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Wikinger-Handbuch von Ari Berk

Rezension von Christel Scheja

 

Findige Autoren haben längst erkannt, dass sie Informationen über bestimmte Völker der Geschichte viel besser vermitteln können, wenn sie ihre jungen Leser mit in die Erforschung der alten Kulturen einbinden, indem sie diese direkt ansprechen und ihnen vermeintlich geheimes Wissen vermitteln, durch dass sie Teil der Kultur oder der geheimen Verschwörung werden können.

So beschäftigt sich die Reihe „Geheime Welten“ nicht nur mit Mythen und Sagen, Fabelwesen und Monstern, sondern entführt ihre Leser auch zu Völkern, die zwar nicht vergessen, aber längst in andere Kulturen aufgegangen sind.

 

Vom siebten bis weit in das elfte Jahrhundert hinein, waren die Wikinger der Schrecken Europas. Auf der einen Seite waren die Seefahrer aus dem hohen Norden umtriebige Händler, die so manchen Weg neu erschlossen und mit ihren Drachenschiffen sogar neue Länder fanden, auf der anderen Seite aber zogen sie auch aus, um zu rauben, zu plündern und zu erobern. Das hinterließ einen bleibenden Eindruck bei vielen Küstenbewohnern an Nord- und Ostsee und der Atlantik-Küste.

Aus diesem Grunde sind sie nicht eines von vielen Völkern geworden, sondern mit ihrer Kultur und Geschichte sehr präsent geblieben, so dass noch heute Autoren und Spielzeughersteller davon zehren.

Jedoch waren die Wikinger weitaus mehr als nur wilde Krieger- und Seeräuber. Wie farbenprächtig und lebendig ihre Kultur war, will das „Wikinger-Handbuch“ vermitteln. Voller Stolz stellt der weise alte Skalde Ari der Weise aus dem 12. Jahrhundert die wichtigsten Dinge zusammen, die ein wahres Kind seines Volkes wissen sollte und stellt die folgenden Doppelseiten unter ein festes Motto: „So wirst du ein Wikinger“.

Dazu gehört es mehr über das Weltbild der Nordleute zu wissen, die nicht nur die irdische Welt und ein Paradies kannten, sondern auch die Heimat der Götter, die Unterwelt und verschiedene Feenreiche. Alle waren miteinander verbunden, und auf gewissen Weise auch nicht ohne einander lebensfähig.

Er nennt die Wesen, die von wahren Wikingern verehrt werden oder gar gefürchtet werden (wobei das eine das andere nicht ausschließt) beim Namen und vergisst auch nicht zu erklären, wie man auf nordische Art feiert, was auf der anderen Seite einen wahren Krieger auszeichnet, wie die Drachenboote aussahen und nicht zuletzt welche Redewendungen und Zauberformeln man auf jeden Fall kennen und im Notfall benutzen sollte.

Auch den Runen wird ein eigenes Kapitel gewidmet – und mit der hier angegebenen Hilfe kann man auch die Runeninschriften im ganzen Buch entziffern, wenn man nur will. Auf Leben und Tod wird eingegangen, aber auch auf die Wesen der Anderswelt und die Mächte des Schicksals, die oft die Pfade der Menschen lenken, ohne dass sie es verhindern können.

 

Alles in allem will das „Wikinger-Handbuch“ ein lebendiges und buntes Bild der Nordmänner vermitteln. Dabei geht man einen Kompromiss zwischen lieb gewonnenen Klischees, die man aus alten Romanen und Filmen kennt, und moderner historischer Wissenschaft ein.

Das Buch beschränkt sich bewusst auf die Themen, die Kinder besonders interessieren – dazu gehören Magie und Kampf, Runen und Geheimnisse – all die Dinge, die man auch zusammen mit Freunden nachspielen kann.

Das Buch kommt der Phantasie der jungen Leser entgegen, da in kleinen Taschen zum Beispiel Runenstäbe und Hnefatafl, ein altes Knobelspiel der Wikinger beigefügt wurden. Dreidimensional steigen ein Drachenschiff und ein Krieger als Pop-up aus dem Buch, und man kann durch ein zusätzliches Fenster in ein Hügelgrab hinein blicken.

Der Autor fordert die Leser zudem immer wieder zum Mitdenken und Mitmachen auf, so dass sich die sorgsam untergebrachten Informationen über Kultur und Geschichte der Nordleute spielerisch in den Köpfen fest setzen. Ein Übriges tun die vielen stimmungsvollen Illustrationen dazu, die den Worten noch ein wenig mehr Gewicht verteilen.

Sicherlich mögen erfahrene Leser in dem Bildband und Spielbuch nur wenige neue Informationen über die Wikinger finden, aber zum Einstieg in die Kultur dieses Volkes bietet es sich gerade zu an – vor allem, wenn man sich die einzelnen Elemente bildlich vorstellen möchte. Alles in allem macht die Qualität des Inhalts und seine atmosphärische Aufmachung viel von der Oberflächlichkeit wett.

 

Auch das „Wikinger Handbuch“ ist damit wieder ein gelungener Beitrag zur Reihe „Geheime Welten“ führt farbenprächtig, lebhaft und stimmungsvoll wie ein Geschichtenerzähler in die längst vergangene Kultur ein.

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Buch:

Wikinger Handbuch

Reihe: Geheime Welten

Autor: Ari Berk

Bildband mit herausnehmbaren Materialien und Pop-ups, 28 Seiten

Ars Edition, erschienen April 2009

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Anne Emmert

Titelbild & Innenillustrationen von Milivoj Ceran, Neil Chapman, Alastair Graham, Nick Spender

ISBN-10: 3760741428

ISBN-13: 978-3760741420

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 01.06.2009, zuletzt aktualisiert: 19.02.2015 09:59