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Der Ritt nach Narnia von Clive Staples Lewis

Reihe: Narnia Bd.3

Rezension von Marcel Dykiert

 

Im dritten Band der Narnia Trilogie, dem „Ritt nach Narnia“, lernt der Leser und Reisende Narnias erstmals etwas über die bislang nur namentlich genannten Länder, die um jenes sagenumwobene Land liegen; Archenland und vor allem Kalormen. In jenem Kalormen, einem Wüstenreich jenseits des Meeres, lebt der kleine Waisenjunge Shasta, der sein Dasein als Gehilfe eines ärmlichen Fischer fristen muss. Tagein tagaus kennt er nichts als die harte Plackerei, die seine Profession so mit sich bringt & obgleich sein Meister ihn im Großen und Ganzen durchaus fair behandelt, so ist sein Alltag dennoch anstrengend und perspektivlos.

Das alles ändert sich, als eines schönen Abends ein reicher und hartherziger Tarkaan , ein Adeliger, vorbeikommt und um Gastfreundschaft bittet oder besser gesagt, sie schlicht und ergreifend fordert. Shasta muss vom Stall aus belauschen, wie die beiden Herren über seinen Verkauf verhandeln! Laut vor sich hinmurmelnd klagt er sein Leid – und traut seinen Ohren kaum: Das Pferd des fremden Herren antwortet ihm! Es sagt, dass es ebenfalls eine Flucht in das gelobte Land Narnia plant & das sie beiden doch zusammen fliehen könnten. Beide hätten einen Vorteil davon; das Pferd hätte einen Reiter und würde nicht mehr aussehen, als sei es durchgegangen, Shasta hingegen würde viel schneller vorankommen. Zudem heisse es Breehy-hinny-brinny-hoohy-hah, aber Shasta dürfe Bree sagen.

Gesagt getan, die beiden warten noch ein Weilchen, bis die beiden Männer schlafen, dann reiten sie los. Zunächst kommen sie recht gut voran, dann beginnt der Ärger. Während die beiden in der Wüste vor einem riesigen Löwen fliehen müssen, lernen sie Hwin kennen, ein weiteres sprechendes Pferd, das eigentlich aus Narnia kommt und nun auch gerne dorthin zurück würde. Auch dieses Pferd hat eine Reiterin; eine Tarkheena, eine junge Adelige namens Aravis. Sie ist auf der Flucht, weil sie keine Lust hat, den reichen & einflussreichen, aber extrem widerlichen Ahostha zu ehelichen. So fliehen sie also zu viert weiter, bis sie schließlich vor den Toren der Stadt Tashbaan sind, wo sich ihre Wege, unfreiwillig erst einmal wieder trennen. Während Shasta versehentlich für ein Mitglied der königlichen Familie von Archenland, Aravis findet Unterschlupf bei einer alten Schulfreundin und gemeinsam decken die beiden ein ungeheuerliches Komplott des Tisroc, dem obersten Herrscher Kalormens, gegen das Archenland und Narnia! Hwin, Bree, Aravis und Shasta brechen sofort auf, doch auch Rabadash, der Sohn des Tisroc ist bereits mit seinen besten Männern aufgebrochen und so beginnt ein Wettrennen durch das Wüstenland Kalormens. Die Schlacht am Ende dieses Gewaltmarsches wird ohnehin nicht mehr zu verhindern sein, doch werden die Fabelwesen Narnias rechtzeitig bereitstehen, wenn das Archenland angegriffen wird? Das Schicksal der beiden Länder liegt in den Händen des entflohenen Sklavenjungen Shastas, doch der ist zu allem entschlossen und kann auf die Hilfe seiner treuen Freunde Bree, Hwin und Aravis zählen. Gemeinsam trotzen sie dem Bösen und wenn alle Stricke reißen, dann haben sie ja noch Aslan, den Löwen.

 

Mit dem „Ritt nach Narnia“ betritt C.S. Lewis erstmals Neuland in seiner berühmten Narnia Chronik. Obgleich auch hier eine spannende Abenteurgeschichte, wiederum vor allem kindgerecht aufbereitet, im Mittelpunkt seiner Erzählkunst steht, tun diesem Buch vor allem zwei Entscheidungen des Autors sehr gut; erstens endlich mal eine andere Geschichte zu erzählen, als die der Kinder, die aus unserer Welt in die Narnia stolpern, zweitens, sich eher auf die Figuren zu konzentrieren und die hinlänglich etablierte Welt einfach als das zu benutzen, was sie ist: Ein großartiges Setting!

Auch die christliche Botschaft tritt vor der epischen Schlacht in den Hintergrund, in diesem Band scheint weniger die Bibel, als vielmehr eine verdrehte König Artus Sage die Vorlage für die Geschichte geliefert zu haben. Das ist alles viel spannender, flüssiger geschrieben und ... einfach packender. Shasta und Bree sind mit einigem Abstand die bislang sympathischsten Geschöpfe Aslans, sie sind erstmals echte Persönlichkeiten und nicht nur Mittel zum Zweck. A propos Aslan; der löwengestaltige Schöpfergott Narnias tritt auch hier wieder als christlicher Gott und Deus ex machina in Erscheinung, hilft den Aufrechten und straft voll Mitleid; selbst jene, die mit ihm kämpfen, so sie es verdient haben.

Beeindruckend ist auch, welches Fachwissen Lewis erstmals in seine doch recht kindliche Erzählung einfließen lässt; Schwertkampf, mittelalterliche Kriegsformationen und vor allem das Reiten – er war eben doch ein Geschichtsprofessor und erst mal lässt er den Leser an seinem reichhaltigen Wissen teilhaben.

 

Alles in allem der bislang beste Band der Narnia Chronik, eindeutig ein vorzeitiger Höhepunkt der Geschichte; Spannung, Humor, Charaktere, Einbindung früherer Erzählstränge und Handlungselemente gelingt vollkommen – alles hat sich um Längen gesteigert. Stilistisch ist ein Quantensprung gelungen, fast möchte man meinen, C.S. Lewis hat jemand anderen weiterschreiben lassen. Wen die ersten beiden Narnia Bände, vielleicht gerade aufgrund z.T. doch erheblicher schriftstellerischer Mängel, nicht so recht zu überzeugen wussten, dem kann ich nur raten: Durchhalten! Band drei ist der große Wurf.

Lest es!

 

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Buch:

Der Ritt nach Narnia

Autor: Clive Staples Lewis

Gebunden - 180 Seiten - Ueberreuter

ISBN: 3-8000-2087-4

Erscheinungsdatum: Januar 2003

ab 12 Jahre

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 14.08.2005, zuletzt aktualisiert: 20.09.2019 15:49