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Wasserscheu von Markus K. Korb

Rezension von Christel Scheja

 

 

Markus K. Korb ist einer der fleißigsten Autoren der phantastischen Szene, dessen Stärke und Hauptaugenmerk auf der klassischen Kurzgeschichte liegt. Mindestens einmal im Jahr präsentiert er eine neue Sammlung davon - wenn auch in verschiedenen Verlagen. Die aktuellste ist „Wasserscheu“ aus dem Atlantis-Verlag.

Mit dem Sommer verbinden viele Sonne, Strand und hohe Temperaturen - nicht aber Grusel und Horror, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Und diese dunklen Seiten der warmen Jahreszeit holen Markus K. Korb und seine mit einer Geschichte vertretene Gastautorin Christine Guthann in „Wasserscheu“ ans Licht der Sonne.

Nach einem längeren Vorwort von Andreas Gruber, das sich eher wie ein Lobgesang auf das Genie des Autors Markus K. Korb liest, folgen die Geschichten.

Zwölf Erzählungen - für jede Woche des Sommers eine - erzählen von den Abgründen menschlicher Seelen und dunkler Geheimnisse und nehmen dabei nicht immer ein Blatt vor den Mund.

 

Der Juni verrät, warum ein Vater nicht mehr im See schwimmen geht und seinem Sohn verbietet, das Areal zu verlassen, das von den Bojen abgegrenzt wird. „Wasserscheu“ ist er nicht ohne Grund, denn er ist mit seinen Freunden einmal an das andere Ufer geschwommen und hat da das Grauen erlebt.

Ein ähnlich erschütterndes Erlebnis macht ein anderer Junge „In der Unterführung“. Die Bilder, die sich da in seinen Geist graben, lassen ihn auch im Wasser nicht mehr.

„Der Pool“ ist ein ständiges Streitobjekt zwischen Franz B. Trueger und seiner Frau, die nicht zu viele Algen im Wasser sehen möchte. Allerdings sind diese lebendiger als man denkt.

Auch das „Geo-Caching“ eines jungen Mannes endet in einer mehr oder weniger ekligen Brühe... nur weil ein anderer Mann nicht vergessen kann, das er einmal eine Geliebte in den Tod getrieben hat..

Im Juli folgt die Rache auf den Fuß und der Gastbeitrag von Christine Guthann, denn „Frau Truegers letzter Tag“ ist gekommen, weil die, denen sie eigentlich Leid zufügen wollte, bittere Rache nehmen.

Eine Institution ist der alte Eismann, der „Sommer-Eis“ anbietet. Doch als die Kinder, denen er die Leckereien verkauft hat, krank werden, schlägt die Stimmung um. Nur ein Junge glaubt an ihn und macht eine grausame Entdeckung.

Die macht auch ein anderer Wanderer, als er alte Erinnerungen „Im verlassenen Capri“ wieder erwecken will. Während er dort herum stöbert , enthüllt ihm das alte Schwimmbad dann bittere Geheimnisse, die sein Weltbild erschüttern.

Auch der Rest des Juli und der August warten mit düsteren und bösen Geheimnissen auf, die sollen aber erst einmal nicht verraten und vom Leser selbst entdeckt werden.

 

Fast alle Geschichten beginnen mit idyllischen Bilder, wie man sie mit dem Sommer verbindet - fröhliche Menschen an Badeseen, in Schwimmbädern oder an eigenen Pools oder Lichtdurchflutete Wälder und reich tragende Getreidefelder.

Brüllende Hitze bedingt knappe und dünne Kleidung, die Sonne lässt auch die letzten Schatten verschwinden- und das ist dann auch der Moment, in dem sich das Grauen anmeldet. Dieses kommt entweder mit einem Schlag wie „In der Unterführung“ oder langsam und schleichend wie in „Wasserscheu“ und „Go-Catching“.

In ihren Beschreibungen zurückhalten und subtil ist allerdings ist keine Geschichte dieser Anthologie mehr. Zwar schildert Christine Guthann das Grauen nur sehr verhalten, Markus K. Korb nimmt aber kein Blatt mehr vor den Mund und scheut auch nicht vor ekligen Beschreibungen nicht zurück.

Man kann sich den Zustand des Mülls „In der Unterführung“ genau so plastisch vorstellen wie die Leichenteile in „Sommer-Eis“ und „Wasserscheu“. Diese eindringlichen Bilder lassen einen auch nach der Beendigung der Lektüre zumindest für einen Moment nicht mehr los und erreichen damit ihr Ziel - man sieht die beliebten Sommerorte plötzlich und ganz kurz mit anderen Augen.

Aber auch die Splatter und Action-Fans kommen nicht zu kurz, denn ein „Schiffswrack“ am Aral-See wartet mit anderen und viel gemeineren Geheimnissen auf als sie sich ein kasachischer Terrorist erhofft.

Einzig „Im verlassenen Capri“ kann nicht so ganz überzeugen. Zwar ist die geisterhafte Atmosphäre in dem zerfallenden Schwimmbad geschickt und eingefangen und lässt einen mehr als einmal schaudern, die plakative Auflösung des Spuks enttäuscht allerdings ein wenig.

 

„Wasserscheu“ erfüllt im Großen und Ganzen, was es verspricht: Den Sommer mit ein wenig Grusel und Horror zu „versüßen“ und kühlende Schauer über den Rücken rinnen zu lassen.

Zwar verzichtet Markus K. Korb auf seine frühere Subtilität, die durchweg gemeinen Geschichten bieten aber interessante Variationen klassischer Themen und Ausgangssituationen, die einen in den meisten Geschichten doch überraschen können.

Eure Meinung:


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Wasserscheu

Autor: Markus K. Korb

broschiert, 156 Seiten

Atlantis, erschienen Juni 2007

ISBN 978-3-936742-84-8

Titelbild und Illustrationen von Mark Freier

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.06.2007, zuletzt aktualisiert: 09.11.2018 15:20