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Das Artefakt von Andreas Brandhorst

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Dies ist die letzte Chance der Menschheit: Nachdem sie eine interstellare Katastrophe verursacht haben, die nur durch das Eingreifen der Hohen Mächte eingedämmt werden konnte, müssen die Menschen innerhalb von 600 Jahren beweisen, dass sie zu dauerhaftem Frieden fähig sind. Und das Vorhaben der Menschen scheint unter einem guten Stern zu stehen: Der Planet Heraklon wird zum Zentrum des Friedens und der Diplomatie. Doch dann taucht ein uraltes Artefakt auf, so mächtig, dass es den Technologien der Hohen Mächte ebenbürtig ist – und der Krieg beginnt aufs Neue ...

 

Rezension:

Rahil Tennerit wird wiedergeboren. Wie es sich für einen SF-Roman gehört, hat dabei natürlich Technik ihre Hand im Spiel und somit ist Rahil eine Kopie, geschaffen in einem künstlichen Uterus, weil das Original im Einsatz starb. Versehen mit dem letzten Sicherungsstand der Persönlichkeit und weitreichenden Sondervollmachten, wird er zurück an den Einsatzort geschickt. In der Hoffnung, dass er zum einen ein Update seiner Erinnerungen findet und zum anderen ein Krieg aufhalten kann, der eventuell verhindert, dass die Menschen in den erlauchten Kreis anderer Zivilisationen aufgenommen wird. Denn ihre Bewährungsfrist läuft gerade ab …

 

Andreas Brandhorst wirft uns und seine Hauptfigur mitten hinein in einen riesigen Kosmos. Technik, Rassen, Völker und Hintergründe in rauen Massen – ein mehrseitiges Glossar gibt einen Eindruck vom Umfang. Allerdings sind es oft nur neue Namen für allbekannte Konzepte. Was aber kein Problem darstellt, wenn man auch nur halbwegs die SF der letzten Jahre verfolgt. Der Tisch ist reich gedeckt und Brandhorst verschwendet keine Zeit mit technischen Erläuterungen. Vielmehr stellt er seine Hauptfigur in den Mittelpunkt der Betrachtung. Rahil muss nicht nur mit fehlenden Erinnerungen klarkommen, recht schnell stellt sich heraus, dass er im Spiel verschiedener Mächte eine Rolle spielen soll. Die Hierarchie der Zivilisationen lebt vom technologischen Unterschied. Die Menschheit spaltete sich vor sechshundert Jahren. Durch eine selbstverschuldete kosmische Katastrophe gibt es die Gefallenen Welten, deren Zugang zu höherer Technik von der Ägide eingeschränkt wird, einem Zusammenschluss von Welten, die damals nicht an dem Unglück beteiligt waren.

Die Ägide wiederum ist es, die den Aufstieg anstrebt, sich beweisen muss und durch die Hohen Mächte ebenfalls technologisch an der kurzen Leine gehalten wird. Zum Brennpunkt der Ereignisse entwickelt sich der Planet Heraklon, denn das dort gefundene Artefakt weckt Begehrlichkeiten bei allen Beteiligten, handelt es sich doch um eine Superschmiede. Mit ihr kann man einfach alles herstellen. Waffen, Raumschiffe, künstliches Leben oder gar Unsterblichkeit und Reisen in der Zeit. Als Gedankenkonstrukt ist diese Kontrollinstanzpyramide durchaus interessant.

Brandhorst bewertet das Gebot der Nichteinmischung, indem er es durch seine Hauptfigur und etwas Hilfe von außen wie einen gordischen Knoten zerschlagen lässt.

 

Auf seinem Weg zur Erkenntnis lernen wir Rahils Motivation und Werdegang durch diverse Rückblenden und später durch die wieder gefundenen Erinnerungen besser kennen. Das verwirrt zunächst, ergibt im Nachhinein aber einen Sinn. Leider opfert Brandhorst diese ethische Profilierung seines Protagonisten einem Ende, der dem Tenor des Romans zuwiderläuft und damit in höchstem Maße unglaubwürdig wird. Wenn man überall Lug und Trug versteckt, es als systemimmanent definiert, ist ein Saubermann schwer zu verkaufen.

Die Nebenfiguren differieren vom verbohrten Despoten, über den Love-Interrest bis hin zum zunehmend nützlicheren Assistenten, dienen aber stets nur als Vehikel der Erinnerung und Wissensvermittlung. Selbst die Figur der Schwester bleibt blass und wird im Finale ziemlich unmotiviert in eine Rahil ebenbürtige Persönlichkeit transformiert.

 

Bis zu diesem faden Ende aber liefert Brandhorst eine bunte SF-Geschichte, die spannend und gut geschrieben ist und problemlos mit vergleichbaren englischsprachigen Werken mithalten kann. Diverse Längen und vor allem zu Beginn zu ausufernde Hintergrundinformationen muss man allerdings überwinden. Der Heyne Verlag schenkt dem Buch leider ein hässliches 0815-Cover und bläst den Roman durch editorische Tricks zusätzlich unnötig auf.

 

Fazit:

Solide Space-Opera mit hohem Unterhaltungspotential aber unbefriedigendem Schluss.

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Eure Meinung:

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Buch:

Das Artefakt

Autor: Andreas Brandhorst

Taschenbuch, 656 Seiten

Heyne, 9. Januar 2012

 

ISBN-10: 3453528654

ISBN-13: 978-3453528659

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B006H7YW1I

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

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Erstellt: 27.08.2013, zuletzt aktualisiert: 16.04.2019 09:45