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Andymon von Angela und Karlheinz Steinmüller

Reihe: Werke in Einzelausgaben, Band 2

Rezension von Ralf Steinberg

 

Andymon - welch bedeutungsvoller Name. Ein Hauch von Pathos und Liebe umweht ihn.

Ein Roman, der meine Jugend bewohnt. Der Science-Fiction Roman überhaupt, damals.

Ich war verliebt in Gamma und wollte jahrelang meine Tochter nach ihr benennen. Mein Selbstbild ist vielleicht sogar heute noch von Beth geprägt.

Der Roman gilt als der beliebteste utopische Roman der DDR, es wurden dort allein 170.000 Exemplare in vier Auflagen verkauft.

Er bedeutete für mich Träumen und Lieben und vor allem aber die Gewissheit, dass es eine gute Zukunft gibt. Da kannte ich "1984" und "Brazil" noch nicht.

Bei Shayol ist Andymon Band 2 der Werksausgabe und eröffnet damit eine Reihe von Texten, die die Steinmüllers thematisch um den terraformten Planeten geschrieben haben.

Es gilt wie überhaupt für die gesamte Werksausgabe, dass man sich als Fan durchaus eine gebundene Ausgabe gewünscht hätte, verdient wäre es gewesen, zumal der Preis des Taschenbuches mit 14,90 EUR sehr hoch ist. Meine holzpapierne Erstausgabe von 1982 kostete 5,80 M (der DDR).

Die Aufmachung bindet sich an Band 1. Vielleicht ist es die emotionale Bindung mit der Erstausgabe, aber das Cover der Werksausgabe kann nicht mit jener alten BASAR-Version mithalten.

Die Silhouette eines männlichen Kopfes, in dem ein Planet schwebt, ist wohl das erste "moderne" Kunstwerk, das ich mir genauer ansah. Damit kann das Cover der Neu-Ausgabe nicht mithalten. Das Bild einer Materiewolke auf Wolkenhintergrund erinnert an eine Stern-Reportage.

Aber das Buch!

Die Geschichte um das Entstehen von Menschen auf einem Raumschiff, ohne Eltern, nur von Maschinen ausgebildet, getröstet, belehrt, die sich aufmachen den von unbekannten Erbauern des Schiffes ausgewählten Planeten zu besiedeln. Eine Gemeinschaft von Geschwistern, immer in Achtergruppen, mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Ansichten, bilden den Grundstock einer utopischen Gemeinschaft, die vielleicht nur funktioniert, aber in erster Linie dabei sein lässt.

Zum wiederholten Male reparierte ich schamvoll Guro, landete mit Alfa auf der Insel, trauerte ich um Delth, überraschte mich die 4. Gruppe, wurden meine Pläne vom Schiffbau sabotiert und natürlich ist immer wieder Gamma dabei.

Sogar mehr als früher, denn der Roman wurde sorgfältig überarbeitet. So kann Gamma an Beths Schulter gelehnt mit dem Laptop nach den gelöschten Daten forschen, wird das Luftpolster zum Airbag und erst beim gezielten Nachlesen erkennt man die feinen Änderungen. Dadurch bleibt der Roman auch heute lebendig, frisch und visionär ohne mit Fernsehkameras und Schaltungen altmodisch zu wirken.

Heute lese ich die Szenen mit Resth anders. Bespitzelung und Diktatur waren mir als Jugendlicher fremd, ich lebte ja nicht im Westen, sondern in der DDR. Dass einige Dinge andersherum liefen, zeigte Andymon nicht, aber es ist enthalten. "Wir bauen Dir später mal ein Mausoleum" stand 1982 schon drin und der Anhang zeigt auf, warum es dort stehen konnte.

Als ich las, das dem Werk ein Nachwort angefügt wurde, stieg in mir die Erwartung, natürlich wollte ich wissen, wie dieses Buch in der DDR erscheinen konnte, das doch so anders war, als Tuschel, Kröger und Frühauf. Meine Neugierde wurde befriedigt, zum Teil Bekanntes aus ihrem Buch "Vorgriff auf das Lichte Morgen" aufgegriffen, aber es rundet diese Werkausgabe mehr als würdig ab.

Andymon bleibt eines meiner Lieblingsbücher. Und von einem Jugendabenteuer wird es zu einer Lebensbegleitung, auch wenn keiner meiner Söhne nach einem griechischen Buchstaben benannt wurde.

Vivat Andymon!

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Andymon. Eine Weltraum-Utopie

AutorInnen: Angela & Karlheinz Steinmüller

Reihe: Werke in Einzelausgaben, Band 2

Herausgeber: Hans-Peter Neumann und Erik Simon

Satz: Hans-Peter Neumann

Umschlaggestaltung & Herstellung: Ronald Hoppe

Taschenbuch, 302 Seiten

Shayol Verlag, März 2004

 

ISBN: 3926126337

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 16.08.2005, zuletzt aktualisiert: 10.01.2019 15:22