen ihren Willen verheiratet werden soll.

 

Sicherlich hat man viele Versatzstücke von „Trix Solier“ schon einmal in anderen Geschichten kennen gelernt, sei es nun in Fantasy-Romanen oder Märchen, denn Sergej Lukianenko bedient sich hier sehr gängiger und klischeebeladener Figuren und Szenen – aber es gibt einen Unterschied, der das Buch ein wenig abhebt – das ganze wird mit einem satirischen Unterton erzählt und kommt ein wenig anarchistisch daher.

Das liegt nicht nur an Figuren wie der rauschkrautsüchtigen Fee Anette, die zu seinem Familiar wird, aber mit der nicht viel anzufangen ist, weil sie entweder hungrig und depressiv oder high ist, dem Ritter mit Zwergenblut, der den gleichen Dickschädel wie seine kleinen Verwandten besitzt, oder den trotteligen Ian, der immer wieder zwischen Überlebensdrang und Treue schwankt, aber nicht so recht weiß, was jetzt eigentlich am wichtigsten ist.

Auch die Handlung nimmt so manches Klischee auf die Schippe – den Selbstmord, den so manche Adlige auf sich nimmt, um „einem Schicksal schlimmer als der Tod“ zu entgehen oder gar den verschiedensten Auslegungen von Ehre. Letztendlich sind Adlige, Kaufleute und Magier auch nur Menschen voller Schwächen und Fehler.

Das ganze liest sich letztendlich wie eine Mischung aus Schelmen- und Abenteuerroman, und dafür sorgt auch der Held, denn auch wenn Trix sich gerissen und erfahren gibt, so tritt er doch immer wieder auch mit seiner Unerfahrenheit in Fettnäpfchen und fällt mit all zu schnell gegebenem Vertrauen auf die Nase.

Alles in allem ist die Handlung zwar überschaubar, wenn auch nicht so einfach wie vermutet, da sie immer wieder auch noch einen überraschenden Twist bereit hält, der den Leser bei der Stange hält, da nicht alles so verläuft wie erwartet. Daher werden auch erwachsene Leser ihren Spaß an der spannenden Geschichte haben, die mit sehr viel Humor durchzogen ist und auch erfahrene Hasen immer wieder zu einem Schmunzeln verleitet.

 

Damit ist „Trix Solier“ unterhaltsame Fantasy, die gängige Klischees erfrischend auslegt und mit so intelligentem wie frechem Witz daher kommt, den man heute nur selten findet.

 

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Trix Solier – Zauberlehrling voller Fehl und Adel

Autor: Sergej Lukianenko

gebunden - 584 Seiten

Beltz und Gelberg, erschienen Juli 2010

Übersetzung aus dem Russischen von Christiane Pöhlmann

Titelbild und Innenillustrationen von Max Meinzold

ISBN-10: 3407810741

ISBN-13: 978-3407810748

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.07.2010, zuletzt aktualisiert: 10.09.2019 19:06