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Der gläserne Fluch von Thomas Thiemeyer

Reihe: Die Chroniken der Weltensucher 3

 

Rezension von Markus Mäurer

 

Rezension:

Afrika - der schwarze Kontinent, das Herz der Finsternis; Ort zahlloser Abenteuer. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren weite Teile dieses Kontinentes noch unentdeckt, voller Rätsel und Mysterien, und deshalb Anlaufpunkt für viele Abenteurer, Forscher und Entdecker. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis es unseren Helden Carl Friedrich von Humboldt und seine Gefährten nach Afrika verschlagen würde. Wobei die Umstände in diesem Fall wenig glücklich sind. Denn Humboldt möchte herausfinden, welches Unglück seinem alten Studienfreund dem Völkerkundler Richard Bellheim dort widerfuhr - weshalb dieser völlig verändert und ohne Gedächtnis zurückkehrte und gar monströse Züge annahm.

Nach einem kurzen Auftakt in Berlin, in dem wir nicht nur erfahren, dass Humboldt den Straßenjungen Oscar adoptiert hat, sondern auch, dass eine ganze Rasselbande bei ihm eingezogen ist, geht es per Luftschiff in eine karge Berglandschaft im Nordwesten Afrikas (Mali, ehemals Französisch-Sudan), wo vor Jahrhunderten ein mysteriöser Meteorit eingeschlagen haben soll. Meteorit ist auch das Stichwort für Humboldts neuen Gegenspieler, den skrupellosen britischen Meteoritenjäger Sir Jabez Wilson, der auch über Leichen geht, um seine Ziele zu erreichen.

 

Im dritten Band der Chroniken der Weltensucher zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen. Das Buch ist immer noch ein spannendes und phantasievolles Abenteuer, aber es tauchen auch erstmals Wiederholungen aus den ersten beiden Bänden auf und mir persönlich war das hier geschilderte Nordwestafrika zu eintönig und öde. Ohne viel Spoilern zu wollen: Humboldt und seine Gefährten besteigen das Luftschiff und sind praktisch sofort schon vor Ort. Dass sich die Landung dann noch zu einem Abenteuer entwickelt ist eine andere Geschichte. Aber hier macht das Luftschiff den Helden die Sache zu einfach. Den Reiz von Abenteuern in Afrika liegt auch bei mühevollen Expeditionen, die unter widrigen Bedingungen ins Unbekannte führen. Dieser Teil des Abenteuers fehlt ein wenig.

Ein bisschen entschädigt wird man dadurch, dass man die beiden Journalisten Max Pepper und Harry Boswell, die schon in Die Stadt der Regenfresser auftauchten, auf ihrer Expedition mit Jabez Wilson begleiten darf. Hier geht es immerhin per Eisenbahn und Pferd durch die Wüste und es kommt zu Auseinandersetzungen mit Einheimischen. Die Situation der beiden ist interessant, da sie ja Freunde Humboldts sind und auch gutherzige Kerle, die erst nach und nach merken, was für einem üblen Kerl sie sich da angeschlossen haben.

Jabez Wilson ist im Prinzip ein recht einfacher Bösewicht, der zum Erreichen seiner Ziele über Leichen geht. Trotzdem passt er gut in die Geschichte, da er sinnbildlich für die Kolonialpolitik Europas steht. Erst wird geschossen, dann gefragt; man holt sich einfach, was man braucht bzw. haben will. Unrecht ist es nicht, da die Wilden in Afrika ja keine richtigen Menschen sind. Dass er sich dabei in Wahrheit barbarisch und unzivilisiert verhält, kommt Wilson nicht in den Sinn.

Als weiteres Sinnbild für die Kolonialmacht Europa steht auch der phantastische »Oberbösewicht«, über den ich hier nicht zu viel verraten möchte. Nur soviel, er oder es hält seine Lebensweise für die einzig Richtige und glaubt Gutes zu tun, indem er oder es andere in seine Lebensweise hineinzwingt, ohne darauf zu achten, ob sie vorher glücklich waren oder nicht.

Was dem Roman dieses Mal also ein wenig an Exotik und Abenteuer fehlt, macht er dafür mit den hintersinnigen Fragen wett, die er aufwirft. Und auch unsere jungen Helden Oscar und Charlotte machen einen Reifeprozess durch, der sie ein gutes Stück erwachsener werden lässt (was nicht negativ gemeint ist).

 

Fazit:

»Der gläserne Fluch« ist immer noch ein spannendes und abenteuerliches Jugendbuch, wenn ich mir auch für den nächsten Band wünsche, dass er ein wenig mehr vom bisherigen Schema abweichen wird.

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Buch:

Der gläserne Fluch

Reihe: Die Chroniken der Weltensucher 3

Autor: Thomas Thiemeyer

gebunden, 480 Seiten

Loewe Verlag, 6. Juni 2011

 

ISBN-10: 3785565771

ISBN-13: 978-3785565773

 

Erhältlich bei: Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 17.09.2011, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53