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Welt in Angst von Michael Crichton

Rezension von Tanja Thome

 

Nicht so wirklich neu ist der im August 2008 bei Goldmann erschienene Thriller „Welt in Angst“ von Michael Crichton. Drei Jahre hatte der mittlerweile verstorbene Bestseller-Autor zum Thema recherchiert und dann 2004 veröffentlicht, doch das Thema des Thrillers, die globale Erwärmung, hat natürlich nichts von ihrer Aktualität verloren.

 

George Morton hat verdammt viel Geld, und dieses hortet er nicht in seinem stillen Kämmerlein, sondern setzt es gerne ein. Unter anderem unterstützt er mit großen Summen Umweltschutzorganisationen, vor allem NERF, eine Organisation, die eine unglaubliche Klage wagen will: Man will einer kleinen Insel unter die Arme greifen und die USA verklagen mit dem Vorwurf, dass die Insel und somit die Basis all ihrer Bewohner, im Meer versinken wird, weil die USA nichts gegen die globale Erwärmung und somit gegen das Ansteigen des Meeresspiegels, der das Schicksal der Insulaner besiegeln wird, unternimmt.

 

Morton hat die besten Absichten und ist davon überzeugt, dass dies bei NERF ebenfalls der Fall ist, doch dann wird er skeptisch, als eine große Geldsumme plötzlich „versehentlich“, wie ihm Drake, sein Freund und einer der Köpfe von NERF, versichert, falsch transferiert wird. Morton beginnt zu recherchieren und stößt in ein Wespennest. Er bringt in Erfahrung, dass NERF die geplante Klage mit ziemlicher Sicherheit verlieren wird, und dass NERF von seinem Geld ein großes Netz Ökoterroristen unterhält. Diese sollen durch ausgeklügelte Aktionen den Blick der Bevölkerung auf die globale Erwärmung und ihre Gefahren lenken und somit die weitere Existenz und die weiteren Vorhaben von NERF untermauern. Noch bevor Morton seine Erkenntnisse jedoch öffentlich machen kann, verunglückt er tödlich bei einer Autofahrt, die er alkoholisiert angetreten hat.

 

Zurück bleibt Peter Evans, ebenfalls ein Freund Mortons und zugleich sein Anwalt, mit der strikten Anweisung Mortons, NERF nur geringe fortlaufende Beträge statt der versprochenen Millionen zukommen zu lassen. Dies passt NERF natürlich gar nicht, und Evans findet sich inmitten des Komplotts, das Morton offenbar aufgedeckt hatte, wieder – und er befindet sich in Lebensgefahr …

 

„Welt in Angst“ ist ein sechshundert Seiten starkes Taschenbuch, wobei allerdings „nur“ fünfhundert der Handlung selbst gewidmet sind. Die restlichen hundert Seiten setzen sich aus einem umfangreichen Nachwort Crichtons, in dem er seine Beweggründe zu diesem Roman sowie seine persönlichen Schlussfolgerungen und seine Meinung darstellt, sowie einem ebenso umfangreichen Quellenverzeichnis zusammen. Wie bereits erwähnt, recherchierte Crichton Jahre lang im Vorfeld der Schreibarbeit zu diesem Thriller, zudem tauchen innerhalb des Romans selbst häufig Quellenangaben und sogar Diagramme auf, so dass an manchen Stellen nicht ganz eindeutig ist, ob man nun eher einen Thriller liest oder sich mehr im Bereich der Docufiction bewegt.

 

In Richtung Docufiction gehen auch der Verlauf der Handlung und die Darstellung der Charaktere. Crichton als Bestsellerautor weist keinerlei Schwächen auf, wenn es darum geht, den Leser in die Handlung zu ziehen und ihn zugleich spannend und leichtfüßig zu unterhalten. Spätestens mit einem etwas distanzierterem Blickwinkel fällt jedoch auf, dass viele Szenen vorhersehbar sind und die Figuren ein wenig klischeebeladen und blass sind. Der gutherzige reiche Lebemann, die schöne Sekretärin, die es faustdick hinter den Ohren hat, der rechtschaffene Anwalt, der mit geradezu naivem Weltverständnis erstaunlicherweise beruflich erfolgreich und abgeklärt ist, der coole Agent auf der Seite des Guten … einzig auf Terroristenseite ist das Klischee nicht ganz so offensichtlich, was der Gesamtqualität des Romans auch sehr gut tut. Da ist man zwar böse, aber eigentlich doch nur aus guter Absicht – okay, also im Grunde doch ein Klischee, aber immerhin keines, das von der Handlung allzu sehr ablenkt.

 

Crichtons Thema ist hier nicht der Terrorismus, sondern eben die globale Erwärmung. Gibt es sie überhaupt? Der Autor wirft zahlreiche Fragen und auch Fakten auf, die eine solche Erwärmung negieren, letztlich ist der Leser jedoch aufgerufen, sich sein eigenes Bild zu machen. Und genau das ist eigentlich auch das Highlight des ganzen Titels. Leichtfüßige Unterhaltung, die es letztlich doch schafft, dass man schon während der Lektüre und erst recht danach über einiges nachdenkt: über globale Erwärmung, Umweltschutz, aber auch über die Bedeutung von Medienpräsenz und Hypes. In dieser Hinsicht ist „Welt in Angst“ ein sehr gelungener Roman, auch wenn Crichtons grundsätzliche Erzählweise, seine Verknüpfung von Fakten und Fiktion sowie seine Charakterausgestaltung bei diesem Werk nicht an die Qualität heranreichen, die ihn berühmt gemacht haben.

 

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Welt in Angst

Originaltitel: State of Fear

Autor: Michael Crichton

Aufmachung: 602 Seiten, Taschenbuch

Verlag: Goldmann

Erschienen: August 2008

ISBN: 9783442469574

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 28.01.2009, zuletzt aktualisiert: 31.03.2021 19:40