Das große Sterben (Sin City Bd. 3)
 
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Das große Sterben

Reihe: Sin City Bd. 3

Rezension von Christian Endres

 

Zum dritten Mal besuchen wir Frank Millers Stadt der Sünde, und diesmal begeben wir uns vornehmlich in die Altstadt, die von einer ganz besonderen Form der Liebe und engelsgleichen Teufeln – oder doch eher teuflischen Engeln? – beherrscht wird. In Das große Sterben (orig.: The Big Fat Kill) treffen wir zu Hauf auf alte Bekannte, die wir schon in den beiden Vorgängern der Reihe kennen gelernt haben; Bekannte wie den nunmehr nur noch innerlich zerrissenen Dwight, die schöne Shellie, die betörende Gail und die tödliche Miho – sie alle sind in eine Angelegenheit verwickelt, die wieder einmal zeigt, wie hart und ruchlos es in der Stadt der Sünde zu geht, und wie anstrengend es manchmal schon sein kann, einfach nur am Leben zu bleiben.

 

Die Altstadt ist das Revier der Huren, die dank eines Abkommens mit den größtenteils korrupten Ordnungshütern der Stadt ihrer Arbeit nachgehen können, ohne großartig gestört zu werden. Ein Bruch dieses Abkommens würde zu einem Krieg mit der Polizei, aber auch der Mafia führen, den leichten Mädchen ihre Freiheit kosten und sie zudem in die Zeit der Zuhälterei zurück katapultieren. Solange die Altstadt jedoch fest im Griff der beherzten Damen ist, passen diese mit Argusaugen darauf auf, dass Fremde keine Unruhe stiften, sprechen ihr eigenes Recht und sorgen – wenn nötig mit Gewalt – für Ordnung. Diese Ordnung droht jedoch zu kippen, als ihnen ein eines Nachts ein folgeschwerer Fehler unterläuft und sie über einen Mann richten, der besser unangetastet geblieben wäre. Als Gail und die anderen ihren Fehler erkennen, ist es fast schon zu spät, und so steht es auch noch in den Sternen, ob Dwight, der sich mal wieder für alles verantwortlich fühlt und sich in die Geschicke der Ladies einmischt, die Sache geradebiegen kann, zumal irgendwer scheinbar größeres Interesse daran hat, die Angelegenheit nicht unter den Tisch fallen zu lassen, und ein Killerkommando auf Dwight ansetzt, um den Vertuschungsversuch zu durchkreuzen und die Altstadt aus der Hand der Frauen zu befreien. Ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit und einen Feind, dem weder Entführung oder Mord, noch der Einsatz von Söldnern zu wider ist, nimmt seinen Lauf und endet wie der Titel verspricht mit einem gewalt(tät)igen Showdown in den engen Gassen der Altstadt ...

 

Die Zeichnungen, mit denen Miller seine häufig von fast schon lyrisch anmutenden Textpassagen begleitete Story zu Papier gebracht hat, sind gewohnt stimmungsvoll, und diesmal kommt das, was ich bereits bei der Besprechung des ersten Bandes erwähnt hatte, voll zum Tragen: Sein Stil bricht auch bei schnellen Verfolgungsjagden mit dem Auto nicht ein und bringt neben massig Atmosphäre auch viel Tempo und Dynamik in die einzelnen Bilder, so dass man – um nur ein Beispiel zu nennen – die regennassen Reifen förmlich quietschen und Gummi auf der Straße zurücklassen hört. Nach wie vor fesseln einen die Schwarzweißbilder, geizen nicht mit netten Effekten und Innovationen und sind neben der interessanten Story weiterhin ganz klar der große Pluspunkt dieser außergewöhnlichen Serie.

 

Kein Interview, kein Vorwort, dafür aber ein paar farbige Zeichnungen zu Beginn und eine kleine Sketch-Gallery am Ende des Bandes, wie wir sie auch von den Hellboy-Bänden aus dem Hause Cross Cult gewohnt sind, vermerken wir als zusätzliche Goodies zwischen den festen Buchdeckeln dieses abermals klasse gestalteten und schön verarbeiteten Hardcovers. Unter anderem geben sich am Ende Comicgrößen wie Mike Mignola, John Romita und Joe Kubert die Ehre und präsentieren uns Pin-Ups bekannter Figuren aus Millers Sin City-Universum, wobei dem aufmerksamen Beobachter auffällt, dass auch diese größtenteils männlichen Zeichner zum Teil einen Narren an Nancy gefressen zu haben scheinen ...

 

Fazit: Der dritte Band dieser äußerst lesenswerten Reihe erweitert Sin City dank der intensiven Darstellung des dortigen Kiezes und seiner Spielregeln um einen interessanten Schauplatz, dessen Gesetze uns von Miller anschaulich und in tollen Bildern näher gebracht werden. Die Story selbst bleibt zwar ein wenig hinter ihren beiden Vorgängern zurück, reitet aber trotzdem noch auf der richtigen Welle und weiß durchaus zu gefallen, auch wenn mir persönlich die beiden Rachefeldzüge der tragischen Helden und damit Dwight bei seinem ersten Auftritt in Eine Braut, für die man mordet besser gefallen haben. Alles im allem ist die Story in Verbindung mit dem Artwork und der Aufmachung dann aber trotzdem noch gut genug, um Sin City: Das große Sterben an die ersten beiden Bücher anknüpfen und gleichfalls als hochwertige Comicunterhaltung durchgehen zu lassen – und um dem Band ebenfalls eine Empfehlung auszusprechen. Denn wer die ersten beiden Bände mochte, der wird auch Das große Sterben mögen und ferner bereits jetzt wieder dem Erscheinungstermin des nächsten Bandes entgegen fiebern ...

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202406150241120470b857
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Comic:

Das große Sterben

Reihe: Sin City Bd. 3

Autor: Frank Miller

Verlag: Cross Cult

Format: Hardcover

Sprache: Deutsch

ISBN-Code: 3936480133

Anzahl Seiten: 196

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 03.10.2005, zuletzt aktualisiert: 28.12.2022 16:07, 1305