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WASP von Wolfgang Hohlbein

Rezension von Christian Endres

 

»Was, wenn die Erde selbst sich wehrt gegen das, was die Menschen ihr antun?«, fragt Wolfgang Hohlbein im Vorfeld seines neuesten Romans »Wasp« kritisch, nur um - gefragt nach dem Bienensterben und seinen Recherchen - hinzufügen: »Ich habe mir sehr genau angesehen und angehört, was die Experten zum Bienensterben zu sagen haben. Handystrahlung, Viren, Parasiten, Klimaveränderungen - die Liste möglicher Erklärungen war länger als die Liste der Experten. Auf Deutsch gesagt: Es gibt zurzeit noch keine schlüssige Erklärung. Das finde ich einen sehr spannenden Ausgangspunkt für eine fantastische Geschichte.«

 

Womit der deutsche Fantasy-Papst und Vielschreiber aus Weimar, der heute in Düsseldorf lebt, zweifelsohne recht hat und direkt mal eine wahrlich exzellente Ausgangsposition für sein neuestes Werk schuf, einen Mystery-Thriller um den jungen Reporter Wayne, Kornkreise, summende Gefahren in Gelbschwarz (und nicht aus Dortmund), das Bienensterben sowie andere (Umwelt-)Katstrophen und Sachverhalte, die Routinier Hohlbein zu einer zwar ziemlich ausufernden und lang gewordenen, in der Summe aber über weite Strecken angenehm spannenden Mystery-Lektüre verwebt.

 

Fast 1000 Seiten, an denen Hohlbein knapp ein Jahr geschrieben hat – das ist schon eine ordentliche Dicke für ein Buch, macht es zum Schmöker, zum Schinken und schlechtesten Falls auch zum Türstopper. Ob die »läppischen« 959 Seiten von »Wasp« nun zu viel sind oder nicht, das hängt wohl in erster Linie davon ab, wie gerne und üppig man von Hohlbein unterhalten werden möchte und ob man ihn und seinen manchmal etwas zu sehr von seiner Heftroman-Vergangenheit geprägten Stil mag oder nicht (die Bestseller-Listen sprechen in dieser Sache eine deutliche Sprache, und die Waage schlägt klar zu Gunsten Hohlbeins aus). Für WoHo-Fans wird der seitenstarke Öko-Thriller wohl so oder so (wie beinahe jeder neue Roman Hohlbeins) zum Freudenfest, ja bei seinem Umfang regelrecht zur Orgie – für alle anderen hätten es vielleicht auch 200 oder 300 Seiten weniger getan.

 

Was nun nicht daran liegt, dass »Wasp« explizit besonders langatmige Stellen hätte. Nein, eher ist es das Gefühl, dass hie und da eine Szene zwar recht gut und stimmig ist, aber letztlich doch unnötig und etwas zu lang geraten – als wäre die Geschichte auch gut ohne sie ausgekommen. Dieser Eindruck summiert sich. Auch schleicht sich gerne mal der Verdacht ein, dass man sich manch eine These oder Theorie lieber gespart hätte. Zum Glück gibt es aber auch genügend gelungene Fallbeispiele aus unserem Alltag und der Welt, wie wir sie kennen, bei denen Hohlbein nicht mit Kritik, Denkanstößen oder einer Message geizt – vor allem in Anbetracht seines gerne auch etwas jüngeren Publikums sicherlich kein Nachteil und eine sympathische Sache.

 

Ein Lob auch in Richtung Ueberreuter: Das klotzige Hardcover und seine plakative Aufmachung und Typografie (samt Spotlack und Prägung) sind wirklich ein echter Hingucker im Regal.

 

In mehrfacher Hinsicht also ein Fest für Hohlbein-Fans – für alle anderen ein üppiger Ausflug in Hohlbeins seit Jahren sprudelnde Quelle der Fantasie, deren Ergüsse sich diesmal ziemlich kritisch mit dem Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt auseinandersetzen.

 

Viel Hohlbein, viel Mystery, viel Moral, viel Recherche – manchmal dann aber doch ein bisschen zu viel von allem, denn hier und da schlägt das »Schwarm«-Syndrom zu.

 

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WASP

Autor: Wolfgang Hohlbein

Hardcover, 959 Seiten

Ueberreuter, August 2008

ISBN: 3800054361

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 07.08.2008, zuletzt aktualisiert: 31.03.2021 19:40