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Der König von Narnia von Clive Staples Lewis

Reihe: Narnia Bd.2

Rezension von Marcel Dykiert

 

„Es waren einmal vier Kinder: Peter, Suse, Edmund und Lucy.“

 

So beginnt Band zwei der unsterblichen Narnia Chronik und dieser Anfang verweist bereits auf das literarische Genre, in dem wir uns bewegen: C.S. Lewis taucht ein zweites Mal in seine christlich eingefärbte Märchenwelt ein. Doch zunächst zum Inhalt.

 

Die vier Kinder Peter, Suse, Edmund und Lucy müssen wegen der Luftangriffe der Nazis auf London die Stadt verlassen. Im Landesinneren, zehn Meilen von der nächsten Bahnstation lebt ein alter Onkel und in dessen riesiger Villa werden sie also ihren Sommer verbringen – haben sie jedenfalls gedacht. Aber natürlich kommt alles ganz anders, denn der alte Onkel, auch wenn er nie namentlich genannt wird, ist kein geringerer als der erwachsen gewordene Diggory aus dem ersten Band der Narnia Chronik. Und wie noch im ersten Band nachzulesen war, wurde aus dem magischen Baum der ersten Geschichte ein Schrank gemacht, der nun nicht weniger als ein Portal nach Narnia ist – ein paar alte Mäntel hängen aber auch drin.

Lucy, die jüngste der Kinder, versteckt sich beim Spielen in jenem Schrank und landet im eisigen Narnia, wo sie den freundlichen Faun Tumnus trifft. Tumnus ist nicht weniger erstaunt, einen echten Menschen, eine Evastochter, wie er sie nennt, zu treffen, als Lucy einen bocksbeinigen Faun. Beide unterhalten sich sehr nett und Herr Tumnus nimmt das kleine Mädchen mit zu sich nach Hause, wo sie noch mehr schwatzen und Tee trinken. Doch nimmt das Gespräch schließlich eine sehr unangenehme Wendung, denn der Faun steht im Dienste der bösen Hexenkönigin von Narnia, die von Feeneden aus herrscht und jeden zu Stein verwandelt, der ihr nicht untertan sein will. Leider ist es seine Pflicht, das Mädchen zu ihr zu bringen, doch ist Herr Tumnus ein herzensguter Faun und sieht davon ab. Lucy eilt zurück nach England – wo fast überhaupt keine Zeit vergangen ist, dabei hat sie doch viele Stunden mit dem freundlichen Faun verbracht. Natürlich glauben ihr ihre Geschwister kein Wort, doch führt das Schicksal schon kurz darauf auch Edmund nach Narnia. Er hat aber weniger Glück, denn statt einem freundlichen Wesen trifft er die Hexenkönigin. Auch hier haben wir es mit einer alten Bekannten zu tun, denn es ist natürlich keine Geringere als Jadis, die das Land in ihren eisigen Klauen hält. Sie verführt Edmund mit verzauberten Süßigkeiten und lockt ihn mit der Krone Narnias und schließlich ist dieser sogar bereit, seine Geschwister zu verraten, denn was zu diesem Zeitpunkt dem Leser noch verschlossen ist, Jadis aber bestens bekannt: die Kinder werden eine Prophezeiung erfüllen, die ihrer Schreckensherrschaft ein Ende machen wird.

Schließlich sind also alle vier Kinder in Narnia und sie treffen abermals ein freundliches Wesen: den freundlichen Biber. Zusammen mit ihm müssen sie erfahren, dass Herr Tumnus für seinen Verrrat an der Hexe schwer büßen musste; auch er steht nun versteinert in ihrem Hof auf Feeneden. Gemeinsam brechen sie auf, um den mystischen Löwen Aslan zu treffen, und Herrn Tumnus zu helfen. Edmund, der Verräter aus ihrer eigen Reihe, hat seine Geschwister längst verlassen, um seiner neuen Herrin zu Diensten zu sein.

Eine Reise voller Abenteuer beginnt und am Ende stehen sich die Mächte des Lichts und die Kräfte der Finsternis unversöhnlich gegenüber. Eine Schlacht ist unausweichlich.

 

Die Narnia Chronik ist ein einzigartiges Stück Literatur. Wo Tolkien mit seinem „Herr der Ringe“ Neuland betreten hat, indem er Märchen und klassische Belletristik zum Subgenre der Fantasy zusammengefügte, bleibt C.S. Lewis dem Märchen treu. „Der König von Narnia“ ist ein klassisches Märchen im herkömmlichen Sinne; die christlich eingefärbte Botschaft und der Lerneffekt stehen vor den Figuren oder der geradlinigen Handlung.

Wurden wir im ersten Band Zeugen der Erschaffung Narnias, so erleben wir nun die Erlösergeschichte neu; Aslan wird von der Hexe und ihren Schergen ans Kreuz geschlagen bzw. auf einem Altar gefoltert und gedemütigt, weil er sich für den Adamssohn opfert, der ihn verraten hat. Doch wie Jesus Christus ist es auch ihm bestimmt, den Tod zu überwinden und seine Erlösung ganz Narnia zugute kommen zu lassen. Wie der ungläubige Thomas Jesus Wunden befühlen musste, um zu glauben, so musste auch Lucy Aslan ungläubig befühlen, um zu glauben, dass er kein Geist ist. Gemeinsam brechen sie auf, eine neue, gerechte Herrschaft zu errichten und natürlich gelingt es ihnen, denn es gibt kein Märchen, dass kein Happy End hat.

Im zweiten Band beginnt sich Narnias Reiz weiter zu entfalten. Mit den vier Königen beginnt die eigentliche Geschichtsschreibung des Landes und durch die Rückbezüglichkeit zu Band eins erscheint die eigentlich relativ simple Geschichte als Teil eines komplexen und vor allem größeren Ganzen. Das Lewis auf die Hauptfiguren der ersten Geschichte weitgehend verzichten kann, unterstreicht sein Anliegen; Narnia selbst ist die Hauptfigur und die christliche Botschaft ist wichtiger als die Gefühlswelten oder Charakterisierungen der Kinder.

Stilistisch ist Lewis im zweiten Band noch ganz in der Nachahmung des simplen Märchenstils verhaftet und erst im dritten Band „Der Ritt nach Narnia“ wird es ihm gelingen, sich davon zu lösen und seine durchaus ansprechende Geschichte mit einem nicht weniger ansprechenden Erzählweise zu verbinden. Dennoch ist Band zwei schon um Längen besser als Band eins und Band drei wird eine weitere Steigerung sein, so viel kann wohl schon verraten werden.

 

Narnia ist Kult. Wer sich nach der Lektüre des ersten Bandes fragte, warum eigentlich, der findet nun eine Antwort, denn Lewis beginnt langsam, aber zielstrebig, eine faszinierende Welt zu erschaffen, die einen in seinen Bann zieht, auch wenn sie sehr kindergerecht ist.

Eine Warnung am Ende sei noch ausgegeben: So kinderfreundlich Narnia auch sein mag, Kinder sind mit Sicherheit die ersten Adressaten, an die Lewis sich wendet; Aslans Tod ist eine Stelle, die wegen ihrer Grausamkeit und Härte für Kinder vielleicht nur schwer verdaulich ist. Hier ist eine elterliche Vor – und Nachbesprechung empfehlenswert.

 

Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 2 von 2.

Nomi
Montag, 30. Mai 2011 21:30 Uhr
Zur Abwechslung ist der Film genau so gut wie das Buch! Einfach super!

Leider ist "Prinz Kaspian von Narnia" nicht so gut verfilmt worden. Zu viele sinnlose Abweichungen!

ich persönlich
Donnerstag, 07. Dezember 2006 14:43 Uhr
Die Verfilmung ist echt cool!

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Buch:

Der König von Narnia

Autor: Clive Staples Lewis

Gebunden - 168 Seiten - Ueberreuter

ISBN: 3-8000-2044-0

Erscheinungsdatum: Juli 2002

ab 12 Jahre

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 14.08.2005, zuletzt aktualisiert: 10.09.2019 19:06