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Spezial zum Manga- und Anime-Treffen bei Modern Graphics

Redakteurin: Martina Klein

 

Am Samstag, den 28. April 2007, veranstaltete der bekannte Comic Shop Modern Graphics im Berliner Europa-Center ein Manga- und Anime-Treffen. Es waren einige ZeichnerInnen und Synchron-SprecherInnen zu einer Signierstunde eingeladen. Und es sollte ein Zeichenworkshop für Interessierte veranstaltet werden unter der Federführung der ebenfalls angekündigten Leute vom Comicwerk und von Mantaboards.

 

Trotz des schönen Wetters begab ich mich in die Katakomben des 70er-Jahre-mäßig in Dunkelbraun gehaltenen Europa-Centers, um mir das Ganze mal anzusehen. Ich hatte mir überlegt, auch gleich an dem angekündigten Zeichenworkshop teilzunehmen (Konnte ja schließlich nicht schaden, auch gleich noch ein bisschen besser zeichnen zu lernen, wo ich doch selbst seit Jahren verzweifelt versuche, halbwegs akzeptable Comics zu machen!).

 

Leider fand der Workshop dann gar nicht statt wegen der Abwesenheit der Mantaboards-Leute. Hatte ich wohl Pech gehabt... Wer jedoch im Gegensatz zu mir eine Mappe mit seinen Werken mitbrachte, hatte zumindest die Möglichkeit, sie den Zeichnern vom Comicwerk zu zeigen, mit denen ich mich dann eine ganze Weile unterhalten habe, da ihre Werke mir ja doch am Herzen liegen, seit ich den Artikel über das Comicwerk geschrieben habe. So ergriff ich die Gelegenheit, mich mal wieder auf den neuesten Stand ihrer Aktivitäten bringen zu lassen.

 

Zum einen wurde mir berichtet, was sie (auf dem Bild v.l.n.r.: Daniel Gramsch und Guido Neukamm vom Comicwerk) alles Neues im Programm haben, nämlich: Daniel Gramsch hat anlässlich ihres 10. Geburtstags die ersten Abenteuer seiner „Alina Fox“ in der originalen und unüberarbeiteten Fassung in dem Band „Alina Fox: The Early Years“ zusammen gefasst. Heraus gekommen ist ein Heft in toller Schwarz-Weiß-Optik in limitierter Auflage. Und den zweiten Band des diebischen „Biien“ von Guido Neukamm gibt es jetzt auch in Englisch. Ich habe mich mit Guido über die Probleme unterhalten, die so eine Übersetzung bereitet, da viele der Witze in einer anderen Sprache gar nicht richtig funktionieren. Hier ein Beispiel: Wie soll man nur den Dialog „Ich will einen Schatz heben. Hilfst du mir?“ / „Besser wäre, ‚Ich will einen heben, Schatz.’...“ übersetzen?! Wenn Ihr das Resultat wissen wollt: Kauft das Heft und unterstützt unsere Comic-Szene!

 

Zum anderen gehörte ihre Mitstreiterin Marika Herzog (auf dem Bild links) zu den zum Signieren angekündigten Zeichnerinnen. In ihrem neuesten Werk „Grimoire“, das bei der Veranstaltung präsentiert wurde, geht es um einen Jungen namens Darian, der zusammen mit seinen Brüdern ausgebildet wird, um später einmal für sein Volk in den schon mehrere Jahrtausende andauernden Krieg zu ziehen. In einem alten Lexikon erfährt er von dem sagenumwobenen und titelgebenden „Grimoire“, einem Buch, das eigentlich eine Waffe ist... „Grimoire“ ist ein sehr schön gezeichneter Manga, der uns in eine für Manga-Verhältnisse typische Phantasiewelt entführt, in der die menschenähnlichen Figuren Flügel tragen und zu einem Volk gehören, das eine uralte Tradition gespickt mit vielen Mythen und Wundern hat. Wer mal einen Blick hinein werfen will, kann das im Online-Magazins des Comicwerks, „LOA“ tun.

 

Des Weiteren war Marie Sann da (auf dem Bild in der Mitte, mit den roten Haaren), eine Manga-Zeichnerin, die auch zum Dunstkreis des Comicwerks gehört und ihr bei Tokyopop erschienenes „Sketchbook Berlin“ vorgestellt hat, das in Zusammenarbeit mit Guido Neukamm entstanden ist. In dem Buch geht es um die 16-jährige Leila, die mit ihrem Zeichenblock bewaffnet durch die Straßen von Berlin streift und dabei die verrücktesten Sachen erlebt. Die Zusammenarbeit zwischen der 18-jährigen Marie Sann und dem 41-jährigen Guido-Neukamm mag schon wegen des großen Altersunterschiedes auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Das Resultat gibt ihnen jedoch Recht.

 

Und dann war natürlich noch die ambitionierte Zeichnerin Fahr Sindram mit dem ersten Band ihres Mangas „Losing Neverland“ erschienen (auf dem Bild links), in dem es um ein wirklich schwieriges Thema geht. Um aus der Verlagsinfo zu zitieren: „In ‚Losing Neverland’ wendet sich Fahr Sindram gegen Kinderpornografie. Sie will zeigen, wie sehr Kinder unter sexueller Ausbeutung und Unterdrückung zu leiden haben.“ Die Geschichte spielt im fiktiven London des 19. Jahrhunderts. Es geht um den 14-jährigen Halbweisen Laurie, dessen Leben sich nur noch um „anschaffen gehen“ und die Prügel seines Vaters dreht, bis schließlich der kleine Tim in sein Leben tritt und er durch ihn auch die schönen Seiten des Lebens erfährt. Fahr Sindram hat sich mit ihrem Manga nicht bei allen beliebt gemacht: Da sie dem „Egmont Manga & Anime“-Verlag, kurz EMA, vorgeworfen hat, deren Manga „Loveless“ sei ein sogenannter Shotacon, also ein Manga, in dem sich Erwachsene sexuell zu kleinen Jungen hingezogen fühlen, ist man dort jetzt ziemlich sauer auf sie und weist den Vorwurf vehement von sich. Ob zu Recht oder zu Unrecht, soll hier jedoch ausdrücklich nicht Thema sein!

 

Bleiben wir lieber bei den im Rahmen der Veranstaltung gezeigten Comics, Mangas und anderen Produkten. Denn nicht nur fürs Auge, sonders auch fürs Ohr wurde etwas geboten. Man konnte einen Blick und sozusagen auch ein Ohr auf zwei deutsche Synchron-Sprecher werfen, die zumindest von ihrer Stimme her jedem vertraut sein dürften: Da waren Gundi Eberhard, die bei vielen Animes und TV-Serien mitgewirkt hat, so z.B. „Detektiv Conan“ und „Sex in the City“, und Michael Tietz (beide siehe Foto rechts), dessen Stimme allen bestens als „Neelix“ aus „Star Trek: Raumschiff Voyager“ bekannt ist.

 

Der Grund für ihr Kommen war, dass sie beide mitgewirkt haben an dem kürzlich erschienenen Hörspiel „Adams van Ghoot“, geschrieben von dem Autor Oliver Wenzlaff (auf dem Foto links, rechts neben ihm ist noch mal Gundi Eberhard; hier findet Ihr eine Rezension zu seinem Hörspiel im Fantasyguide), der ebenfalls anwesend war und mir eine ganze Weile sehr nett Rede und Antwort gestanden hat. Doch zunächst mal eine Kritik aus der Zeitschrift „Hörbuch Report“, die den Inhalt des Hörspiels kurz zusammenfasst und auf die Oliver auch ein bisschen stolz ist: „Ein absolut skurriler Hör-Spaß, hochkarätig besetzt mit den Stimmen vieler bekannter Hollywood-Schauspieler: Der linkische Bov liebt Jenny, die wird jedoch entführt von Adams, einem Alien vom Planeten Ghoot. Bov zieht gemeinsam mit einem mürrischen Hologramm los, um Jenny zu befreien, und trifft dabei auf einige seltsame Gestalten. Was Bov nicht weiß ist, dass Adams mit dem lieben Gott im Clinch liegt und sich anschickt, die gesamte Menschheit zu vernichten...“

 

Zum Hörspiel gibt es ein kleines Comicheft dazu, dass mir Oliver freundlicherweise geschenkt hat. (Auf dem Foto ist Diana Baur, die an dem Heft mitgearbeitet hat.) In dem Heft ist ein Ausschnitt der Geschichte in Comic-Form, gezeichnet in einem außergewöhnlichen und wirklich ausdrucksstarken Stil und ein Interview mit Oliver, in dem er noch einiges näheres zur Story erklärt: So gibt es in der Handlung einen Science-Fiction-Strang (der Kampf zwischen Adams und Gott) für die männlichen und einen Liebes-Strang (um Bov und seine angebetete Jenny) für die weiblichen ZuhörerInnen. Beide Stränge kreuzen sich, als Jenny von Adams Praktikanten entführt wird und Bov sie mit Hilfe seines Hologramms retten will. Die entfernte Ähnlichkeit mit Douglas Adams’ allseits bekanntem „Per Anhalter durch die Galaxis“ ist durchaus beabsichtigt. So heißt der Held hier nicht von ungefähr genauso mit Vornamen wie der berühmte Autor mit Nachnamen. Schließlich gehört „Per Anhalter durch die Galaxis“ zu Olivers erklärten Lieblingsbüchern, und sein Hörspiel ist gespickt mit Anspielungen auf die berühmte Buchreihe. Dass man immer wieder in vielen Rezensionen auf den „Anhalter“ verweist, stört ihn nicht, schließlich sind seine Anspielungen kein bloßes Abkupfern sondern ein Tribut an das sowieso unerreichbare Vorbild.

 

Wir haben uns dann dennoch eine ganze Weile über das Thema „Plagiat“ unterhalten. Ein Thema, das in der Comic- und Fantasy-Szene offensichtlich alle bewegt, da ich später durch Zufall auch noch mit Daniel Gramsch vom Comicwerk darauf zu sprechen kam, der dass Problem auch kennt, weil seine Comic-Heldin „Alina Fox“ eine gewisse Ähnlichkeit mit „Lara Croft“ aus „Tomb Raider“ aufweist. Obwohl man ihm noch nicht vorgeworfen hat, zu plagiieren, hat er sich intensiv mit diesem Thema in seinem Alina-Fox-Blog auseinandergesetzt.

 

Nun, die Frage, inwieweit es okay ist, sich von anderen Sachen inspirieren zulassen – ein Tatbestand, der natürlich nicht zu vermeiden ist, da man ja nicht ständig sozusagen „das Rad neu erfinden kann“ – und ab wann man eigentlich wirklich nur noch „abkupfert“, ist in der Tat schwierig zu beantworten. Wir haben jedenfalls keine Lösung gefunden, obwohl Daniel mich darauf hingewiesen hat, dass sich vor gar nicht allzu langer Zeit, nämlich im Jahre 2001, tatsächlich ein gewisser John Keogh of Hawthorn das Rad hat patentieren lassen. Hm, ob der das auch wirklich neu erfunden hat...?!

 

Mit Daniel Gramsch habe ich mich dann noch über die folgenden vier zentralen Fragen im Leben eines Comic-Künstlers unterhalten:

 

1. "Kann man davon eigentlich leben?"

2. "Liest das auch wer?"

3. "Aber Sie haben auch was Richtiges gelernt?“

4. "Können Sie eigentlich auch was Schönes malen?“

 

Zu jeder dieser Fragen, die wirklich jeder kennt, der mehr oder weniger (meistens leider eher weniger...) erfolgreich versucht, selber Comics zu machen, ist ein eigenes Heft seiner Reihe „Slackers Unlimited“ geplant, bzw. bereits erschienen (letzteres trifft für die Nummer 1 und seit kurzem auch für die Nummer 2 zu), in dem locker versucht wird, darauf in vielen jeweils über eine Seite gehende Cartoons eine Antwort zu finden. Die Hefte, in die ich einen kurzen Blick geworfen habe, sind wirklich sehr ansprechend gestaltet. Der Zeichenstil ist sehr reduziert und die Figuren, die mehr oder weniger angelehnt sind an Daniel und seine Kollegen vom Comicwerk, wirken sehr sympathisch. Sie alle arbeiten zusammen in der Redaktion eines Comicverlages und erleben dabei den alltäglichen Wahnsinn. Mehr dazu im Online-Magazin „LOA“.

 

Alles in allem war das Manga- und Anime-Treffen von „Modern Graphics“ ein wirklich gelungenes und sehr herzliches Event, auf dem man viele nette Leute treffen konnte und eine Menge davon sehen konnte, was sich derzeit brandaktuell auf dem deutschen Comic- und Manga-Markt tut. Alexander Brewka vom „Modern Graphics“-Laden hat sich sehr engagiert und rührend um alle, die als eingeladene Gäste und Besucher gekommen waren, gekümmert, so auch um mich, die ich sozusagen als „Vertreterin der Presse“ erschienen war. Vielen Dank an dieser Stelle noch mal dafür!

 

Das Treffen war sehr gut besucht. Während sich die älteren Leute eher für die Synchron-SprecherInnen und die klassischen Comics interessierten, warteten die jüngeren Mädchen geduldig in langen Schlangen bei den schon bekannteren Manga-Zeichnerinnen Marie Sann und Fahr Sindram, um ein Autogramm zu bekommen.

 

Mir viel auf, in welchem Kontrast die moderne Veranstaltung des Ladens „Modern Graphics“ zu dem stark angestaubt wirkenden Europa-Center stand. Wer schon mal dort war, wird sich in etwa vorstellen können, was ich meine. Da hatte das Ambiente schon fast etwas Skurriles, was man sozusagen als I-Tüpfelchen des Ganzen bezeichnen könnte.

 

War also echt toll, und wer nicht da war, hat wirklich was verpasst - auch ohne Zeichenworkshop!

 

Eure Meinung:


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Weitere Infos:

Comic-Laden Modern Graphics:

www.modern-graphics.de

 

Adams van Ghoot

(Brainwork Music):

www.brainwork-music.de

 

Marie Sann:

www.marie-sann.de

 

Comicwerk:

www.comicwerk.de

 

Alina Fox - Thief Extraordinaire

(Daniel Gramsch):

www.alinafox.de

 

Biien – Der Schatten

(Guido Neukamm):

www.comicdesign.de

 


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Erstellt: 14.05.2007, zuletzt aktualisiert: 23.01.2015 22:09