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Das Darwin-Virus von Greg Bear

Rezension von Martin Hammerschmidt

 

Aus einer Mutation entstanden und wieder in einer zu verschwinden. Könnte das der Menschheit wirklich passieren?

Schuld daran sind uralte Viren, die vor zig tausend Jahren in den Versenkungen unserer Gene in Vergessenheit geraten sind und nun wieder hervortreten. Steht die Menschheit vor ihrer Vernichtung, ohne Einfluss genommen zu haben?

Alles hängt nun von Gentechnikern ab, um das drohende Unheil abzuwenden.

Mit diesem brisanten Thema beschäftigt sich Greg Bears neuster Wirtschaftsthriller, der eine Mischung aus Realität und Science-Fiction verbindet.

 

„Das Darwin-Virus“ ist so plausibel und realitätsnah geschrieben, dass sich sogar ein Artikel in dem Wissenschaftsmagazin „Nature“ mit der Theorie, ob sich in den menschlichen Genen tatsächlich Viren finden, die uns weiter mutieren lassen, beschäftigt.

Greg Bear setzt sich hier mit einem aktuellen Thema äußerst detailliert auseinander. Gerade in Zeiten von Klonen von Tieren, genmanipuliertem Essen und Pflanzen ist dieses Thema nicht nur interessant, sondern auch hochaktuell.

 

Kurzbeschreibung:

 

Hoch oben in den österreichischen Alpen stößt der Archäologe Mitch Rafelson auf einen sensationellen Fund: Drei Mumien haben in einer Eishöhle die Zeiten überdauert, und ganz offensichtlich handelt es sich dabei um Eltern und Kind. Doch während die beiden Erwachsenen Neandertaler zu sein scheinen, ist der Nachwuchs ein moderner Mensch. Währenddessen untersucht die Molekularbiologin Kaye Lang ein altes Massengrab in Georgien -- und alle weiblichen Opfer sind schwanger. Was haben die beiden Vorfälle gemeinsam? Alle Leichen sind von einem Virus infiziert, welcher gerade weltweit die Gesundheitsbehörden in Alarmbereitschaft versetzt.

 

Bei einer Bergsteigertour findet Mitch mit zwei Bergsteigerkollegen rätselhafte Skelette. Eine Familie, die seit über tausend Jahren in der Höhle konserviert liegen muss.

Das seltsame daran: Die Eltern scheinen allen Ansichten zufolge Neandertaler zu sein, doch das Baby weist Merkmale auf, welche darauf hindeuten, dass das Neugeborene ein moderner Mensch sein muss. Ein homo sapiens sapiens!

Die Mutter und das Kind starben an einem Loch, welches sich in ihrem Bauch befand.

Warum hat man die Familie samt ihrem Kind getötet? War etwas an ihnen anders, was die anderen Neandertaler so verschreckte, dass sie zu solch drastischen Maßnahmen greifen mussten?

Ein Virus oder etwas in der Art?

Während sich Mitch wegen Grabraub verantworten muss, wird Kaye zu einem Massengrab in Georgien berufen. Auch hier findet man die gleich Anzeichen, die Mitch bei der Neandertalfamilie in den Alpen gefunden hat. Wieder wurden die werdenden Mütter mit einem Loch im Bauch getötet. Auch die toten Kinder weisen Merkmale auf, die denen, des Neandertalbabys ähnelt.

Christopher Dicken, Virusjäger in den USA, hat auch schon Vorfälle in anderen Länder untersucht, die allesamt die gleich Symptome aufweisen.

Während sich Kaye noch mit dem Selbstmord ihres Mannes herumplagen muss, analysieren die Wissenschaftler ein äußerst seltsames Phänomen.

Frauen werden schwanger, verlieren ihr Baby jedoch in den ersten drei Monaten und werden ohne sexuellen Kontakt eines Mannes erneut schwanger. Das „Warum“ kann sich noch niemand erklären.

Die Wissenschaftler taufen diesen neuen Virus „SHEVA“, der mit einem Grippevirus in Verbindung gebracht wird, der seltsamerweise den Namen Herodes-Grippe bekam.

Kaye und Dicken versuchen nun, die Fälle in Georgien und denen in anderen Ländern miteinander in Einklang zu bringen

Mitch muss sich erst in seinem eigenen Leben zu Recht finden, bevor er schließlich mit Dicken und Kaye in Verbindung tritt.

Als die drei sich dann im Zoo treffen und wilde Spekulationen anstellen, werden einige Puzzelteile aus der riesigen Schachtel nach und nach zusammengesetzt.

Ist das SHEVA-Virus nur eine Hilfe des menschlichen Genoms, um den Stress in den Griff zu bekommen. Entwickelt sich ein neuer Phänotyp, welcher den nachfolgenden Generationen hilft, den Stress besser zu regulieren und in den Griff zu bekommen. Will das SHEVA-Virus uns Menschen nur helfen? Die drei vermuten, dass das SHEVA-Virus dem Menschen nur dabei hilft einen neuen Evolutionsschritt zu vollziehen, weiter nichts.

Die drei Wissenschaftler sind sich einig, noch mehr Beweise zu sammeln, bevor mit dieser spekulativen Theorie an die Öffentlichkeit zu treten.

Doch am nächsten Tag kommt alles völlig anders.

In Mexico City wird der zweite Fetus, von dem sich Mitch, Kaye und Dicken erhofft haben, einen neuen Phänotyp vor sich zu haben, tot geboren. Vor dem Konferenzhotel, in dem das wissenschaftliche Team eine Tagung hat, kommt es zu einer Demonstration von Frauen und Tage später wird das Kapitol in Washington gestürmt und vier Senatoren werden getötet und Tausende unschuldige Zivilisten verletzt. Viele Menschen, insbesondere Frauen wehren sich gegen die Maßnahmen, die die Regierung getroffen hat.

Da Kayes Vermutung auf so starken Widerstand mit ihrer Theorie bei den Wissenschaftlern stößt, kündigt sie schließlich und ist nun mittellos. Sie hat nur noch den Erlös aus dem Verkauf ihres alten Hauses und ihren guten Ruf.

Als sie sich schließlich in Mitch verliebt, entschließen sich die beiden, die Brücken hinter ihnen abzubrechen und nach Seattle zu fahren wo Mitch, ebenfalls ohne Job, ein kleines Appartement besitzt. Auf der Fahrt nach Seattle wird Kaye schwanger, mit Absicht. Sie weiß, dass sie SHEVA infiziert ist, doch sie will das Kind unbedingt austragen, koste es was es wolle.

Mitch und Kaye beschließen sich mit einer handvoll Wissenschaftlern zu treffen, welche ihre Meinung weiter vertiefen und Indizien für den neuen Evolutionsschritt suchen wollen.

Die Regierung muss zu drastischen Maßnahmen greifen, um die vielen Aufstände niederzuschlagen. Zwar benutzt noch kein Offizieller das Wort „Kriegsrecht“, doch die Umstände, dass jeder SHEVA-Infizierte schwangere Frau sich registrieren lassen muss, lässt schon vieles daraufhin deuten. Während bei einem Bombenanschlag im Weißen Haus der Präsident und einige Gouverneure getötet werden, plagt sich Kaye mit ihrem Sekundärfetus herum.

Wird das Baby gesund zur Welt kommen und werden es die staatlichen Behörden ihr wegnehmen, oder schafft sie es sich zu verstecken und das Baby, tot oder lebendig, zu entbinden? Ist der nächste Evolutionsschritt von den korrupten Wissenschaftlern und Politikern noch aufzuhalten? Wie weit würden sie gehen, um alles aufzuhalten? Sind die Neugeborenen überhaupt sicher oder werden sie sich in eine grauenhafte Zukunft begeben?

 

Greg Bear gelingt mit „Das Darwin-Virus“ ein genialer Wirtschafts- und zugleich auch Realitätsthriller, der die Ausmaße eines weiteren Evolutionsschrittes erschreckend realistisch veranschaulicht. Alleine für die Idee gebührt Bear Lob und Respekt. Auch die Umsetzung ist sehr gelungen. Zwar ist der Spannungsbogen nicht so gespannt wie es ein Dan Brown, Tom Clancy oder John le Carré schafft, doch ist die Geschichte unglaublich realistisch geschildert. Insbesondere die Reaktion der Öffentlichkeit und die der Politiker und Wissenschaftler. Hier wird wieder einmal deutlich, wie wenige eine einzelne Person gegen die Mehrheit ausrichten kann. Die zwischendurch erwähnten, teilweise hochwissenschaftlichen, Erläuterungen der biologischen Fachbegriffe stoppen die Handlung nur kurzweilig. Es entsteht nicht der Eindruck, dass der Autor mit seinem Wissen angeben will, er will lediglich versuchen dem Leser den Eindruck erwecken, wie Interessant doch die Molekularbiologie sein kann. Wenn man sich doch anschaut, dass die Nobelpreise für Chemie und Medizin sich mit dem Thema Gene beschäftigt hat. Die Geschichte driftet zwar nach einiger Zeit in Science-Fiction ab, doch bleibt sie dennoch glaubwürdig und nachvollziehbar. Schließlich erläutert Greg Bear die Hintergründe für die ganzen Revolten der Bürger stichhaltig und lässt hier unweigerlich erkennen, was für Ausmaße eine Volkszählung von bestimmten Menschen (hier die der SHEVA-Mütter) nehmen kann.

 

Das Ende ist dann eine kleine Sensation. Wirklich gekonnt beendet Greg Bear die Geschichte und lässt dabei das absolute Ende jedoch offen.

Schließlich gibt es ja einen weiteren Roman. „Die Darwin-Kinder“!

Nachdem man „Das Darwin-Virus“ gelesen hat, freut man sich richtig auf den folgenden Roman.

 

Alles in allem ein geniales Buch, dass für Biologiefreunde wie geschaffen ist. Neben wissenschaftlichen Zusammenfassungen kommt die eigentliche Handlung auf keinen Fall zu kurz. Wenn man dieses Buch als Biologiefan gelesen hat, ist der Folgeband ein wahrhaftes Muss. Für alle Freunde, die Thriller zwar mögen, aber mit wissenschaftlichen Erkenntnissen nichts zu tun haben wollen, rate ich das Buch nicht zu lesen.

„Das Darwin-Virus“ hat sage und schreibe vier Anhänge, die allen Grund haben, erwähnt zu werden. Neben den üblichen Standartanhängen wie „Danksagung“ und „Nachwort“ fasst Greg Bear die Grundkenntnisse der Molekularbiologie auf wenigen Seiten zusammen. Ebenso wird das Buch um ein „Kurzes Glossar zu biologischen Fachbegriffen“ ergänzt, damit auch etwaige Laien das Buch ansatzweise verstehen können.

 

Am Schluss bleibt es ein Buch, was genial bis überragend ist. Die Idee ist gekonnt und genial zu Ende geknüpft worden.

Respekt Mr. Bear!

 

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Das Darwin-Virus

Autor: Greg Bear

Broschiert: 560 Seiten

Verlag: Heyne; Auflage: 1 (Mai 2005)

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453520580

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.10.2006, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57