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Zeit für die Schicht von Norbert Fiks

und andere SF-Kurzgeschichten

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Klappentext:

»Zeit für die Schicht« ist eine Sammlung von zum Teil sehr kurzen Science-Fiction-Geschichten. Es geht um Außerirdische, Raumfahrer, Roboter und Zeitreisende, um Entdeckungen und Enttäuschungen. Humor kommt bei aller Ernsthaftigkeit auch nicht zu kurz.

 

Rezension:

In seinem anstelle eines Nachwortes stehenden Interviews mit sich selbst, erklärt Autor Norbert Fiks nicht nur alles Wissenswerte zur Entstehung seiner Sammlung mit SF-Kurzgeschichten, er versucht seiner Leserschaft auch gleich sanft darzulegen, dass seine Geschichten keine höheren Ansprüche erfüllen wollten, vielmehr stellt er fest:

»Ich bevorzuge Geschichten, in denen die Motive und Handlungen der Protagonisten nachvollziehbar sind, in denen normale Menschen mit ganz handfesten Problemen konfrontiert werden.«

 

Ganz so normal sind die Situationen in Zeit für die Schicht jedoch nicht. Es beginnt schon eher unkonventionell mit einem witzigen Shell-Script zum Start des Lesevorganges. Danach folgt mit Das Artefakt die erste von kleinen Geschichten des zukünftlichen Alltags, der zwar selten aus den gewohnten Bahnen gerät, es aber zumindest in sich haben könnte. Doch so, wie eine Firma für Asteroidenbergbau außerirdische Artefakte lieber sprengen lässt, als sich mit aufwändigen Untersuchungen zu belasten, liebt auch der einfache Mensch der Zukunft ein eher unaufgeregtes Leben, zumindest in der Betrachtungsweise von Norbert Fiks.

 

Deshalb verwundert es auch nicht, dass in der titelgebenden Geschichte eine ultimative Schlacht durch einen etwas konfusen Taxifahrer entschieden wird. Zeit für die Schicht ist auch ein Beispiel für die Mischung gewöhnlicher Tätigkeiten mit absurden SF-Elementen, ohne der Versuchung auf den Leim zu gehen, den Klamauk breit- oder ohne Not eine Story auszuwalzen, die eigentlich fertig erzählt ist.

 

Da ist was im Buch bestätigt den Hang des Autors zur Kurzanalyse einer phantastischen Situation und steht fest in der Tradition von Erstkontaktgeschichten, in denen sich Aliens wie normale Menschen verhalten.

 

Ganz anders inszeniert Norbert Fiks diesen Ersten Kontakt in Überlicht. Die Begegnung erfolgt quasi aus dem Augenwinkel und ein strenger Zeitplan verhindert Weiteres. Auch diese Story wandelt eher auf Pfaden, die einem wahrscheinlichen Szenario solcher Ereignisse recht nahe kommen.

 

Auch Prima Volta scheint zunächst den eher langweiligen Alltag einer Routine-Mission zu beschreiben, bis der Protagonist der Langeweile entflieht und dabei ein wesentlich größeres Universum entdeckt – natürlich exakt so unexotisch wie in den anderen Geschichten.

 

Annäherung beschreibt ein bekanntes Problem. Was macht man mit Asteroiden, die der Erde gefährlich werden könnten? Abschießen natürlich. Und ebenso natürlich sollte man eine derartige Abwehr auch einmal testen. Das Lapidare an den Geschichten von Norbert Fiks kommt hier zu einer pointierten Konzentration und leitet ganz passend zu mehreren Shortstorys über, deren Bandbreite groß und deren Textmenge zwar gering ist, aber mit einer unübersehbaren Freude an satirischer Extrapolation gespickt wurde.

 

Es folgen drei Zeitreisegeschichten, der man ebenfalls die Experimentierfreude anmerkt, von denen zwei jedoch nicht so recht funktionieren. Nur Der Zeitreisende, der zu spät kommt wagt einen etwas eigenwilligeren Sprung ins kalte Abwasser der Zeit und spielt auf amüsante Weise mit sich verändernden Zeitlinien.

 

Mit Die Befreiung, Der Kammerjäger und Déjà vu offenbart der Autor seine Fähigkeit, auch dem Horror eine Chance zu geben. Besonders die letzte, eine kleine Robotergeschichte, fasziniert durch ihr klassisch anmutendes Flair und einer bitterbösen Storyline.

Zwar geht dann auch die letzte Geschichte der Sammlung, Kurze Unterbrechung in diese Richtung. Der zynische Ausflug in die Dystopie ist jedoch etwas zu handzahm geraten.

 

Das schon erwähnte Selbstinterview beschließt den Band mit seiner Sympathie erheischenden Ehrlichkeit und rundet das kleine Bändchen in munterem Plauderton ab.

 

Fazit:

»Zeit für die Schicht und andere SF-Kurzgeschichten« von Norbert Fiks bietet ein kurzweiliges SF-Lesevergnügen. Die Geschichten wollen nicht unbedingt neue Welten erschaffen oder wissenschaftliche Ideen mit einem Narrativ besetzen, vielmehr erforschen sie Möglichkeiten im Rahmen des Gewöhnlichen.

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Buch:

Zeit für die Schicht

und andere SF-Kurzgeschichten

Autor: Norbert Fiks

Taschenbuch, 171 Seiten

Books on Demand, 29. März 2016

 

ISBN-10: 3739218703

ISBN-13: 978-3739218700

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B01E3SCFP2

 

Erhältlich bei: Amazon

Inhalt:

  • Eingabeaufforderung
  • Das Artefakt
  • Zeit für die Schicht
  • Da ist was im Busch
  • Überlicht
  • Prima Volta
  • Annäherung
  • Zwei Brüder
  • Flash Fiction (8 Short-Storys)
  • Die Zeitmaschine auf dem Küchentisch
  • Der Zeitreisende, der zu spät kommt
  • Alles Anders
  • Die Befreiung
  • Der Kammerjäger
  • Déjà vu
  • Kurze Unterbrechung
  • Interview mit mir selbst – statt eines Nachworts

Weitere Infos:


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Erstellt: 12.02.2018, zuletzt aktualisiert: 13.02.2018 17:29