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Der unvergleichliche Jeeves von P. G. Wodehouse

Reihe: Wooster und Jeeves Band 1

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

»Der unvergleichliche Jeeves« gehört zu den ersten und humorvollsten Büchern des englischen Kultschriftstellers P.G. Wodehouse rund um den Gentleman Bertie Wooster und seinen findigen Butler Jeeves. Ob es um die nervtötenden Verkupplungsversuche der Erbtante oder Beziehungstipps für den besten Freund geht – ohne die Hilfe von Jeeves wäre Bertie wohl längst an den Aufgaben des Alltags gescheitert. Denn sein Butler ist weit mehr als ein gewöhnlicher Angestellter.

 

Rezension:

P.G. Wodehouse zählt hierzulande nicht zu den bekanntesten englischen Schriftstellern obwohl ihn mit Deutschland eine einschneidende Episode in seiner Biographie verbindet. Er ließ sich nämlich als Kriegsgefangener während des Zweiten Weltkrieges für die deutsche Propaganda einbinden, was ihm seine britischen Leser lange nicht verziehen.

Doch inzwischen ist die Insel wieder Wodehouse wohlgesonnen und auch bei uns sind viele seiner Werke in den letzten Jahren neu herausgegeben worden.

Zu seinen berühmtesten Geschichten zählen die Abenteuer des reichen Junggesellen Berti Wooster und seines pfiffigen Butlers Jeeves. 1923 erschien mit Der unvergleichliche Jeeves der Band der Reihe. Er enthält neun lose miteinander verbundene Episoden.

 

Berti Wooster ist vermögend, gehört aber nicht dem Adel an. Durch einige glückliche Pferdewetten ist er finanziell unabhängig und verbringt seine Tage mit Clubbesuchen, Landaufenthalten bei Bekannten und Abendvergnügungen. Er ist ein reicher, versnobter und leicht minderbemittelter Nichtsnutz. Jeeves wiederum ist ein klassischer Butler. Sehr konservativ, ungemein loyal und vor allem ein Meister der Intrige.

Da alle Geschichten aus der Ich-Perspektive Berties erzählt sind, erfahren wir von vielen Tricks und Winkelzügen Jeeves erst im Nachhinein. Bertie ist meist viel zu egozentrisch und unaufmerksam, um hinter die Ereignisse zu sehen. Zudem hindern ihn wiederholt sein trotziger Stolz und seine Leichtlebigkeit daran, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wodurch er ein beständiges Opfer der Umstände ist. Obwohl er sich für unabhängig hält, wird sein ganzes Leben von anderen Menschen und Konventionen bestimmt.

So versucht er regelmäßig mit bunten Kleidungsstücken gegen eine starre Etikette aufzubegehren, scheitert aber stets an Jeeves. Der Butler lässt es seinen Herren ziemlich deutlich spüren, was es heißt, in Bekleidungsfragen eigene Ideen zu verfolgen. Letztlich muss Bertie immer nachgeben, weil er Jeeves geniale Problemlösungen benötigt.

 

Es handelt sich in den neun Episoden aber nie um lebensbedrohlichen Probleme.

In der ersten Geschichte lernen wir einen Schulfreund Berties kennen. Little Bingo hat sich in eine Serviererin verliebt und benötigt Berties Hilfe. Er will das Mädchen heiraten, fürchtet aber, die monatlichen Zahlungen des Alten zu verlieren, sollte er eine Bindung unter seinem Stand eingehen.

Jeeves schlägt das Vorlesen gewisser Romane vor, um den Boden über romantische Gefühle zu bereiten. Doch die Sache verkompliziert sich, als Berties kurzerhand zum Verfasser der Bücher gemacht wird.

Nach dieser ersten Liebeseskapade Bingos muss sich Bertie gegen Heiratspläne seiner Tante Agatha wehren, die ihren lasterhaften Neffen endlich unter die Haube bringen will.

Da sich Bertie wegen greller Galoschen mit Jeeves verkrachte, wird die Abwehrschlacht zunehmend hoffnungsloser.

Kaum gerettet, fällt erneut Bingo mit einer Liebesgeschichte ins Haus. Bertie muss wieder helfen und stürzt selber in die Falle. Jeeves Rettungsplan hat weitreichende Folgen, denn fortan gilt Berties Geisteszustand zumindest als gefährdet.

Es folgen ein Theater-Abenteuer in New York und weitere Bingo-Liebschaften, bei denen Jeeves nicht nur sein Geschick mit Wetten unter Beweis stellt, sondern auch durchblicken lässt, wie gut vernetzt die englische Dienerschaft ist.

Zu guter Letzt muss noch der kleine Schwindel aufgelöst werden bezüglich der Urheberschaft gewisser Liebesromane, natürlich dank Little Bingo und ebenso genial von Jeeves behandelt.

 

Das Auf und Ab von Berties Problemchen und Verwicklungen liest sich flott und munter weg. Man erfährt eine ganze Menge über das Treiben der reichen britischen Jugend zu Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts. Allerdings bleibt Wodehouse dabei stets im lockeren Unterhaltungsmodus, seine Satire kratzt lediglich an der Oberfläche und gibt immer nur indirekt Einblicke in die englische Gesellschaft.

 

Fazit:

»Der unvergleichliche Jeeves« von P. G. Wodehouse liefert mit seinen munteren Geschichten typische Blaupausen für das Verhältnis von Butler und Herr, wie es seither immer wieder in Literatur und Film zu finden ist. Der clevere und treue Diener verhindert diverse Katastrophen, erzieht und beschützt seinen leichtsinnigen und meist komplett ahnungslosen Herrn. Beginn einer langen Reihe ähnlicher Abenteuer.

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Buch:

Der unvergleichliche Jeeves von P. G. Wodehouse
Der unvergleichliche Jeeves von P. G. Wodehouse

Der unvergleichliche Jeeves

Original: The Inimitible Jeeves, 1923

Reihe: Wooster und Jeeves Band 1

Autor: P. G. Wodehouse

Übersetzer: Fred Schmitz

Gebundene Ausgabe, 239 Seiten

Süddeutsche Zeitung, 24. September 2011

Cover: Oliver Weiss

 

ISBN-10: 3866159420

ISBN-13: 978-3866159426

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 27.07.2015, zuletzt aktualisiert: 12.01.2020 13:58