Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Verkaufte Seelen von Roger Morris

Rezension von Christel Scheja

 

Üblicherweise verbindet man mit Romanen die in Russland spielen immer eine gewisse Schwermut und Düsternis. Dabei kommt es nicht immer darauf an, woher der Autor stammt, wichtig ist nur, das russische Schriftsteller selbst ein Bild ihrer Heimat geschaffen haben, das nicht mehr aus den Köpfen der Menschen will. Und so liegt auch auf „Verkaufte Seelen“ ein Hauch von Traurigkeit und Melancholie.

Der Autor gibt selbst zu, dass er sich sehr stark an Dostojewskis „Schuld und Sühne“ hat inspirieren lassen. Nicht umsonst ist eine der zentralen Personen auch eine Figur aus diesem Klassiker - Profiri Petrowitsch.

 

Im eisigen Winter des Jahres 1866 wird Sankt Petersburg von einem makaberen Doppelmord erschüttert. Zwei Männer werden in einer abgelegenen Ecke des Petrowski-Parkes gefunden. Der eine hängt am Hals von dem starken Ast eines Baumes und darunter befindet sich ein Koffer mit einer weiteren Leiche - einem Zwerg, dem man den Schädel mit einem Beil eingeschlagen hat.

Der Ermittler und Untersuchungsrichter Porfiri Petrowitsch übernimmt den Fall, auch wenn es zunächst keine Hinweise darauf gibt, wer die beiden sind, und warum man sie getötet hat. Fest steht nur - zumindest der Erhängte war schon tot, als man ihn dort baumeln ließ.

Weitere Spuren deuten darauf hin, dass die Männer ausgeplündert wurden - was auch nichts neues ist, da es viele arme Menschen in Sankt Petersburg gibt.

Deshalb sieht sich der Ermittler zunächst auch in den Elendsquartieren, Pfandleihen, Bordellen und zwielichtigen Spelunken der zaristischen Hauptstadt um. Schon bald fällt sein Verdacht auf den glücklosen Studenten Pawel Pawlotitsch Wirginski, der mit einem der Toten zu tun hatte. Denn immerhin trug dieser einen Pfandschein mit sich herum, der eigentlich dem jungen Mann gehörte. Petrowitsch löst den Schein ein und findet in einem der Bücher weitere Hinweise.

Und noch etwas anderes fällt ihm auf. Die scheue und sanfte Prostituierte Lilja und ihre kleine Tochter Vera sowie deren Beschützerin Soja scheinen überraschend zu Geld gekommen zu sein. Haben auch sie etwas mit der Sache zu tun? Er beschließt, die beiden Frauen und das Mädchen genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

Wie sein Vorbild ist auch „Verkaufte Seelen“ ein nicht ganz so leichter Stoff, den man zu seinem Vergnügen lesen kann. Das liegt nicht nur an den feinen Anspielungen an Dostojewskis „Schuld und Sühne“.

Die Handlung entfaltet sich gemächlich und schildert zunächst das Leben derer, die im Russland Mitte des 19. Jahrhunderts nicht gerade vom Glück begünstigt wurden. Erst dann beschäftigt es sich schlaglichtartig auf die unterschiedlichen Personen, führt den Ermittler und damit auch den Leser teilweise gut in die Irre. Es unterhält vor allem durch die vielen kauzigen Personen, denen der Ermittler auf seinem Weg begegnet.

Dadurch entsteht eine eigentümliche Atmosphäre, die nichts Gutes verheißt - und richtig. Kaum enthüllen sich immer mehr Hintergründe für die grausame Tat, so kommen Fakten ans Licht, die zunächst gar nichts mit dem eigentlichen Fall zu tun haben, die Tragödie schließlich aber komplett machen.

 

„Verkaufte Seelen“ erfordert zwar ein wenig mehr Aufmerksamkeit als das Kriminalromane üblicherweise verlangen, weiß aber dann mit einer interessanten Handlung und einer dichten Atmosphäre zu unterhalten. Und das ist für einen Debütroman beachtlich.

 

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Verkaufte Seelen

Autor: Roger Morris

gebunden - 410 Seiten

Droemer Knaur, erschienen März 2008

ISBN: 978-3-426-19758-5

Übersetzung aus dem Englischen von Bernhard Robben

Titelbild von Finepic

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 04.04.2008, zuletzt aktualisiert: 05.08.2019 19:15