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Der Vampir in Legende, Kunst und Wirklichkeit von Basil Copper

Rezension von Christel Scheja

 

Durch die einschlägige Unterhaltungsliteratur und diverse Verfilmungen ist „Der Vampir“ mittlerweile hoffähig geworden und auch aus Genres nicht mehr weg zu denken, in denen man ihn noch vor dreißig Jahre nicht vermutet hätte.

Sensible und menschenfreundliche aber dennoch Blut saugende Galane bevölkern die Seiten der Liebesromane und haben viel von dem Grauen verloren, das frühere Lesergenerationen diesen Nachtwesen eigentlich entgegen brachten.

Über die eigentlichen mythologischen und literarischen Wurzeln weiß heute fast niemand mehr Bescheid, die meisten Leser erinnern sich vielleicht gerade noch an Bram Stokers Dracula.

 

Zwar stammt Basil Coppers Sachbuch „Der Vampir in Legende, Kunst und Wirklichkeit“ bereits aus dem Jahre 1973, ist aber durch ein ausführliches Essay von Uwe Sommerlad, das die Entwicklung des Vampirmythos bis in das Jahr 2004 betrachtet, auf einen aktuellen Stand gebracht worden.

 

Copper teilt sein Werk in drei große Bereiche ein:

 

„Der Vampir in der Legende“ beschäftigt sich mit den Wurzeln des Mythos im Volksglauben. Schon in früheren Zeiten glaubte man, dass die Seelen der etwa durch eine Hinrichtung oder Selbsttötung friedlos Verstorbenen nicht in das Totenreich eingehen würden. Deshalb hat man schon in früherer Zeit zahlreiche Schritte unternommen, um sie an ihr Grab zu binden, ihnen den Kopf abgeschlagen oder Nägel und Pflöcke durch den Körper getrieben. In manchen Regionen haben sich die Geschichten um wiederkehrende Toten sogar bis in das zwanzigste Jahrhundert erhalten und es sind Fälle bekannt, in denen Tote noch heute exhumiert und wie oben beschrieben behandelt werden.

Die Vampire im Tiergestalt werden ebenfalls nicht vergessen. Ob nun Fledermäuse, Schmetterlinge oder Katzen - teils bezogen sich die Behauptungen auf reale Bobachtungen, teils auf hahnebüchene Behauptungen.

Aus diesen Aberglauben entwickelten sich aber auch nach und nach Legenden, die spätere Generationen prägen und Autoren Inspiration geben sollten.

 

„Der Vampir in der Literatur“ erzählt von den ersten Schriftstellern, die das Genre des Schauerromans begründeten und aus den Schreckgestalten des Volksglaubens literarische Figuren machten. er nennt Polidori aus dem Kreis um Lord Byron, der mit „Der Vampyr“ erstmals einen Blutsauger von Format zur zentralen Figur einer Geschichte machte. Danach dauerte es dreißig Jahre, bis Thomas Preskett Prest mit „Varney der Vampir“ eine ähnlich populäre Gestalt erschuf. Weniger bekannt blieben die Werke von Sheridan LeFanu („Carmilla der Vampir“) und anderen Phantasten des 19. Jahrhunderts.

Erst Bram Stokers sollte mit „Dracula“ eine Figur prägen, die das Bild des Vampirs in der Literatur bis heute prägt. In den kommenden Jahrzehnten gab es unter den Autoren zwei Strömungen - sich entweder dem gängigen Bild anzupassen, das auch durch das Medium Film immer tiefer in die Köpfe der Menschen eingebrannt wurde, oder neue Wege in der Darstellung der Blutsauger zu gehen.

 

„Der Vampir in Theater und Film“ beschäftigt sich mit den Bühnenstücken, die eine Menge mehr Leute in die Theater lockten und später ins Kino. Die großen Stummfilmwerke wie „Nosferatu“ von F. W. Murnau werden ebenso genannt wie die Klassiker des Tonfilms, vor allem jene die durch Bela Lugosis und Christopher Lees Darstellung des Grafen oder durch eine gänzlich andere Interpretation des Mythos - wie etwa C. Th. Drehers „Vampyr“auffielen.

Dabei nennt der Autor nicht unbedingt jeden Film, der zwischen 1920 und 1970 gedreht wurde sondern konzentriert sich dabei auf die Werke, die das Bild des Vampirs in der Öffentlichkeit und unsere Vorstellung nachhaltig geprägt haben.

 

Mit „Der Vampir in der Wirklichkeit“ klingt das Buch aus. Copper nennt dabei einige Serientäter, deren Art andere Menschen zu töten, der der Vampire noch am ähnlichsten kommt. Dabei fallen Namen wie Fritz Haarmann, John George Haigh und Sergeant Bertrant. Er erörtert auch den Begriff Vampirismus aus medizinischer Sicht, bevor er zu seinem Schlusswort übergeht.

 

Mindestens genau so informativ und aufschlussreich ist das fünfundzwanzigseitige Nachwort von Uwe Sommerlad, der sich mit der Renaissance des Vampirs in den letzten dreißig Jahren beschäftigt, vor allem mit der Entwicklung des ehemaligen Monsters zu einem sensiblen und menschenähnlichen Wesen.

Er beschreibt den Einfluss von Anne Rice und ihrem „Interview mit einem Vampir“ auf die Darstellung der Blutsauger, die plötzlich immer mehr Eigenschaften ihrer Opfer annahmen und den reinen Täter und Monsterstatus verloren. Fernsehserien („Nick Knight“, „Buffy“, „Angel“) werden ebenso genannt wie die das Genre prägenden Filme (Coppolas „Dracula“, „Blade“) und die durch Rice beeinflussten Strömungen in der phantastischen Literatur, die Vorstellung von Vampiren seit Coppers Buch völlig auf den Kopf gestellt haben.

 

Allein das informativ und unterhaltsam geschriebene Nachwort, das gerne doppelt so lang hätte sein können, macht „Der Vampir in Legende Kunst und Wirklichkeit zu einer spannende Lektüre. Es ergänzt Coppers Ausführungen ausgezeichnet und rundet das neu übersetzte und sorgfältig bearbeitete Werk ab.

Für Liebhaber des Genres und Fans wird das Sachbuch damit zu einem unverzichtbaren Standardwerk, das neben den entsprechenden Quellenangaben auch noch ein aktuelles Literaturverzeichnis enthält. Selbst wer den Vampir erst gerade zu entdecken beginnt kann sich hier umfassend informieren.

Eure Meinung:


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Buch:

Der Vampir in Legende Kunst und Wirklichkeit

Autor: Basil Copper

gebunden, 336 Seiten

Festa, erschienen März 2007

ISBN 978-3-86552-071-5

Übersetzer: Malte S. Sembten

mit einem weiterführenden Nachwort von Uwe Sommerlad

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 24.06.2007, zuletzt aktualisiert: 30.04.2019 14:17