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Der Schnitt durch die Sonne von Dietmar Dath

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Die Zukunft in Flammen – der Roman einer großen politischen Feuerprobe für die Menschheit unserer Epoche

Überall ist Politik. Sechs Menschen werden zusammengerufen, um zur Sonne zu reisen: eine Schülerin, ein Koch, ein Finanzberater, eine Mathematikerin, ein Gitarrist und eine Pianistin. Sie erfahren, dass es dort eine Zivilisation gibt, die anders ist als alles, was Menschen kennen. Mit neuen Körpern sollen sie drei große Aufgaben bewältigen und geraten dabei zwischen die Fronten eines gewaltigen Konflikts.

»Der Schnitt durch die Sonne« steht in der Tradition von H.G. Wells, Stanis?aw Lem und Arno Schmidt. Ein abenteuerlicher, philosophischer und politischer Roman, der sich den drängenden Fragen unserer Gegenwart stellt.

 

Rezension:

Dietmar Daths große Reise durch die deutsche Verlagslandschaft geht weiter. Irgendwann wird er in jedem Verlagsprogramm ganz still und heimlich Science-Fiction eingeschmuggelt haben und sich darob diebisch freuen. Der Schnitt durch die Sonne erschien nun bei S. FISCHER.

 

Nach einen kurzen Prolog, der sich zunächst dem Verständnis noch entzieht, begegnen wir nacheinander den Hauptfiguren. Aykut ist ein türkischstämmiger Geschäftsmann, der exquisit Kochen kann. Marianne war Klavierlehrerin, versteht etwas von Stalin und lebt im Pflegeheim, ihre beste Freundin ist Enkelin Filippa. Bernhard ist ein begnadeter Musiker, der an der Welt leidet. Karel ist Physiker, dessen Karriere nach Betrügereien kollabierte und dann ist da noch Vera Ulitz. Wir konnten die Mathematikerin bereits in Deutsche Demokratische Rechnung kennenlernen.

 

Die fünf werden teilweise recht rabiat rekrutiert und auf eine sehr seltsame Mission geschickt. Der im Körper eines krebskranken Mädchens manifestierte Sonnenwirbel Teiresias gibt ihnen drei Aufgaben zu lösen und sendet ihre Bewusstseinsinhalte in die Sonne, ändert für sie Zeit, Aussehen, Geschlecht. Denn auf der Sonne tobt so etwas wie ein Bürgerkrieg. In unserem Zentralgestirn entstand ein Koronakind, etwas, das anders war. Ob dieses Anderssein nun gut oder schlecht ist, darüber entbrannte ein Streit. Hilfe sollen die Menschen bringen, indem sie die drei Aufgaben lösen: Wie entstand das Koronakind? Wovon ernährt es sich und wie ist seine Sprache?

 

Zunächst landet jeder der fünf in ganz unterschiedlichen Orten, die sich an der Erde orientieren. Wald, Strand, Stadt. Doch diese Landschaften und Gebäude sind, wie die fünf und auch die Sonnenwesen, nur Virtualisierungen. Das hilft jedem einzelnen, auf seinem Gebiet an der Lösung der Aufgaben zu forschen. Es gibt Kontakte, Beziehungen und Fortschritte – und Fehler …

 

Die Idee mit intelligenten Sonnenstrudeln auf der einen Seite und die menschliche Hilfstruppe auf der anderen, bietet theoretische die Grundlage für einen spannenden SF-Roman. Doch Dietmar Dath ist ein Denker und so stellt einen riesigen Gedankentopf auf den Herd der Abenteuerkulisse.

 

Zentrales Element ist die Kategorientheorie, die Vera wie gewohnt mehrmals erklären und erweitern darf. Die Sonnenleute wurden durch dieses Gedankenkonstrukt überhaupt erst auf die Menschen aufmerksam. Alles in der Sonnenwirklichkeit ist irgendwie Mathematik. Das große Sonnenmonster 196.883 hat seine Entsprechung in der Gruppentheorie und so ziemlich alles was mit ihm zu tun hat, wird recht schnell kompliziert. Später wird die Mathematik gleich ganz zu einem lebenden Wesen erklärt.

 

Es ist nicht trivial, Daths Gedankengebilde zu folgen, auch wenn er es in eine komplexe und abwechslungsreiche Figurenkonstellation verpackt. Was die fünf auf der Sonne erleben, ist ohne Zweifel mitreißend, was sie entdecken, muss man aber erst einmal verstehen.

 

Damit man das auch ohne höhere Mathematik kann, folgt dem hochdramatischen Sonnen-Finale ein ausführlicher Erd-Abgesang. Es gibt noch engere Verknüpfungen zur »Deutsche Demokratische Rechnung« und vor allem an ein Manifest erinnernde Aufforderungen zum Handeln. Wichtig ist Dietmar Dath vor allem eines: Teilt euer Wissen!

 

Das Teilen ist eine dialektische Sache, wie auch der Titel des Romans verdeutlicht. »Der Schnitt durch die Sonne« trennt verschiedene Ansichten voneinander. Führt aber auch dazu, dass sie sich der Erde und ihren Menschen mitteilen. Dass sich das Innenleben der zerschnittenen Sonne so auch der Erde offenbart.

 

Dath ist ein großer Meister in der Integration erstaunlicher wissenschaftlicher Themen in aktuelle Probleme. Seine Figuren in »Der Schnitt durch die Sonne« sind allesamt reale ZeitgenossInnen, oder besser: Abbildungen davon. Er schüttelt derartige Stoffe scheinbar mühelos in nicht endender Zahl aus dem Ärmel und manchmal reicht ein Roman dafür eben nicht aus.

Oder auch zwei. Also dann: Bis zum nächsten Mal an anderer Stelle.

 

Fazit:

»Der Schnitt durch die Sonne« von Dietmar Dath bietet in gewissem Sinne die Fortsetzung und Potenzierung von »Deutsche Demokratische Rechnung«, mit der er allen Zweiflern klar sagen möchte: Das ist doch Science-Fiction! Sicherheitshalber garniert mit Aliens, Zeitreisen, Tentakelmonstern und Sex.

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Eure Meinung:

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Buch:

Der Schnitt durch die Sonne

Autor: Dietmar Dath

Gebundene Ausgabe, 363 Seiten

S. FISCHER, 24. August 2017

 

ISBN-10: 3103973063

ISBN-13: 978-3103973068

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B071H7FX4C

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 30.08.2017, zuletzt aktualisiert: 10.08.2020 08:58