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Verlorene Paradiese von Ursula K. Le Guin

Rezension von Christel Scheja

 

Die 1929 geborene Ursula K. LeGuin gehört zweifellos zu den bekanntesten und beliebtesten Science Fiction-Autoren, die bis heute unvergessen sind. Sie verfasste preisgekrönte Klassiker wie „Planet der Habenichtse“ und „Winterplanet“, aber auch den bereits verfilmten „Erdsee“-Zyklus. Mit „Verlorene Paradiese“ präsentiert der Atlantis-Verlag nun eines ihrer Spätwerke, das 2002 im Original erschien.

 

Generationenschiffe tragen die Hoffnung der Menschheit durch das All. Die Nachkommen ausgewählter Männer und Frauen sollen ferne, erdähnliche Planeten besiedeln und dort das Erbe ihrer Rasse weiter tragen, denn selbst bei nahezu lichtschnellem Flug ist es unwahrscheinlich, dass die erste Generation auch noch ihr Ziel erreicht.

Schnell bildet sich auf den Schiffen eine neue Art von Gesellschaft heraus. Zwar achtet man sehr wohl darauf, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, aber es bleibt trotzdem nicht aus, dass die bereits auf dem Schiff geborenen Kinder und Enkel den Bezug zum Leben unter freiem Himmel verlieren.

Luis und Hsing entstammen bereits der fünften Generation und wachsen in der Welt auf, die ihre Eltern und Großeltern geschaffen haben. Sie kennen nichts anderes als die Gesellschaft, die sich aus den Anfängen entwickelt hat – und es fällt ihnen schwer, daran zu denken, dass sie eines Tages selbst ihren Fuß auf eine Welt setzen werden. Dennoch fügen sie sich bei allen eigenen Gedanken, Wünschen und Träumen in die Gemeinschaft ein und führen ein ganz normales Leben, bis sie schließlich – selbst Eltern – vor eine schwere Entscheidung gestellt werden.

 

„Verlorene Paradiese“ ist weniger ein ausgefeilter Roman mit Geheimnissen, die zu einem dramatischen Höhepunkt führen, sondern eher ein novellenlanges Stimmungsbild, in dem die Autorin anhand der Lebensläufe von Luis und Hsing, die Facetten einer Gesellschaft beleuchtet, wie sie sich nur auf einem Generationenschiff entwickeln kann.

Wann wird das Leben auf Planeten zur Legende? Mit was haben die nachgeborenen Generationen zu kämpfen, wenn sie wirklich ihr Ziel erreichen – und können wirklich alle damit fertig werden? Werden sich die Menschen trotz sorgfältiger Auswahl vertragen oder zerfleischen? Und was ist mit denen, die das System hinterfragen und sich ihre eigenen Gedanken machen?

LeGuin erzählt mit sachlichem aber einfühlsamen Ton eine eher unspektakuläre Geschichte, die aber trotzdem unter die Haut geht. Das liegt vor allem an den Hauptfiguren, die man das ganze Leben hindurch begleitet und die vor allem durch ihre Normalität auffallen. Ihre alltäglichen und außergewöhnlichen Erlebnisse werden glaubwürdig gemeistert, die Autorin vermeidet Klischees, wo sie kann oder aber erlaubt sich diese zu variieren.

Auch wenn es keinen direkten Höhepunkt gibt und die Handlung eher dahin plätschert ist man so am Ende doch ganz zufrieden, denn die Atmosphäre auf dem Schiff ist nicht nur stimmig, sondern auf Dauer auch sehr eindringlich und erweist sich als plausibles Modell, über das man noch eine ganze Weile nachdenken kann.

 

Damit beweist Ursula K. LeGuin, dass sie auch im Alter ihre Erzählkunst nicht verloren hat. „Verlorene Paradiese“ ist einen Blick wert, wenn man ihre Romane und Geschichten mag und mehr auf stimmungsvolle Inhalte setzt als auf melodramatisch inszenierte Klischees oder sinnfreie Action.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Verlorene Paradiese

Original: Lost Paradises, 2002

Autorin: Ursula K. LeGuin

Atlantis Verlag, März 2014

Taschenbuch, 147 Seiten

Übersetzung. Horst Illmer

Titelbild: Maran Alsdorf

 

ISBN-10: 3864021618

ISBN-13: 978-3864021619

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00JBFSOQM

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

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Erstellt: 14.05.2014, zuletzt aktualisiert: 31.08.2021 16:30