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Auch keine Tränen aus Kristall von Alan Dean Foster

Reihe: Humanx Commonwealth

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Ryo ist ein Thranx, ein intelligentes Insektenwesen. Schon im Larvenstadium fiel auf, dass er anders war als seine Altersgenossen, ein Tagträumer. Im Erwachsenenalter sucht Ryo beständig nach seiner Bestimmung – es muss doch mehr im Leben geben als seine Fähigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen? Als plötzlich haarlose, zweibeinige Ungeheuer auftauchen, die sich Menschen nennen und die Raumfahrt ebenfalls beherrschen, ist Ryo, der Träumer, plötzlich der wichtigste Thranx überhaupt …

 

Rezension:

Wenige Science-Fiction Autoren weisen eine so große Bandbreite an Themen, Figuren und Franchise-Arbeiten auf wie Alan Dean Foster. Denn bilden die Werke aus dem Humanx Commonwealth Universum das Zentrum seines Schaffens. Es basiert auf eine fast symbiontische Verbindung zweier Zivilisationen und deren Rassen. Aus den insektoiden Thranx und uns Menschen wurde eine sich gegenseitig ergänzende Gemeinschaft. Mit dem 1982 erschienenen Roman Nor Chrystal Tears beschrieb Foster den Erstkontakt der beiden raumfahrenden Zivilisationen und behandelt darin das Überwinden körperlicher, psychischer aber auch kultureller Hürden.

Ryo aus der Familie Zen, aus dem Clan Zu, aus der Wabe Zex kommt auf Willow-wane zur Welt. Seine ersten bewussten Gedanken als Larve drehen sich um ganz typische Fragen. Etwa: Was sind Farben? Was will ich werden? Doch während Thranx-Larven normalerweise bereits vor ihrer Metamorphose wissen, was sie einmal für eine berufliche Laufbahn einschlagen werden, interessiert sich Ryo für alles. Zugleich verspürt er eine unerklärliche Sehnsucht, die für Thranx-Verhältnisse deutlich in eine Persönlichkeitsstörung weisen.

Da Ryo ein normales und ungestörtes Leben zu führen wünscht, wird er Farmer. Dass sein Leben aber in eine ganz andere Richtung zeigen könnte, wird ihm so richtig bewusst, als sein schnelles Eingreifen während eines AAnn-Angriffs größeren Schaden zu verhindern hilft. Doch erst die Nachricht eines alten Bekannten seiner Lebensgefährtin, der als Kapitän eines Raumschiffes von der Begegnung mit grässlichen Monstern berichtet, lässt Ryo erkennen, dass er genau darüber mehr erfahren will. Dass es ihn hinaustreibt ins All.

Und so macht er sich gegen den Willen seiner Wabe, gegen den Willen seiner Liebsten auf den Weg nach Hivehom, der Thranx-Heimatwelt, um die neuen Aliens kennenzulernen …

 

Foster konnte mit »Auch keine Tränen aus Kristall« zwar voraussetzen, dass seine Leserschaft bereits Kenntnisse über die Thranx besitzt, doch nutzte er die Larvenzeit von Ryo ganz clever, um Lebensweise, Gesellschaft und Biologie der Insektoiden anschaulich zu erläutern. Dabei ist die Verfremdung zum Menschen eher gering. Die Thranx sind hierarchischer, ordnen sich der Gesellschaft eher unter und suchen stets nach praktischen, friedlichen Lösungen für Probleme. Was allerdings auch zu einer Art Lethargie führt, Kreativität einschränkt und eine geringe Flexibilität gegenüber Unbekannten mit sich bringt.

Für Fosters Humanx-Universum ergeben die Thranx dadurch aber auch eine Komponente, die der Menschheit fehlt, während sie den Thranx im Gegenzug etwas mehr Spontanität und Anstöße schenken können. Doch müssen beide Rassen zunächst ihre Instinkte überwinden. Menschen mögen Insekten nicht besonders und Thranx erinnern sich noch gut an alte Fressfeinde, die ebenfalls Säugetiere waren.

Foster beschreibt in »Auch keine Tränen aus Kristall« eine Annäherung, die zwar durch Tricks und mutigen Einsatz einiger Einzelpersonen erreicht wird, aber tatsächlich der Beginn einer fruchtbaren Freundschaft darstellt. Er nutzt dafür etliche Abenteuer, eine Expedition, die an Jules Verne erinnert und bringt ganz nebenbei auch typische menschliche Schwächen wie Neid und Missgunst aufs Tapet. Der grundsätzlich optimistische Grundton der Reihe strahlt dabei durch die gesamte Geschichte und bleibt dadurch dem Wunsch Fosters nach friedlicher Koexistenz verbunden.

 

Die Heyne-Ausgabe aus dem Jahr 1985 ziert ein kontroverses Cover von Jobst Teltschik, das jedoch den grundlegenden Konflikt des Buches künstlerisch sehr treffend bebildert.

 

Fazit:

»Auch keine Tränen aus Kristall« von Alan Dean Foster ist nicht nur eine berührende Utopie über die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens ganz unterschiedlicher Rassen, es ist auch ein spannender SF-Abenteuerroman in der großartigen Kulisse des Humanx Commonwealths. Das Buch reiht sich wunderbar in die berühmten Werke dieses Foster-Universums ein.

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Eure Meinung:

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Buch:

Auch keine Tränen aus Kristall

Reihe: Humanx Commonwealth

Original: Nor Chrystal Tears, 1982

Autor: Alan Dean Foster

Übersetzer: Heinz Nagel

Cover: Jobst Teltschik

Taschenbuch, 287 Seiten

Heyne, 1985

 

ISBN-10: 3453311159

ISBN-13: 978-3453311152

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00IHDQ2WC

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 13.03.2017, zuletzt aktualisiert: 10.01.2019 15:22