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Autorität von Jeff VanderMeer

Reihe: Southern Reach Band 2

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Nach der katastrophalen zwölften Expedition, die in »Auslöschung« geschildert wurde, befindet sich Southern Reach in Auflösung. John Rodriguez, der neu ernannte Kopf der Organisation, muss sich durch eine Reihe frustrierender Verhöre, einen Berg verschlüsselter Notizen und Stunden verstörender Videoaufnahmen arbeiten, um die Geheimnisse von Area X zu lüften. Aber jede neue Entdeckung konfrontiert ihn mit bestürzenden Wahrheiten – über sich selbst und die Organisation, der er die Treue geschworen hat …

 

Rezension:

Der Mittelteil der Southern-Reach-Trilogie von Jeff VanderMeer beschäftigt sich mit der Ereignissen innerhalb der Organisation Southern Reach nach dem Ende der zwölften Expedition in die geheimnisvolle Area X. Insofern setzt Autorität fast unmittelbar den ersten Band Auslöschung fort.

 

Southern Reach bekommt einen neuen Direktor, da sich hinter der Psychologin aus Band eins niemand anderes verbarg, als die bisherige Direktorin.

John Rodriguez gilt als eine Art Feuerwehrmann für staatliche Projekte, die zu scheitern drohen. Seine Mutter ist eine einflussreiche Mitarbeiterin der Oberbehörde Central, er selbst nennt sich Control und hat die feste Absicht, Ordnung in die sich in Auflösung befindliche Organisation zu bringen. Doch die stellvertretende Direktorin Grace mauert und eine effektive Zusammenarbeit scheitert nicht nur an mangelnder Chemie zwischen ihnen.

Hinzu kommen die Rätsel im Büro der alten Direktorin und die Verhöre der Biologin. Denn drei der vier Frauen der zwölften Expedition tauchten plötzlich wieder in ihren Heimatorten auf. Doch Control interessiert sich allein für die Biologin und während er noch meint, eine ordentliche Untersuchung der Ereignisse in Area X durchzuführen, entgleitet ihm die Kontrolle immer mehr …

 

Kontrolle ist ein Kernthema des Romanes. Den zunächst schleichenden und dann immer schneller einsetzenden Kontrollverlustes in seiner Funktion als Direktor illustriert VanderMeer mit einem sehr deutlichen Bild, wenn Control sich darüber freut, wenigstens durch das Drücken der Control-Taste seiner Tastatur noch etwas bewirken zu können.

VanderMeer nutzt dabei eine raffinierte Technik. Ganz langsam ändert sich seine Erzählweise, sodass wir mit seinem Protagonisten zusammen anfangen, im Text zu schwimmen. Natürlich könnte das Empfinden von Längen im Text auch ein Zeichen von Mangel an Qualität sein, aber zu offensichtlich wird die Erzählweise des Finales wieder klarer und vor allem fokussierter. Der schon fast psychedelische Mittelteil mag das Lesen zur Qual machen, aber er bereitet auf jenen Bruch vor, an dem der äußerliche Kontrollverlust mit der Rückeroberung der inneren Kontrolle einhergeht.

Die Erkenntnis über das Zusammenspiel der privaten und dienstlichen Kämpfe stellt insofern auch eine neue Sicht auf die Figur Control her. Der als Feuerwehrmann abfackelnder Projekte beworbene Fachmann zeigt sich zunächst überhaupt nicht als eine Identifikationsfigur. Vielmehr muss man seinem Scheitern zusehen. Doch die Figur ist zum Glück nicht so einseitig. VanderMeer besticht nach der tiefgehenden Psychologisierung der Biologin im ersten Band ein weiteres Mal. Und selbst jener Frau kann er noch eine neue Fassette hinzufügen.

Am meisten Profil im Vergleich zum »Auslöschung« gewinnt natürlich die Psychologin aka ehemalige Direktorin. Nicht nur ihre Lebensgeschichte wird in groben Zügen aufgeklärt, auch ihre Persönlichkeit nimmt sehr viel deutlichere Konturen an. Dabei spielt die Untersuchung Controls eine wichtige Rolle. Die Hinterlassenschaften in ihrem Büro, in ihrer Wohnung aber vor allem die Spuren, die sie in Southern Reach selbst hinterließ, ergeben ein ungemein buntes Bild der Frau. Mit Grace, der stellvertretenden Direktorin, erleben wir so etwas wie eine Leibwächterin, die ihr Ansehen und ihre Arbeit über den Tod hinaus verteidigt. Control wird den Nachhall seiner Vorgängerin nicht los. VanderMeer hat dafür noch weitere Gründe, die sich erst zum Ende des Bandes hin erhellen.

 

Hatte man zunächst die Befürchtung, einen eher langatmigen Roman über trockenen Büroalltag zu lesen, reißt uns der Autor nach und nach immer tiefer in die Anomalität seiner Area X hinein. Und das verspricht für den abschließenden Band eine Menge.

 

Fazit:

Mit »Autorität« gelingt Jeff VanderMeer eine raffiniert gestrickte Fortsetzung des ersten Bandes seiner Southern-Reach-Trilogie. So erfahren wir nicht nur weitere Hintergründe, sondern lernen auch einige der Protagonistinnen besser kennen. Ein Roman, dessen Sog sich langsam entfaltet, aber dafür umso mitreißender.

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Buch:

Autorität

Reihe: Southern-Reach Band 2

Original: Authority, 2014

Autor: Jeff VanderMeer

Übersetzer: Michael Kellner

Taschenbuch: 365 Seiten

Knaur TB, 2. Mai 2017

Cover: Martin Benner und Jason Jaroslav Cook

 

ISBN-10: 3426518058

ISBN-13: 978-3426518052

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00SCF766Q

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 16.04.2018, zuletzt aktualisiert: 16.04.2018 19:32