Die Welten des Jörg Weigand herausgegeben von Frank G. Gerigk
Kurzgeschichten
Rezension von Marianne Labisch
Frank W. Gerigk hat sich durch die Kurzgeschichten gearbeitet, die Jörg Weigand bislang veröffentlicht hat und für uns eine Auswahl zusammengestellt.
Diese Aufgabe stelle ich mir nicht einfach vor, denn die Anzahl der Storys, die Jörg Weigand verfasst hat, ist sehr hoch und im Prinzip sind sie alle lesenswert. Die Auswahl kann also nur rein subjektiv geschehen und das gibt der Herausgeber im Vorwort unumwunden zu. Meiner Meinung nach ist ihm die Auswahl gut gelungen, er hat Geschichten aus jeder Schaffensphase zusammengetragen. Es sind viele sehr kurze Geschichten dabei, über die man kaum etwas erzählen kann, ohne zu viel zu verraten, daher gehe ich hier nicht auf alle Storys ein, sondern nur auf die, die einen besonderen Eindruck auf mich gemacht haben.
Das Geheimnis der Hakka
Ein Stamm fernab der Zivilisation soll einen Weg zu sehr langem Leben gefunden haben, sie löffeln das Gehirn extra zu diesem Zweck gezüchteter Affen aus deren Schädeln. Die Affen müssen bei diesem Ritual noch leben. Einer macht sich auf zu ergründen, ob es sich nur um eine Sage handelt oder wahr ist.
Der Autor überspitzt hier gekonnt den schon 1973 aktuellen Jugendwahn. Was ist der Mensch bereit zu tun, um möglichst lange gesund und fit zu bleiben und lange zu leben?
Der Vogel
Ein Opa versucht ein paar Jugendliche davon abzubringen, einen Spatzen zu töten.
Es hat sie wohl schon immer gegeben, die Horden, die sich einen Spaß daraus machen, kleinere und schwächere Lebewesen zu quälen und töten. Der Opa versucht dies zu verhindern und riskiert, selbst zum Ziel zu werden. Ich wünsche mir, dass diese Horden verschwinden und weil das wohl nicht passieren wird, wünsche ich mir auch mehr solcher Opas.
Objekt der Verehrung
Seit ewiger Zeit gibt es in einem Stamm der Überlebenden, der sich Hundskrieger nennt, ein Objekt der Verehrung, das niemand zu Gesicht bekommt. Ein Priester wacht streng darüber.
Aus dieser Geschichte spricht die Verehrung für eine gewisse Reihe, die allerdings nicht verhindert, dass der Autor sich darüber amüsiert, wie sie auf einen Sockel gehoben wird.
Bellinda Superstar
Ein Mädchen wird zum Superstar gemacht.
Der Autor war früher fürs Fernsehen tätig. Diese Story deutet an, was so hinter den Kulissen ablaufen könnte.
Pepes Welt
Ein alter blinder Mann macht den Kindern eine Freude und erzählt ihnen immer wieder Geschichten. Der Sicherheitspatrouille gefällt das nicht.
Eine Geschichte über die Unmöglichkeit, das gesprochene Wort zu verbieten.
Ein Stückchen Heimat und die Folgen
Aus Versehen werden auf einem fremden Planeten Saatkörner einer irdischen Pflanze ausgesät und diese Pflanze verbreitet sich …
Das, was auf der einen Welt schön und harmlos ist, kann auf einer anderen verheerende Wirkung haben. Der Wunsch, sich in der Ferne heimisch zu fühlen, ebenso.
Die Demonstration
Außerirdische versuchen unsere Gesetze und deren Anwendung zu verstehen.
Einfach herrlich! Man fragt sich, ob die Story überzogen oder nur gut beobachtet ist.
Die Nacht der Lichtblitze
In einem Stamm kommt ein junger Krieger mit einem Parasiten zurück, der ansteckend und tödlich ist. Normalerweise werden diese Menschen aus dem Dorf vertrieben und sich selbst überlassen. In dieser Story kommt ein Reisender vorbei, der dem Volk zeigt, wie man den Parasiten entfernen kann und somit das Leben des Wirts rettet.
In meine Augen ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit.
Shira
Ein Mann auf einem fernen Planeten sitzt dort den lieben langen Tag als Beobachter, doch es tut sich nichts. Es scheint eine Frage der Zeit zu sein, bis er durchdreht, doch eines Tages entdeckt er etwas, das sein Herz höherschlagen lässt.
Sehr einfühlsam erzählt, wie der Mann sich einen Rettungsanker sucht und wie er ohne zugrunde geht.
Lebensabend
In dieser Story werden die Alten wie der letzte Dreck behandelt. Sie sollen nach Ansicht der Jungen dafür zahlen, was sie angerichtet und ihnen hinterlassen haben.
Ich weiß nicht mehr, wann die Debatten über die auf den Kopf gestellte Alterspyramide begonnen haben, aber es könnte um die Zeit gewesen sein, zu der diese Story entstand. Eine Vision, die hoffentlich nie wahr werden wird.
Tod eines Helden
Ein Mann des Heeres ist gestorben und es werden viele Reden gehalten, die uns diesen Menschen näher bringen.
Schön, wie dieser »Held« nach und nach zerlegt wird.
Hurra, hurra, wir leben noch
Oberleutnant Switalla wird zur Klinik Sonnenschein abkommandiert und ist erschrocken über die Zustände dort.
Eine Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg, die dieses unmenschlichen System bloß stellt.
Auch das ist nur ein kleiner subjektiver Ausschnitt, denn wie bereits gesagt, halte ich alle Geschichten für lesenswert. Selten hat mich eine Sammlung von Geschichten eines Autors so überzeugt.
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