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Amokjagd von Jack Ketchum

Rezension von Christian Endres

 

Inzwischen ist Jack Ketchum ein Stammgast innerhalb von Heynes vielseitigem Hardcore-Label, wo russische Thriller ebenso Zuhause sind wie Zuhälter-Biografien, Sexratgeber aus dem Herzen der amerikanischen Porno-Industrie oder ein neugieriger Besuch bei Diktatoren. Fast genauso vielseitig wie die Reihe ist auch Dallas Mayr alias Jack Ketchum, der mit »Amokjagd« seinen dritten Auftritt im Heyne-Taschenbuch hat und sich einmal mehr mit einer grenzwertigen Mischung aus Horror und Thriller profiliert.

 

Diesmal wird allerdings nicht in Kellern brutal gefoltert oder in Höhlen an der Küste kannibalistisch gemetzelt. Diesmal wird das Morden erst zur Befreiung - und schließlich zur gefährlichen, tödlichen Obsession. Denn eigentlich wollen Carole und ihr Freund Lee nur die Vergangenheit überwinden, zu der Caroles gefährlicher, durchgeknallter Ex-Mann Howard gehört. Ihre gemeinsame Bewältigung bringt sie auf unvorhergesehene Weise jedoch mit Barkeeper Wayne zusammen - und dieser hegt wiederum einige sehr spezielle Vorlieben und Ansichten, wenn es um einen spontanen gemeinschaftlichen »Ausflug« oder andere Gemeinsamkeiten geht...

 

Man merkt, dass bisher nur ein Bruchteil von Ketchums Werk auf Deutsch erschienen ist. Nach »Evil« und »Beutezeit« war man schon fast drauf und dran, sich an ein gewisses Schema zu gewöhnen und sich trotz aller Unterschiede in den Plots auf eine gewisse Methode einzustellen - doch dann kommt ein schon etwas älterer Roman wie »Amokjagd« daher und belehrt einen knöchern grinsend eines besseren.

 

Von einem »typischen Ketchum« kann tatsächlich nicht die Rede sein, und vielleicht ist das im Herzen auch das Problem des Romans, der wie auch schon »Beutezeit« stets ein wenig im Schatten von eben »Evil« steht, das unerreicht bleibt. Sicher, niemand mordet so »schön« und explizit wie Mayr/Ketchum, und niemand reizt so gekonnt die Grenzen von Thriller, Horror und gutem Geschmack aus - trotzdem, der Sog wie bei den oben genannten Romanen will sich nicht so recht einstellen. Vielleicht liegt das auch ein Stück weit am Setting der Geschichte, vielleicht auch an den etwas hölzernen Protagonisten - es funkt einfach nicht so wie bisher.

 

Das macht »Amokjagd« nicht per se zu einer Enttäuschung –ein bisschen mehr Kitzel hätte es dann aber schon sein können. Zum Glück finden sich zwischendurch immer wieder Passagen, die so intensiv sind, wie man sich das nach dem gelungenen Anfang verspricht und vom Rest der Geschichte erhofft hätte.

 

Ketchum öffnet wieder einmal die Bodenklappe, unter der die Abgründe des Menschseins lauern. Leider kriegt er die Klappe diesmal nicht ganz so weit auf wie sonst - folglich ist der Blick kein ganz so erschütternder und ein nur phasenweise intensiver, überzeugender.

 

 

 

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Titel: Amokjagd

Autor: Jack Ketchum

Taschenbuch, 288 Seiten

Heyne, Juni 2008

ISBN: 3453675452

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 13.06.2008, zuletzt aktualisiert: 14.09.2018 13:51