Weltraumkrieger (Herausgeber: Dirk van den Boom & Oliver Naujoks)
 
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Weltraumkrieger von Dirk van den Boom & Oliver Naujoks

Rezension von Christel Scheja

 

„Military SF“ ist in Deutschland ein immer noch mit Misstrauen beobachtetes Genre, werden den Geschichten und ihren Autoren doch noch immer faschistoide Tendenzen und die Nichtbeachtung von ethisch-moralischen Werten unterstellt. Die meisten stellen sich darunter die sinnfreie Ballerei vor, die so gerne in den sogenannten „Ego-Shootern“ praktiziert wird. Um zu zeigen, dass das Genre nicht viel mit diesen Vorurteilen zu tun hat, auch wenn es in einem militärischen Umfeld spielt, haben Dirk van den Boom und Oliver Naujoks die Anthologie „Weltraumkrieger“ zusammengestellt. Deutsche, englische und amerikanische Autoren haben Geschichten beigesteuert.

 

Den Anfang macht Wolfgang Hohlbein, den die meisten wohl eher als Fantasy- und Mystery-Autor kennen. Ein irdischer Kommandant ist auf der Jagd nach Rebellen, die immer noch dafür sorgen, dass der Bürgerkrieg im Sonnensystem kein Ende findet. Doch als er den Ortungschatten des Jupiter umgeht, entdeckt er mehr als ihm lieb ist, und auch der Bordkaplan kommt ordentlich ins Grübeln.

Ein wenig an „Enemy Mine“ orientiert zu haben scheint sich Armin Rößler, der ein Team aus Mensch und Alien auf einem abgelegenen Planeten in Gefangenschaft geraten lässt und beider Wertesysteme auf die Probe stellt.

Wer die „Liaden“-Reihe kennt, kann nun endlich in der hier vorliegenden Kurzgeschichte erfahren, welchen Hintergrund die eigensinnige Söldnerin Miri Robertson hat und warum sie bestimmte Sachen einfach nicht mag.

Bei Sylke Brandt flieht die Tochter des deutschen Kaisers vor den Allierten und versucht auf einem Zeppelin zu entkommen. Beschützt und gerettet wird sie von „Dampfgiganten“.

In weiteren Geschichten geht es um einen Angriff auf eine irdische Kolonie, der nicht wirklich von Menschen aufgehalten wird, dann wieder geraten Kämpfer in die Intrigen der Politiker, die sich wieder einmal um die Unabhängigkeit des Mars streiten und einer multi-nationalen Sicherheitstruppe, die letztendlich ebenfalls über ihre politischen Vorgesetzten und persönliche Probleme stolpern.

 

Das sind nur einige der acht Geschichten, die auf sehr unterschiedliche Weise zeigen, was Military-SF sein kann und damit auch sehr viele Vorurteile widerlegen. Ergänzend dazu gibt es ein Essay von Dirk van den Boom, dass zwar schon einmal in „Phantastisch!“ erschien, aber erweitert und überarbeitet wurde. Es macht noch einmal deutlich, wie „Military SF“ entstanden ist, definiert wird und sich bis heute entwickelt hat.

Damit wird deutlich, dass man es mitnichten nur mit Materialschlachten, sturen Offizieren und seelenlosen Kampfmaschinen zu tun hat, sondern mit ganz normalen Menschen, die sich zwar dem Militärdienst verschrieben haben und mit Waffen umzugehen wissen, aber ansonsten die selben Probleme, Schwächen und Fehler haben wie Zivilisten.

Die Geschichten erzählen ebenso von der Erkenntnis, das man nicht für eine gerechte Sache kämpft, sondern wieder einmal nur manipuliert wird, wie auch von Ängsten und Zweifeln die entstehen, wenn das gesamte Weltbild erschüttert wird. Und für manche ist das Söldner- oder Soldatendasein lebenswerter als die Existenz, die sie zu Hause zurücklassen.

Alles in allem sind die Geschichten von hoher Qualität, sehr stimmungsvoll zusammengestellt und so abwechslungsreich, dass auch kritische Leser Texte finden dürften, die ihnen gefallen.

 

Deshalb ist „Weltraumkrieger“ für alle Leser interessant, die sich endlich einmal ein differenziertes und vorurteilsfreies Bild von „Military SF“ machen wollen, ohne gleich Romane lesen zu müssen.

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Tentakelsturm

Weltraumkrieger

Herausgeber: Dirk van den Boom & Oliver Naujoks

Atlantis Verlag, erschienen Januar 2010

A5 Paperback, ca. 200 Seiten

Titelbild: Timo Kümmel

ISBN-10: 3941258206

ISBN-13: 978-3941258204

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 05.08.2010, zuletzt aktualisiert: 22.05.2021 09:49