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David und Juna von Thomas Thiemeyer

Reihe: Das verbotene Eden Band 1

 

Rezension von Christel Scheja

 

Die meisten Leser kennen Thomas Thiemeyer vermutlich durch seine mystischen Wissenschaftsthriller wie „Medusa“ und „Reptilia“, in denen er naturwissenschaftliche Fakten mit den Mythen der Menschheitsgeschichte verknüpfte. Mit den „Chroniken der Weltensucher“ wandte er sich den phantastischen Jugendbüchern zu. „David und Juna“, der erste Band der Trilogie um „Das verbotene Eden“ folgt dem derzeitigen Trend zu dystopischen Zukunftsromanen, in denen auch eine Liebesgeschichte erzählt wird.

 

Ein gentechnisch veränderter Impfstoff gegen Grippe löst die Veränderungen aus, die die gesamte Gesellschaft ins Chaos stürzen. Plötzlich wenden sich die Geschlechter voneinander ab und wollen nichts mehr von sich wissen. Unerklärlicher Hass schafft Grenzen und lässt die Zivilisation, wie wir sie kennen, zusammenbrechen.

Einige Generationen später hat der Wald viele verlassene Gebiete zurückerobert. Die Frauen leben in kleinen Städten und Dörfern zusammen. Sie haben sich der Natur zugewandt und der Technik weitestgehend abgeschworen. Stattdessen leben sie von dem, was sie anbauen und jagen und verehren Göttinnen, die für sie die Aspekte des Lebens verkörpern. Die Männer leben in den Städten und halten sich, so fest sie können, an der verbliebenen Technik fest, auch wenn vieles inzwischen verloren gegangen ist.

Durch einen Pakt lassen sich die Geschlechter weitestgehend in Ruhe. Nur selten treffen sie aufeinander, um Handel zu treiben und Kinder zu zeugen. Die Jungen werden den Männern übergeben.

In diese Welt werden David und Juna hineingeboren. Juna, die Tochter der Hohepriesterin wächst als Jägerin und Kriegerin und lernt, sich vor den Männern in Acht zu nehmen. David wurde als Baby vor den Toren eines Klosters gefunden. Er arbeitet mittlerweile im Skriptorium und wird von dem Abt und vielen anderen Brüdern sehr wegen seiner Klugheit geschätzt. Er hat gelernt, sich vor den Frauen in Acht zu nehmen, auch wenn er so manches hinterfragt.

Dann droht das friedliche Leben nebeneinander her, ein Ende zu finden, denn die Zusammenstöße zwischen Männern und Frauen werden immer aggressiver – schließlich ruft der Inquisitor Marcus zum Krieg gegen die andere Hälfte der Menschheit auf, was den Frauen nicht lange verborgen bleibt.

Juna wird mit anderen ausgeschickt um Gefangene zu machen. Dabei fällt ihr ausgerechnet David in die Hände, der junge Mann, den sie schon einmal heimlich hat beobachten können – und der ganz anders als der Rest seiner Geschlechtsgenossen zu sein scheint.

 

Eigentlich benutzt Thomas Thiemeyer hier ein sehr klassisches Szenario, an dem sich schon andere Autoren versucht haben. So gesehen bietet das Setting für erfahrene Leser nicht viel neues – aber genug Facetten der oder Abweichungen von den Klischees, um neugierig zu werden und bis zum Ende zu lesen. Er legt ein Hauptaugenmerk auf die Menschen und die beiden Gesellschaften die entstanden sind, zeigt damit sehr deutlich, wie sich aus den unbestimmten Gefühlen düstere Vorurteile entwickelt haben, und spielt diese voll aus. Immerhin macht er nicht eine der Seiten zum Sündenbock, tatsächlich gibt es sowohl auf der Seite der Männer als auch auf der der Frauen Personen, die regelrechte Kriegstreiber sind und nach Blut lechzen, dann aber auch wieder jene, die aktiv daran arbeiten, die Grenzen aufzuweichen und zu zerstören.

Durch die verschiedenen Ansichten entsteht eine sehr differenzierte Gesellschaft, die die Handlung nur im Groben vorhersagbar macht. Das sorgt für die Spannung, die den ganzen Roman durchzieht.

Die Beziehung zwischen Juna und David ist zwar von Hormonen gesteuert, entwickelt sich aber dennoch angemessen langsam, denn auch sie müssen Ängste und Vorurteile hinter sich lassen, ehe sie sich ganz dem anderen anvertrauen können.

Alles in allem ist die Geschichte gut durchdacht und logisch aufgebaut, auch wenn der Autor gerne schon einmal klassische Handlungsmuster und vertraute Storyelemente verwendet. Aber man sieht es ihm gerne nach, da der Rest stimmt. Das Ende ist relativ in sich geschlossen, auch wenn der Fortsetzungscharakter natürlich nicht zu übersehen ist.

 

„Juna und David“, der erste Roman aus der Reihe „Das verlorene Eden“ greift als erste moderne Dystopie das Grundthema der Geschlechtertrennung auf. Auch wenn erfahrenen Lesern vieles bekannt erscheint, bietet das Buch doch immer wieder Überraschungen, die für Abwechslung in der Geschichte sorgen und damit für spannende Unterhaltung.

 

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Eure Meinung:

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Buch

David und Juna

Reihe: Das verbotene Eden Band 1

Autor: Thomas Thiemeyer

Gebunden, 460 Seiten

PAN/Knaur, August 2011

 

ISBN-10: 3426283603

ISBN-13: 978-3426283608

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B005CHH6C6

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

weitere Infos:


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Erstellt: 03.11.2011, zuletzt aktualisiert: 10.09.2019 19:06